02.07.2019

„Fridays for Future“ auf franziskanisch

Beim NachtLeben in Kloster Ehrenstein stand die Bewahrung der Schöpfung im Mittelpunkt

Das NachtLeben (es findet traditionellerweise freitags statt) sei dieses Jahr ein „Friday for Future“, analog zu Thunbergs weltweiter Klimaschutz-Bewegung, so Schwester Edith-Maria, die Generaloberin der Waldbreitbacher Franziskanerinnen, in ihrer Begrüßung in der Klosterkirche. Fotos: Franziska Sprenger

Ehrenstein. „Als wir das Thema für den heutigen Abend festlegten, kannten wir Greta Thunberg in Deutschland noch nicht“, betonte Schwester M. Therese Nolte. Wie viel Franz von Assisi und die junge Klimaschutz-Aktivistin aus Schweden gemeinsam haben – obwohl die beiden über 800 Jahre Geschichte trennt – wurde Ende Juni beim NachtLeben im Kloster in vielfältiger Weise deutlich. Denn die Waldbreitbacher Franziskanerinnen hatten für das NachtLeben in Kloster Ehrenstein einen zentralen Ausschnitt des franziskanischen Sonnengesangs als Überschrift gewählt: „Herr, sei gelobt durch Mutter Erde“. Das NachtLeben (es findet traditionellerweise freitags statt) sei also auch ein „Friday for Future“, analog zu Thunbergs weltweiter Klimaschutz-Bewegung, so Schwester Edith-Maria, die Generaloberin der Waldbreitbacher Franziskanerinnen.

Seit acht Jahren bieten die Franziskanerinnen gemeinsam mit den Franziskanerbrüdern vom Hl. Kreuz in Hausen das NachtLeben an. Es soll den Menschen Gelegenheit geben, Gott wieder etwas mehr Platz im eigenen Leben einzuräumen. Dass die Ordensleute damit einen Nerv getroffen haben, zeigen die konstant hohen Teilnehmerzahlen: Rund 120 Frauen und Männer – viele aus der näheren Umgebung, einige reisten aber auch von weiter her an – waren wieder nach Ehrenstein gekommen, um einen Abend lang „ihre Seele aufzutanken“.

Wie immer standen den Teilnehmern dazu unterschiedliche Wege offen, dieses Jahr jeweils ausgerichtet auf die Bewahrung der Schöpfung als Ausdruck des Glaubens: Ruhig werden bei einer Andacht in der Klosterkirche; sich bei einer kleinen Wanderung oder beim mediativen Tanz in Gemeinschaft bewegen; die eigenen Kreativität beim Basteln oder Malen entdecken; begleitet von Klangschalen-Tönen achtsam werden; oder auch schweigen in einer Zeit der Stille. Das kompakte Kräuterseminar von Kordula Honnef griff das Thema auch ganz praxisnah auf: Die Gärtnerin der Ordensfrauen erläuterte, wie sich Natur und Klima durch „Selbermachen“ zum Beispiel von Haarshampoo schonen lassen.

In einem spirituellen Impuls betonte Bruder Roman Maria Bauer vom Generalrat der Hausener Brüder, dass der hl. Franziskus die Welt als Spiegel und Gefäß Gottes gesehen habe, unmittelbar verbunden mit dem Auftrag, diese zu achten und zu schützen. Die Erde bringe uns hervor, sie trage und ernähre uns, griff auch Pastor Lothar Anhalt den Gedanken im abschließenden Gottesdienst auf: „Die Erde ist so auch Nahrungsquelle für unser Glaubensleben“.

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch