„Welche Zukunft haben die jüngeren Schwestern in unseren Gemeinschaften?“

Mit dieser Fragestellung beschäftigten sich neun mit Leitungsaufgaben betraute Schwestern aus Deutschland, Luxemburg und Österreich bei einem INFAG Wochenend-Workshop vom 26.-28. Juni 2020 im Exerzitienhaus in Hofheim am Taunus.

Die jüngeren Schwestern unserer Ordensgemeinschaften (im Alter bis etwa 50 Jahren) leben in einer prekären Situation: Sie sind zumeist eine sehr kleine Gruppe, die älteren Schwestern sind um ein Vielfaches mehr, und es kommen kaum jüngere Schwestern nach. Die Alterspyramide der Vergangenheit ist auf den Kopf gestellt.

Mehr noch: Viele dieser Schwestern müssen Aufgaben und Verantwortung für die Leitung und Führung der Gemeinschaft tragen, da die Anzahl der älteren Schwestern, die das noch tun könnten/sollten, überschaubar ist. Wesentliche Inhalte dieser Arbeit sind die Sorge um die Gesundheit und Pflege der älteren Schwestern, die Gestaltung des Zusammenlebens der Gemeinschaft in kleiner werdenden Kommunitäten, die Transferierung von Werken und Tätigkeitsfeldern der Gemeinschaft in andere Hände und Organisationen. Dadurch sind die Möglichkeiten, das eigene persönliche Charisma im Hier und Jetzt sowie zukunftsweisend zu leben, nur eingeschränkt möglich.

Wie kann man diesen Schwestern besser gerecht werden, Perspektiven geben, die Mut machen, sie vor Überlastung und Ausbrennen schützen?

Dazu wollten die Teilnehmerinnen unter der Leitung von Sr. Edith-Maria Magar und mit der Moderation von Franz-Josef Wagner erkunden,

  • wie sich die Situation in den einzelnen Gemeinschaften darstellt,
  • welche Lösungsansätze es bereits gibt,
  • welche neuen Ideen miteinander entwickelt und
  • welche konkreten Vereinbarungen für eine gemeinschaftsübergreifende Zusammenarbeit getroffen werden können.

Nach einer ausführlichen Ankommens- und Vorstellungsrunde wurden zunächst die Ergebnisse einer Online-Befragung der jüngeren Schwestern (unter 50 Jahren) angeschaut und ausgewertet. Bereits im Vorfeld des ursprünglich für März geplanten Workshops hatten 55 Schwestern anonym ihre Einschätzung zur eigenen Zukunft, der Zukunft der Gemeinschaft und der Zusammenarbeit zwischen den Gemeinschaften abgegeben. Außerdem hatten sie ihre eigenen Ideen und Lösungsansätze sowie ihre Wünsche für den Workshop mitgeteilt. Dass den jüngeren Schwestern ihre Zukunft am Herzen liegt, zeigt sich an der großen Beteiligung und den vielen Kommentaren, die sie bei der Online-Befragung abgegeben hatten. Es brauchte einige Zeit am Beginn des Workshops, alle Rückmeldungen zu erfassen – aber es lohnte sich, und die Workshop-Teilnehmerinnen waren dankbar ob der Tiefe, Offenheit und Ehrlichkeit bei der Befragung.

Zum Workshop brachte jede Teilnehmerin eine kleine Präsentation mit, um die Situation in der eigenen Gemeinschaft vorzustellen. Neben Zahlen, Daten und Fakten ging es darin auch um eine Einschätzung, welche Bedeutung die jüngeren Schwestern für die jeweilige Gemeinschaft haben, sowie um die Darstellung der Ideen und Lösungsansätze, die jede Gemeinschaft für diese Thematik bereits entwickelt hat. So herausfordernd die Vorbereitung auch von der einen oder anderen empfunden wurde, - schließlich musste man der Realität ins Auge schauen - , so bereichernd war es, die jeweilige Präsentation der Mitschwestern zur Kenntnis zu nehmen. Denn es wurde deutlich, dass alle im gleichen Boot sitzen, dass die Dringlichkeit der Situation bewusst ist, und dass die Chancen im gemeinsamen Handeln liegen.

Nach der Realität kam das Träumen: was würden sich die Teilnehmerinnen wünschen? In kleinen Gruppen wurden die individuellen Vorstellungen vertieft und anschließend in großer Runde weiter gestreut.

Dass Träumen wichtig ist, und dass Träume auch Realität werden können, konnten die Teilnehmerinnen sehr konkret und unmittelbar am Samstagabend erleben, als die Gruppe am sehr geschwisterlichen und inspirierenden Gottesdienst im Garten des Exerzitienhauses teilnahm.

Um aus den Wünschen Früchte wachsen zu lassen, wurden am Sonntagvormittag konkrete nächste Schritte vereinbart: prüfen, ob ein Pastoralpraktikum in einer anderen Gemeinschaft möglich ist; Gespräche zwischen drei Generalleitungen über einen neuen gemeinsamen Großstadtkonvent durchführen; ein Schreiben an alle Leitungen innerhalb der INFAG verfassen, um Unterstützung bei den drängenden Problemen zu geben; die Situation der jüngeren Schwestern in einem Workshop in Verbindung mit dem We-are-Family-Treffen vertieft zu reflektieren. Und einiges mehr.

Was bleibt vom Wochenende? Der intensive Austausch, das gemeinsame Beschäftigen mit einem (be)drängenden Thema, das gute Gefühl, nicht alleine zu sein. Die hoffnungsfrohen gemeinsamen Gebetszeiten, das Lachen bei der abendlichen Rekreation. Und das zarte Pflänzchen Aufbruch, das sich in den konkreten Aktionen zeigt.

Welche Zukunft haben die jüngeren Schwestern in unseren Gemeinschaften? Die Teilnehmerinnen an diesem Workshop haben und werden weiter wichtige Schritte tun, dass es eine gute Zukunft wird!

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch

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