Predigt von Richard Baus zum Fest Erscheinung des Herrn, Lesejahr B

Mt 2,1-12

  
Liebe Schwestern und Brüder,

   
mich verwundert immer in dieser Geschichte von den Weisen aus dem Morgenland, dass sie anscheinend von sehr weit her den Weg bis nach Jerusalem wohl ganz gut gefunden haben, weil sie da diesem Stern gefolgt sind. Was anderes gab es ja auch wohl nicht: Keine Landkarten, kein Navi – nur diesen Stern.

Aber dann in Jerusalem, da laufen sie total in die Irre: Sie fragen in einen Palast nach, in dem es überhaupt keinen neugeborenen König gibt, sondern nur einen alten König, der misstrauisch, verbittert und unfruchtbar ist.
Die Gelehrten vom Tempel, die Theologen, sitzen auf ihren frommen Büchern, wissen alles – aber sie bewegen sich nicht. Sie wissen ganz genau, dass der Messias, der der Welt das Heil bringen soll in Bethlehem geboren werden soll. Bethlehem liegt nicht mal 10 km von Jerusalem entfernt – aber sie bleiben daheim. Keine Bewegung. Keine Veränderung. Auch keine Neugier oder Sehnsucht nach dem Heil.
Nein, sie erschrecken nur alle. Sie erschrecken, weil es da offensichtlich einen Gott gibt, der sich nicht an ihre Vorschriften hält, nicht an ihre Dogmen und Gesetze, sondern der sich so ganz eigene Wege sucht, um in die Welt zu kommen und zu den Menschen zu gelangen. Und damit niemand das merkt, wird alles heimlich besprochen, hinter den Kulissen. Denn nur so verlieren sie ihr Gesicht nicht.

  
Liebe Schwestern und Brüder,

wie können sich die Weisen so irren? Wie kann ihnen so etwas passieren? Das passiert halt, weil sie gemeint haben, in Jerusalem bräuchten sie keinen Stern, der ihnen den Weg weist, sondern sie könnten sich auf sich selbst verlassen: Auf ihre eigenen Vorstellungen davon, wo ein Königssohn zur Welt kommen muss. Auf ihre eigenen Vorstellungen davon, wohin ein Messias das Heil zu bringen hat.

Aber dennoch geht die Sache gut aus. Denn diese Drei sind so ganz anders als die Leute vom Palast und vom Tempel von Jerusalem: Sie sind noch lernfähig. Sie sind flexibel und beweglich – und so können sie ihre Meinung ändern und sich wieder neu auf die Suche machen – auf die Suche nach dem neugeborenen König – und seinem Stern.

Als sie nach dieser Pleite den Stern wieder sahen, freuten sie sich, so heißt es ausdrücklich im Text. Denn da geht wieder alles besser.
Und als sie sich wieder von diesem Stern führen lassen und nicht mehr ihren eigenen Vorstellungen nachlaufen, als sie ihrem Herzen folgen und nicht ihrem Kopf, da kommen sie an ihr Ziel – und sie finden das Kind, zu dem sie so lange unterwegs waren und voll Dankbarkeit bringen sie ihm ihre Schätze dar: Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Denn man sieht nur mit dem Herzen gut, weil das Wesentliche den Augen verborgen ist, so wie es St.Exupéry gesagt hat. Denn die Augen sehen nur einen Stall in einem kleinen Kaff am Ende der Welt, eine Krippe und das Kind armer Leute. Ein Irrtum? Nein. Denn das Herz sagt: Das ist der Messias. Das ist der neugeborene König der ganzen Welt.

Und wohl einer Kirche, die nicht nur einen Verstand, nicht nur Gelehrte, sondern auch ein Herz und Liebende in ihren Reihen hat. Denn nur sie wird den Messias entdecken – und dann nicht alles dran setzen, dass alles bleibt wie es war, sondern alles dransetzen, dass die Welt zum Heil findet. Und das nicht erst später mal im Himmel, sondern schon heute – hier auf dieser Erde.

Denn Gott hat doch seinen hohen Himmel verlassen und ist auf diese Erde herunter gekommen, damit auf ihr das Heil erfahrbar werden kann. Damit wir Gott in dieser Welt begegnen können.

Und da ist noch etwas, was mich an der gesamten Weihnachtsgeschichte so fasziniert: Dass alle wieder nach Hause - und an ihre Arbeit gehen. 
Die Hirten, die schon zu ihren Herden zurückgekehrt sind; die Magier, die auf einem anderen Weg in ihr Land zurückkehren – und selbst Maria und Josef mit dem Kind.  Es bleibt kein Mensch im Stall, sondern alle gehen zurück in ihren Alltag.
Aber alle gehen irgendwie verwandelt wieder weg - so betont es die Hl. Schrift. 
Sie gehen anders weg als sie gekommen sind

Vielleicht will uns das sagen:  So wichtig uns die Feste sind, so notwendig wir die Feiertage brauchen, um uns im Glauben zu rüsten und um die Freude am Glauben zu haben, leben müssen wir den Glauben jedoch in unserem Alltag

Wir Christen haben keinen Feiertagsglauben, sondern das muss ein Glaube für alle Tage sein. 
Ein Glaube, der unseren Alltag - und damit auch unsere Welt - verwandeln will.
Und das geht nur, wenn WIR uns wandeln lassen.

In einem kleinen Text heißt es:

„Wenn das Lied der Engel wieder verstummt ist, 
 wenn die Sterne am Himmel verschwunden sind, 
 wenn die Könige und Fürsten nach Hause zurückgekehrt
 und die Hirten wieder bei den Herden sind, 
 dann beginnt die Arbeit von Weihnachten: 
 die zu finden, die verloren gegangen sind, 
 zu heilen, deren Herz zerbrochen ist, 
 die Hungrigen zu speisen, 
 die Unterdrückten zu befreien, 
 und allen Völkern den Frieden zu bringen, 
 -  und ein wenig Musik zu machen in unseren Herzen...“

Ja, nach Weihnachten, jetzt, beginnt die Arbeit von Weihnachten.

Und die Arbeit von Weihnachten besteht darin, dass wir das Heil, das uns geschenkt ist, nun selbst in die dunklen Ecken unserer kleinen Welt tragen, dort, wo wir leben, damit es auch dort hell wird.

Die Arbeit von Weihnachten besteht darin, dass wir all das, was Jesus getan hat, nun selber tun: Nämlich suchen, heilen, befreien, zu essen geben und Frieden bringen

damit er an Weihachten auch wirklich Mensch geworden ist --- in uns -
und das ist dann, wenn wir nach Weihnachten anders leben als vorher.

 
Amen

 

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