Horizont 2017 - page 2

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Menschen, die dort arbeiten, natürlich nicht
abgerissen ist.
Stattdessen „sind unsere Schwestern auf spi-
ritueller Ebene ansprechbar“. Und so werden
denn auch beispielsweise nicht nur Konvente
geschlossen (wie der in St. Wendel), sondern
gleichzeitig neue Initiativen gestartet, wie
vor einem guten Jahr in Bonn-Duisdorf.
Oder zusammen mit anderen Gemeinschaf-
ten das interfranziskanische Noviziat ins Le-
ben gerufen. Oder zusammen mit anderen
franziskanischen Gemeinschaften eine Initi-
ative gestartet, um das Franziskanerkloster
in Hermeskeil zu erhalten und wieder neu
mit Leben zu erfüllen (eine Aufgabe, über
die wir in diesem Jahr sicher noch ausführ-
lich berichten werden).
Solche neuen Frei- und Handlungsspielräu-
me gewinnt die Gemeinschaft allerdings nur,
wenn sie gleichzeitig an anderer Stelle los-
lässt. So ist denn auch die Empfehlung des
Mattenkapitels zu verstehen, geeignete Frau-
en mit Leitungsaufgaben im Schwesternbe-
reich zu beauftragen. Damit die, die noch
können und vor allem wollen, sich „wach
und mutig den Zeichen der Zeit zuwenden
können“, so Schwester Edith-Maria.
Und so war für sie und ihre Mitschwestern
aus der Ordensleitung die Deutsche be-
schlussfassende Versammlung „eine beglü-
ckende Erfahrung zu sehen, was Gott mit
und an uns tut“.
Schwester M. Oswalda Paulus
Berufung
Als Schwester M. Oswalda Paulus 1956 in die
Gemeinschaft der Waldbreitbacher Franzis-
kanerinnen eintrat, „ist für mich ein Traum
in Erfüllung gegangen“, erinnert sie sich.
Aufgewachsen in der Nähe von Trier in ei-
ner frommen Familie, hatte der Glaube ei-
nen festen Platz in ihrem Leben. Aber schon
als Kind betete sie um „die Gnade der Beru-
fung“, erzählt Schwester M. Oswalda. Dass
es die Waldbreitbacher Franziskanerinnen
wurden, verdankt sie ihrer älteren Schwes-
ter. Diese erlernte in einer Einrichtung des
Ordens den Beruf der Kindererzieherin. Als
Schwester M. Oswalda 15 war, half sie dort
aus und bekam im Anschluss eine Lehrstelle
im Waldbreitbacher Krankenhaus St. Anto-
nius der Franziskanerinnen. Kurz nach ihrer
Ankunft durfte sie bei einer Einkleidung da-
bei sein – ein Moment, der die junge Frau
sehr beeindruckte. „Da fiel für mich endgül-
tig die Entscheidung für ein Leben im Or-
den“, denkt sie zurück. Zunächst nahm sie
jedoch verschiedene Arbeitsstellen an; die
Sehnsucht, ganz zu den Franziskanerinnen
zu gehören, hörte aber nicht auf. Bei Exerzi-
tien im Mutterhaus bat sie endlich offiziell
um ihre Aufnahme. „Als die Antwort laute-
te, dass ich drei Monate später eintreten
könnte, war ich einfach nur glücklich“, ist sie
bis heute froh.
Geschwisterliches Miteinander. Foto: as
Gruppe der assoziierten Mitglieder. Worum
ging es inhaltlich bei diesem Mattenkapitel?
(Wobei der Begriff Mattenkapitel an den hl.
Franziskus erinnert, der erstmals zu Pfings-
ten des Jahres 1221 seine Brüder zum Gebet
und Austausch zusammenrief; die Versam-
melten saßen und schliefen damals halt auf
Strohmatten.) Es ging nicht zuletzt um die
Frage, wie die Schwestern das Wirken Gottes
in ihrem Leben erfahren, nachdem sich die
Gemeinschaft von den Werken getrennt hat.
Da ist wenig (nennen wir es) sentimentale
Rückschau, auch wenn die Verbindung zu
den Einrichtungen und vor allem zu vielen
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