Predigt von Richard Baus zur Taufe des Herrn

Fest der Taufe des Herrn     
Jes 42, 1-4.6-7    Lk 3, 15-16.21-22

Liebe Schwestern und Brüder,

mit dem heutigen Sonntag endet der Weihnachtsfestkreis. Und deshalb steht nicht länger das Jesus-Kind im Mittelpunkt unserer Betrachtung, sondern ab jetzt ist es der erwachsene Jesus-Mann. Ca. 30 Jahre liegen zwischen seiner Geburt und dem, was wir da heute gehört haben.

Aber das, was uns an Weihnachten so wichtig gewesen ist, dass Gott Mensch geworden ist, dass wir einen Gott feiern, der nicht länger außerhalb dieser Welt angesiedelt sein will, sondern der mitten unter den Menschen leben will, das gerät damit nicht an ein Ende, sondern das nimmt hier nun einen neuen Anfang.

Ein interessanter Zeitpunkt, von dem das Evangelium uns da berichtet: Da taucht Jesus, von dem 30 Jahre lang so gut wie nichts gehört hat,  am Jordan auf, um sich in die lange Reihe der Menschen zu stellen, die sich von Johannes im Jordan taufen lassen. Johannes tauft zur Vergebung der Sünden.

Aber hat Jesus das nötig? Ist er ein Sünder? Sicher nicht – so sagt es unser Glaube.  Aber Jesus will damit wohl deutlich machen: Ich will  nichts  „Besseres“ sein als die Menschen um mich herum. Ich will keine besonderen Rechte für mich in Anspruch nehmen, sondern ich will mitten unter Euch sein – und ich will für Euch da sein.

Und über diesem Menschen geht am Jordan der Himmel auf und Gott spricht:  „Du bist mein geliebter Sohn; an Dir habe ich Gefallen gefunden“.

Spannend, aus diesem offenen Himmel, in den wir so gerne Gott ansiedeln – hoch und weit über uns – da tönen keine moralischen Appelle, keine Anweisungen, wie wir Menschen zu leben haben, sondern aus diesem offenen Himmel ertönt eine Liebeserklärung.

Du bist mein geliebter Sohn. An dir habe ich Gefallen gefunden.

Und für die, die das hören, heißt das: Schaut auf ihn. An ihm könnt ihr sehen, wie ich, Gott, das Leben will. Ich habe Gefallen gefunden an der Art und Weise, wie er mit den Menschen umgehen wird.

Eine Liebeserklärung als „Überschrift“ über dem Anfang des öffentlichen Leben Jesu gesprochen steht. Als wolle Gott sagen: Schaut genau hin! Aber Achtung! Denn dieser „geliebte Sohn“ wird eine neue, ganz andere Botschaft bringen als sie bisher verkündet wurde. Und er wird damit die religiöse Welt seiner Zeit ziemlich auf den Kopf stellen: Wo die „Frommen“ der damaligen Zeit die Strafe Gottes für die Sünder verkündet haben, da wird Jesus den Sündern Erbarmen zusagen und ihnen Vergebung schenken.

Wo man den Kranken und Aussätzigen eingeredet hat, ihr Leid sei jetzt die gerechte Strafe für ihre Schuld, da wird er sie liebevoll anschauen, sie heilen, gesund machen und sie  in seine Gemeinschaft aufnehmen.

Wo Johannes noch von der Axt gesprochen hat, die alles umhaut, was nicht grade wächst, da wird Jesus alles tun, damit  keiner verloren gehen wird.  Das geknickte Rohr wird er nicht brechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen. Denn er trägt Hoffnung und Heil in sich – die Rettung aus aller Not. Und er wird uns sogar versichern, dass es mit dem Tode noch lange nicht vorbei ist.

Liebe Schwestern und Brüder,

das Fest der Taufe Jesu will das das Weihnachtsgeheimnis noch ein-mal sehr deutlich machen und uns sagen: In Jesus ist Gott sichtbar in unserer Welt erschienen. So wie dieser Jesus ist, wie er handelt und spricht - so ist unser Gott, Ja, in Jesus, da legt GOTT vorbehaltlos seine Arme um die Menschen, und zwar um alle Menschen - auch um uns. Er nimmt uns an so wie wir sind – mit unseren Widersprüchen und Zerbrochenheiten, mit all dem, was nicht stimmt in unserem Leben. Und wo wir schuldig geworden sind, da wird er selbst unsere Schuld auf sich nehmen, damit wir wieder aufatmen und leben können.

Eine Liebeserklärung aus einem offenen Himmel – bei der Taufe Jesu im Jordan. Eine Liebeserklärung, die weiterhin gilt – für Jesus und für alle, die auf diesem Jesus schauen und die versuchen, ihm nachzufolgen - auch wenn es nicht immer gelingt. Und diese Liebeserklärung gilt selbst für die, die das überhaupt nicht glauben können.

Liebe Schwestern und Brüder,
jedes Mal, wenn in unseren Gemeinden ein Kind getauft wird, dann ereignet sich das Wunder eines offenen Himmel. Dann spricht Gott seine Liebeserklärung an dieses Kind aus - und er gießt seinen guten Geist aus über dieses Kind. 

Und deshalb ist die Taufe eben nicht einfach „nur“ ein „schöner Brauch“ und erst recht kein „Formalität“, die dazugehört, sondern sie ist Gottes großes Geschenk an uns -
und deshalb immer ein Grund zur Freude. 

Ja, Gott schenkt uns einen unermesslichen Reichtum, den uns kein Mensch und keine Macht der Welt mehr nehmen können.
Denn das, was wir in der Taufe geworden sind, das können wir nie mehr verlieren: Nämlich Kinder des Vaters im Himmel zu sein.
„Dies ist mein geliebter Sohn“, so sagt Gott zu Jesus am Jordan.
„Du bist mein geliebtes Kind“ – so sagt Gott auch zu uns

„Dich habe ich erwählt!“
Und wenn du inzwischen auch schon ein altes Kind geworden bist, wenn Deine Haare weiß geworden sind -- und auch wenn du inzwischen viele Fehler gemacht hast und auch  noch machen wirst – du gehörst immer noch mir.

Und das wird so bleiben - bis in Ewigkeit.   

 

„Wenn das Lied der Engel wieder verstummt ist,
 wenn die Sterne am Himmel verschwunden sind,
 wenn die Könige und Fürsten nach Hause zurückgekehrt
 und die Hirten wieder bei den Herden sind, 

 dann beginnt die Arbeit von Weihnachten:
 die zu finden, die verloren gegangen sind,
 zu heilen, deren Herz zerbrochen ist,
 die Hungrigen zu speisen,
 die Unterdrückten zu befreien,
 allen Völkern den Frieden zu bringen,
 -  und ein wenig Musik zu machen in unseren Herzen...“

                                                             Irisches Weihnachtslied

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch