Predigt von Richard Baus zu Fronleichnam. Lesejahr B

Liebe Schwestern und Brüder,
  

in den vergangenen Jahren -vor Corona- war ich in den Tagen zwischen Pfingstdienstag und Fronleichnam oft mit Pilgergruppen in Assisi. Bei der Beschäftigung mit dem Hl. Franziskus zur Vorbereitung der Wallfahrt, stieß ich auf die Aussage, dass in den Schriften des Heiligen Franz ein Thema viel häufiger auftritt als alle anderen.

Überraschenderweise ist es nicht die Freude an der Natur, nicht die Liebe zu den Armen oder eine Ermutigung zur Sorglosigkeit - wie wir das vielleicht erwarten würden.
Nein, mehr als über alles andere spricht Franziskus in seinen eigenen Schriften über die Eucharistie (vgl. P.Zahner, S. 63f). Besonders in seinen Briefen.

Vor allem gegen Ende seines Lebens scheint die Wertschätzung der Eucharistie immer stärker geworden zu sein, so dass er bei jeder Gelegenheit von ihr schreibt.
Und sogar an die Fürsten und Politiker in aller Welt schreibt er wohl noch im Jahre 1220: "Daher rate ich euch, meine Herren, eindringlich, alles Sorgen und geschäftige Schreiben zurückzustellen und den heiligsten Leib und das heiligste Blut unseres Herrn Jesus Christus bei seinem heiligen Gedächtnis liebevoll zu empfangen" (Lenkerbrief,6).

Nicht so viele Sitzungen abhalten, nicht so viele Papiere produzieren, sondern öfter zur Hl. Messe gehen. Spannend - und irgendwie in unsere Zeit passend, oder?

Warum aber ist die Hl. Eucharistie für Franziskus ein solch hohes Anliegen? Der Grund klingt für uns heute eher überraschend: 
Es geht nicht um irgendwelche Feierlichkeit, nicht um Pflichterfüllung oder etwas in dieser Richtung. Nein, überhaupt nicht.
Für Franziskus ist die Eucharistie vor allem ein Zeichen der Ohnmacht und der Demut Gottes. Das ist für ihn wichtig.

Nirgendwo, so schreibt Franziskus,  ist der menschgewordene Gott den Menschen leibhaft näher als bei der Feier der Messe, bei der Kommunion;
nirgendwo ist der Leib des fleischgewordenen Sohnes Gottes so greifbar gegenwärtig wie im Brot der Eucharistie.
Gott liefert sich uns Menschen aus. Er gibt sich uns sozusagen in die Hand.

Da wird die Erlösung mit Händen greifbar - und umgekehrt wird der Mensch von der Hand Gottes ergriffen.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

in dieser eucharistischen Begegnung, so weiß es Franziskus, wird der Leib des Menschen durch die Berührung mit dem Leib Christi verwandelt - und er wird selber zum Leib Christi.
Der Leib des Menschen wird zum Leib Christi - und so wohnt Gott in uns. Wir sind sein Tempel.

Nicht das Gold und nicht die Kirchen mit all ihrer Pracht sind für Franziskus der Ort der Gegenwart Jesu - sondern die schlichten Elementen von Brot und Wein. Dort schenkt sich Gott. 
Im Brot, im Stall -wie Franziskus es an Weihnachten in Greccio feiert.
Im Menschen und am Kreuz. Überall dort ist Gott mitten unter den Menschen.
Und tiefer kann Gott gar nicht herunterkommen als in eine solche Demut hinein:
Gott verläßt seinen hohen Himmel. Er wird nicht nur ein Mensch, sondern er wird auch zum Brot,
zur Kraftquelle, von der wir Menschen leben können.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

Und damit wird uns das Denkschema des Hl. Franz klar. Er wollte damit allen sagen: Gott hält an nichts fest, nicht an seiner Macht und nicht an seinem Himmel, sondern  Gott entäußert sich total,
er lässt sich verzehren von Menschennot, er lässt sich verzehren im Brot, damit wir Anteil haben an seinem Leben - und somit leben können.

Das ist die verschwenderische Liebe Gottes, die in Jesus Christus Fleisch angenommen hat - mitten unter uns.

Aber Franziskus weiß: wenn er Christus gleichwerden will,
dann darf auch er nichts festhalten wollen, nichts für sich behalten wollen. Dann muss auch er sich weggeben, sich herschenken und für alle da sein;
dann muss auch er arm werden, demütig und ohne Macht --- wie der Herr in der Eucharistie --- uns Menschen geschenkt  und in die Hände gegeben.

 

Denn dieses Hergeben von Besitz, das Loslassen von Macht und das Teilen all dessen mit den Menschen - das stiftet Frieden und das verändert die Welt.

 

Und das macht einen Teil des Geheimnisses der franziskanischen Spiritualität aus, die Bruder Jakobus  und Mutter Rosa so sehr am Herzen lagen- und um die auch wie uns so sehr bemühen.

Eucharistie feiern. Nicht um der Feierlichkeit willen. Nicht um sich irgendwelche Gnaden zu erringen, um so in den Himmel zu kommen, sondern aus Dankbarkeit und Freude darüber, dass Gott sich so kleinmacht und gering, dass er in unsere Hand und in unser Herz hineinpasst - und sich uns so schenken kann, damit sich dadurch unsere Welt verwandelt.

Danken wir dem hl. Franziskus an diesem Tag heute für diesen anderen, für  seinen Blick auf das Wunder der Eucharistie.
Und lassen auch wir uns verwandeln vom Leib des Herrn - damit auch wir wie Brot werden und Wein, zum Lebens-Mittel, von dem unsere Mitmenschen leben können. 

 
Amen

 

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