Predigt von Richard Baus zum 6. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B

Markus 1,40-45

   
Liebe Schwestern und Brüder,

heutige Evangelium hat uns von der Heilung eines Aussätzigen berichtet.
Eines der wirklich spannende Wunder, die man Jesus da zuschreibt.
Denn Aussatz gehörte zu den ganz dramatischen Dingen, die einen Menschen damals treffen konnten.

Wer von Aussatz befallen war, der war „weg vom Fenster“ wie wir heute sagen würden. Wer von Aussatz befallen war, der gehörte schon so gut wie zu den Toten, denn der musste die menschliche Gesellschaft meiden, der musste außerhalb der Stadt leben und der war angewiesen auf die Gnade der anderen.

Und da ein Gesunder sich einem Kranken nicht nähern durfte, und umgekehrt ja auch nicht, hatte ein Aussätziger nicht mehr viel zu erwarten. Das war kein Leben mehr.

Und deshalb wurde oft auf den Wandbildern in alten Kirchen die Heilung eines Aussätzigen zu den Totenerweckungen gemalt und gezählt.
Denn dann war noch einmal Leben möglich, Leben in Gemeinschaft.
Ja, Jesus rettet Leben!

 
Liebe Schwestern und Brüder,

in diesem Evangelium gibt es eine kleine Stelle, die wir als Nicht-Juden vielleicht überlesen – weil wir halt die jüdischen Gesetze nicht kennen.
Für einen Juden war es durch ein Gesetz, ein göttliches Gesetz absolut verboten, einen Aussätzigen zu berühren – denn das war ja auch gefährlich wegen der Ansteckungsgefahr. Ein wichtiges Gesetz damals.

Und hier haben wir gerade gehört, dass Jesus dieses so wichtige Gesetz ganz einfach übertritt – weil er Mitleid mit diesem Kranken hat. Weil er sich diesen Kranken zu seinem Anliegen macht. Der ist ihm wichtig. Und so berührt er ihn – und macht ihn rein.
Auf gut Deutsch heißt das: Jesus übertritt ein Gesetz. Ja, er sündigt. – Aber genau damit macht er Heil möglich.

Warum ich das so deutlich erwähne?
Nun, in dem, was Jesus da tut, will der Evangelist uns wohl ein Gottesbild zeichnen, denn in diesem Jesus begegnen wir ja Gott.
Und in dem, was Jesus tut, zeigt der Evangelist, dass dort die Herrschaft Gottes angebrochen ist.
Und im diesem Handeln Jesu zeigt sich ein Gott, der keinen ausschließt vom Heil, das er selbst doch den Menschen zugedacht hat, auch keinen Aussätzigen.

Da zeigt sich ein Gott, der sich nicht aufhalten lässt – auch nicht von Gesetzen und Geboten, wenn er Heil wirken will.
in Gott, der größer ist als alle religiösen Vorschriften, die Menschen sich ausdenken, weil sie meinen, Gott wolle das so haben.

Nein, wenn es um das Heil eines Menschen geht, da lässt Gott sich nicht aufhalten, sondern er tut das, was getan werden muss, damit ein Mensch wieder zum Leben kommen kann, wieder Gemeinschaft erfahren kann – und nicht länger im Tod verbleibt, nicht länger ausgeschlossen und exkommuniziert ist.

   
Liebe Schwestern und Brüder,

wenn der Evangelist Markus uns diese Jesus-Geschichte aufschreibt, dann will er uns etwas über Gott sagen. Er will uns sagen, wie viel Mit-Leid Gott mit uns Menschen hat. Und wie heil-voll und gut Gott in seinem Sohn Jesus mit uns Menschen umgeht. So heil-voll, das Wunder geschehen können.

Und: Dass es kein Gesetz oder Gebot auf dieser Welt gibt, dass Gott aufhalten könnte, einem Menschen in Liebe und Barmherzigkeit zu begegnen, so dass er wieder Anteil am Leben hat.

Wenn man das so liest, dann drängt sich mir da schon die Frage auf, wie wir als Kirche heute mit „Aussätzigen“ umgeht – mit Menschen, die auch durch irgendetwas vom Leben, vom kirchlichen Leben ausgeschlossen sind…..
Menschen, die nicht mehr von „dazugehören“ dürfen, weil sie nicht alle „Normen“ erfüllen können, die unserer Kirche manchmal so wichtig sind???
Müssen sie wirklich „ausgesetzt“ bleiben, nur weil es da ein Gebot gibt? Müssen die „draußen“ bleiben, nur weil man früher mal dieser oder jener Auffassung war, über die heute doch längst die Zeit drüber gegangen ist, Gottes Zeit? Oder gibt es Hilfe? Gibt es Heil und Heilung – weil es auch Barmherzigkeit gibt? Und Mitleid? Ein Mitleiden, das schon Jesus angerührt und zu einem neuen Handeln gebracht hat.

Gott sei Dank, gibt es ja zur Zeit einen Papst, der schon deutlich macht, dass ihm die Menschen wichtiger sind als die Vorschriften – und der neben allen Gesetzen und Geboten auch um die Barmherzigkeit weiß. Und der dementsprechend auch handelt --- auch wenn er dafür oft stark angegriffen wird von denen, die die Gesetze dann doch höher hängen als einen Menschen und dessen Glück.

Noch mal die Frage: Wie machen wir das? Wir sind ja auch Kirche. Jede und jeder Einzelne von uns ist Kirche.
Was ist uns wichtiger? Die Vorschriften oder das Heil, das Glück eines Menschen? Dass alle Gebote bis ins kleinste Jota durchgesetzt werden, oder dass es auch die Barmherzigkeit gibt?

  
Liebe Schwestern und Brüder,

wer könnte uns hindern, barmherzig und liebevoll mit Menschen umzugehen – dort wo wir leben und wo es in unserer Macht liegt, ob jemand noch dazugehört – oder ob er draußen ist?!
Niemand, außer unserem Gewissen.

Machen wir es also wie Jesus. Lassen wir uns anrühren von dem, was einem anderen das Leben nimmt. Fragen wir doch öfter mal unser Gewiesen  und nicht  dauernd nur die Vorschriften – und tun wir dann das, was uns möglich ist, um einem anderen beim Leben zu helfen.

  
Amen

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