Predigt von Richard Baus zum 5. Fastensonntag, Lesejahr B

Joh 12,20-33 

     
Liebe Schwestern und Brüder,

da haben wir gerade einen sehr schwierigen Text aus dem Johannes-Evangelium gehört.

In unserer Einheitsübersetzung hat dieser Teil die Überschrift:
Jesus auf dem Weg zum letzten Osterfest in Jerusalem.
Auf gut deutsch heißt das: Jesus ist auf dem Weg ans Kreuz. Und damit endet bei Johannes das öffentliche Wirken Jesu.

Ja, dieser Jesus wird nicht mehr von Jerusalem nach Hause zurückkehren;
er wird nie mehr Kranke heilen und nie mehr das Reich Gottes verkünden - nein, er ist geradewegs auf dem Weg zum Tod ------ und so ist es wohl nur zu verständlich, wenn Jesus sagt: 
Jetzt ist meine Seele erschüttert. - ------
Ja, liebe Schwestern und Brüder, auch ein Jesus hat Angst.

Und wenn er anscheinend einen Moment lang darüber nachdenkt, seinen Vater zu bitten, ihn doch noch aus dieser Stunde zu erretten --- und ihm diesen Tod zu ersparen, ---- so weiß er aber doch sehr genau:
Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt, dann bleibt es allein.
Und das heißt, wenn er jetzt aufgibt und umkehrt --- dann wird sein Leben keine Frucht bringen. 

Wenn er jetzt versuchen würde, sich und sein Leben doch noch zu retten, von Jerusalem wegzugehen, dann würde er es eigentlich verlieren -- denn dann hätte es keinen Sinn gehabt. 

Denn ---und so sagt es uns das Johannes-Evangelium--- er ist doch in die Welt gekommen, um für uns Menschen zu sterben, um durch seinen Tod die ganze Welt zu retten.
Ja, wenn er jetzt weglaufen würde, dann wäre alles umsonst gewesen, denn dann gäbe es keine Rettung – zumindest nicht für uns und unsere Welt.

  
Liebe Schwestern und Brüder,

mit diesen sehr ernsten Worten, die Jesus über sich selbst spricht, damit versucht der Evangelist Johannes, den Menschen den Sinn des Lebens Jesu zu erklären – und vor allen Dingen: Den Sinn seines Todes, damit die Menschen nicht irre werden, weil das alles so schlimm endet.

Johannes sagt: Das muss alles so geschehen. 
Aber sein Tod, auch wenn er wie eine Katastrophe aussieht, der ist kein Scheitern -- sondern das ist halt die Konsequenz eines Lebens, das sich an Gott orientiert.
Anders kann so ein Leben gar nicht enden.

Und so ist es letztlich Verherrlichung Gottes ----
denn dort, wo Jesus am Ende ist, wo er angenagelt wird an das Kreuz, da kommt Gott zum Tragen
- dieser Gott, der stärker ist als der Tod,
- dieser Gott, der stärker ist als alles Böse
und der selbst noch aus dem Tod, noch aus Kreuz und Leid ---- Leben in Fülle hervorbrechen lassen kann -
und weil es so voller Liebe war, voller Liebe zu Gott und zu den Menschen.
Deshalb wird es von Gott erhöht:
Es geht nicht verloren, sondern trägt Frucht.

   
Liebe Schwestern und Brüder,

wer in die Hände Gottes hineinstirbt, der geht nicht unter, sondern dessen Tod bringt Frucht.‘
Weil Gott das so will.
Und so bringt auch der Tod Jesu Frucht,  und zwar Frucht für uns.
Denn wenn er dort hängt, wenn er dort am Kreuz erhöht ist, dann wird er alle an sich ziehen, alle.
Auch uns, die wir heute hier versammelt sind - und sicher auch die, die NICHT hier sind, die wir aber in unserem Herzen tragen.
Denn auch für sie stirbt der Herr.
Für alle, wie wir in den Wandlungsworten gleich hören dürfen. Denn diese Liebe ist so groß, dass keiner aus ihr herausfällt und und keiner verloren geht. 
Das ist die Botschaft des Evangeliums - und das sind die Worte, die uns gelten.

   
Liebe Schwestern und Brüder,

noch einmal: Mit dem Bild vom Weizenkorn, das sterben muss, damit es Frucht bringen kann – damit erklärt der Evangelist das Leben und des Sterben Jesu.

Aber wie oft haben wir diese Worte in der Kirche auch als Auftrag gehört.
Als Auftrag für uns:
Wir müssen sterben, wie Jesus –am Kreuz, damit wir Frucht bringen können.
Unser Leben muss schwer sein, damit es sinnvoll wird.
„Die Menschen müssen füreinander sterben“, so singen wir sogar in einem der Lieder im Gotteslob.
Und wer es sich zu leicht macht, wer dieses Kreuz nicht tragen will, der verliert sein Leben....
   

Aber, liebe Schwestern und Brüder,

passt das? Passt das wirklich zu unserem Herrn? Zu unserem Gott?

Nun ich bin sicher: Solche Worte, die stehen nicht als „Aufträge“ an uns in unserer Bibel,– auch nicht in der österlichen Bußzeit.
Gott will doch nicht, dass wir füreinander sterben, sondern wir sollen doch füreinander leben.
Wir sollen doch nicht den Tod, sondern unser Leben  miteinander teilen.

Nein, mit diesem Wort vom Weizenkorn, da spricht der Evangelist von unserem Herrn und nicht von uns. 

Denn nur sein Tod kann retten; und nur sein Tod bringt uns das Leben.

Und so ist dieses Wort vom Sterben wie ein Weizenkorn sicher kein Auftrag an uns, so dass wir jetzt losziehen und uns irgendein Kreuz suchen, von dem wir meinen, dass wir damit unser eigenes Leben und auch noch die Welt retten. Wie überheblich wäre solch ein Denken. Das müssen wir nicht tun, weil Jesus das doch schon getan hat – für uns.

Nein, dieses Wort meint etwas anderes.
Für mich ist es ein Trostwort.
Ein Trostwort
für uns - - genau dann wenn uns wirklich ein solches Kreuz trifft wie es diesen Jesus getroffen hat. 

Ein Kreuz, das wir uns nicht selbst gesucht haben. 
Ein Kreuz, dass auch Gott nicht für uns ausgesucht hat, sondern ein Kreuz, das uns halt „trifft“ – aus heiterem Himmel:
Eine Krankheit, ein Verlust, ein Scheitern im Leben und im Beruf,  eben etwas, was man sich wirklich nicht gesucht hat und das uns jetzt aber das Leben zu nehmen scheint..

Dann dürfen wir uns von unserem Herrn sagen lassen: Fürchtet euch nicht, sondern lernt von mir. Lernt von mir, dass selbst noch im Tod das Leben ist – so wie beim Weizenkorn.
Es bringt Frucht, wenn es stirbt - weil Gott das Fruchtbringen in das Sterben des Weizenkorns hineingelegt hat.
Das ist Gottes „Natur-Gesetz“: Im Tod, ist das Leben. 

Und deshalb habt dann keine Angst, wenn es euch trifft, denn dieses „Naturgesetz Gottes“, das gilt es auch euch!
Wenn ihr sterbt, dann sterbt ihr ins Leben hinein.
Anders geht es gar nicht. Einen anderen Weg in dieses Leben Gottes gibt es nicht.

Und damit ist dieses Trost-Wort, diese Verheißung, SEIN großes Geschenk an uns Menschen.
Das Geschenk, das uns niemand mehr nehmen kann:
Ja, so sicher wie uns der Tod ist, so sicher ist uns dann aber auch das Leben in diesem Tod.
Jenes Leben,  das als Frucht aus dem Tod hervorgeht, –
weil Jesus es so für uns erworben hat.

   
Amen

 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch

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