Predigt von Richard Baus zum Fest der Taufe des Herrn, Lesejahr B

Jes 42,1-4.6-7  
Mk 1,7-11

  
Liebe Schwestern und Brüder,

da berichtet uns der Evangelist Markus gerade von einem der wichtigsten Momente im Leben Jesu:
Jesus entdeckt seine Berufung. Er entdeckt seinen Auftrag - Und Gott stellt ihn in Dienst, in SEINEN Dienst.
Ob dieses Thema Jesus schon länger umgetrieben hat? Ob er nicht schon länger gemerkt hat, dass die Schreinerei nicht seine eigentliche Berufung ist, sondern dass Gott etwas anderes mit ihm vor hat?
Anscheinend schon, denn wir finden Jesus ja nicht mehr in Nazaret, nicht mehr bei seiner Familie, sondern am Jordan – an einem „geistlichen Zentrum“, denn dort predigt und tauft Johannes.

   
Liebe Schwestern und Brüder,

Johannes hat viel Zulauf, so wissen wir es aus den anderen Evangelien. Er redet den Menschen ins Gewissen. Und er tauft die Menschen – zur Vergebung ihrer Sünden -- damit sie einen neuen Anfang machen können.

Interessant, dass Jesus sich wie ein Sünder von Johannes taufen lässt – denn wir haben doch im Katechismus gelernt, dass Jesus in allem uns gleich ist, außer der Sünde.
Aber vielleicht geht es Jesus ja gar nicht darum, Vergangenes „wegzuwaschen“, sondern viel mehr darum, Neues anzufangen - und nun nur noch Gott zu dienen.

Und wie das Evangelium berichtet, ist das der rechte Zeitpunkt dafür. Jesus liegt genau richtig mit seiner Sehnsucht nach diesem Gott. Denn Gott wartet auch auf ihn.
Denn als er sich von Johannes taufen lässt, da reißt Gott den Himmel auf.
Und unüberhörbar bekennt Gott sich zu Jesus, diesem Menschen aus Nazaret: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.
So hören wir die Stimme aus dem offenen Himmel sprechen.

   
Liebe Schwestern und Brüder, 

nur eine kurze Szene, die das Evangelium da beschreibt; so kurz, dass es wohl auf jedes Detail ankommt, das dort beschrieben wird:
Jesus unter einem offenen Himmel – das ist das erste Detail. Das ist das, was man sehen kann.
Der Himmel steht offen. Gott selbst hat ihn geöffnet. Und er steht jetzt offen für alle Menschen.

Und das zweite ist das, was man hören kann:
Diese wunderschöne Liebeserklärung an diesen Menschen, der sich da auf die Seite der Sünder gestellt hat, auf die Seite derer, die der Umkehr bedürfen, weil sie sonst an ihrer Schuld ersticken würden.
„Du bist mein geliebter Sohn.“
„Ich habe Gefallen an Dir gefunden“.
    

Liebe Schwestern und Brüder,

das Gefallen Gottes bezieht sich sicher nicht auf das Aussehen dieses Jesus, nicht auf sein Äußeres, sondern auf das Innere seiner Person. Gott findet Gefallen an dem, was Jesus tut und wie er ist.

„Ich habe Gefallen gefunden“ daran, dass du dich in eine Reihe mit den Sündern stellst; dass du dich solidarisch zeigst mit denen, die nicht zu glauben wagen, dass Gott sie annimmt und liebt. Und dass du ihnen zeigst, dass der Himmel offen steht für jeden, der Gott sucht.

Ich habe Gefallen gefunden an dir, weil du das geknickte Rohr nicht zerbrichst und den glimmenden Docht nicht auslöschst – sondern voller Hoffnung bist, dass sich da jemand noch suchen und finden lässt – damit sein Leben doch noch heil werden kann.

Ich habe Gefallen daran gefunden, dass du nicht auf der Straße herumschreist. Keine Parolen rausposaunst und den Menschen Stress machst, 
sondern dass du die Menschen so ansprechen und berühren kannst, dass ihnen die Augen aufgehen und sie wieder neue Perspektiven für ihr Leben entdecken können -  und sie aus ihren Verschlossenheiten und Kerkern wieder herauskommen und heil werden können.

Ich habe Gefallen an dir gefunden, weil in dir das Heil Mensch geworden ist. Weil ichGott, durch dich Menschen retten kann.
Und wenn man den Namen Jesus ins Deutsche übersetzt, dann heißt es genau das: „Gott rettet“.
Ja, Gott hat an Jesus Gefallen gefunden, weil Jesus der „Gottesknecht“ ist, der, auf den Gott seinen Geist legen kann.
    

Liebe Schwestern und Brüder,

das war damals. Was meinen Sie: Ob Gott heute auch noch sucht – nach Menschen sucht, die sein Gefallen finden? Nach Menschen sucht, auf die er seinen Geist legen kann? Gottes-Knechte und Gottes-Mägde?
Ich denke schon. Und ich bin sicher: Gott sucht auch bei uns.

Denn zu jeder und jedem von uns hat Gott in der Taufe doch schon zugesagt: Du bist doch meine geliebte Tochter --- Du bist doch mein geliebter Sohn. An Dir –so wie du da bist-, habe ich Gefallen gefunden.

Und auf jede/n von uns hat er seinen Geist gelegt:  „Sei besiegelt mit der Gabe Gottes, dem Hl. Geist“. So wurde jeder/m von uns bei der Firmung auf den Kopf zugesagt.

 
Ja: Heute, liebe Schwestern und Brüder, heute sind WIR gemeint. Heute geht es um uns.
Denn Gott geht es immer um uns – weil er uns will – und weil er uns braucht.

Und damit wir JA sagen können zum Dienst, in den er uns stellt,
steht er auf unserer Seite –
und dazu legt seinen Geist auf uns.

Und ich bin sicher: Wenn wir tatsächlich ernst machen damit, wenn wir anfangen, Menschen mit der Zärtlichkeit und Menschenfreundlichkeit Jesu zu behandeln, wenn wir so liebevoll und achtsam mit Menschen umgehen, dass sie den Mut finden, sich zu verändern, neu anzufangen, dann verändert sich die Welt - um uns und durch uns, ---- denn dann steht der Himmel auch über uns offen

genau dort, wo wir versuchen, als Christen, und das heißt als Gesalbte, das zu leben:
als Menschen, an denen Gott sein Wohlgefallen hat, weil sie der Welt SEIN Heil bringen.

 
Amen

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