Predigt von Richard Baus zum Ostermontag, Lesejahr B

Lk 24,13-35 

 
Liebe Schwestern und Brüder,

das ist wohl eine der ergreifendstens Ostergeschichten, die unser Neues Testament kennt: Die Erzählung vom Gang zweier Jünger am Ostersonntag nach Emmaus. Ein Spaziergang ist es nicht, eher eine Flucht. Nichts wie weg von Jerusalem! Weg vom Ort der Enttäuschung! Hatten sie doch gehofft, in Jesus den Messias gefunden zu haben, den, der Israel erlösen würde - und dann ist nichts draus geworden. Der, von dem sie das Heil erwartet hatten, der ist wie ein Verbrecher am Kreuz gestorben. Und als sie ihn am Karfreitagabend ins Grab gelegt haben, da haben sie alle ihre Hoffung mit hineingelegt, da haben sie auch ihre Hoffnung begraben. Und deshalb: Nichts wie weg, weit weg, damit man all das schnell vergessen kann... 

Enttäuschte Menschen, die dem Herrn den Rücken gekehrt haben. Sie haben ihn abgehakt. Und da können auch die Frauen nichts dran ändern, die so seltsame Sachen erzählt haben: Von Engeln, die ihnen erschienen seien und ihnen gesagt hätten, er würde leben. Aber gesehen haben sie ihn nicht. Frauengeschwätz, auf das man nichts geben kann. Nein, für diese Männer ist die Sache erledigt. Das ist aus und vorbei. 

Und dann kommt dieser Jesus, den sie nicht erkennen, und der geht mit ihnen. Spannend, dass niemand ihn erkennt, wenn er ihnen begegnet. Anscheinend gleicht er dem Jesus nicht mehr, den sie gekannt haben. In den anderen Ostergeschichten ist das ganz genau so. Warum? 

Nun, wenn Gott einen von den Toten auferweckt, dann ist das keine „Reanimation“,
sondern dann ist das eine neue Schöpfung.
Wenn Gott einen von den Toten auferweckt, dann geht das nicht einfach so weiter, wie es 3 Tage vorher aufgehört hat, sondern dann ist das ein neuer Anfang, dann ist das ganz neues Leben. Und in der Tat ist es neues Leben, denn diesen Auferstandenen, dem kann kein Tod mehr etwas anhaben; 

dieser Auferstandene, den kann kein Stein im Grab festhalten, der kann durch verschlossene Türen gehen und überall dort auftauchen, wo er will. Das ist nicht mehr Leben mit all den Grenzen und Begrenztheiten, die wir Menschen so kennen und unter denen wir oft so sehr leiden müssen, sondern das ist göttliches Leben - unaufhaltsam und grenzenlos. So göttlich, dass sie ihn in der Tat nicht mehr einfach so erkennen können - zumindest nicht an seinem Aussehen. 

Ein Jesus, so ganz anders. Aber wirklich so ganz anders??? 

Nein, so ganz „anders“ scheint er ihnen doch nicht zu sein. Auch wenn sie ihn nicht mehr erkennen, so ist er sich doch treu geblieben: 

Er ist immer noch gütig und barmherzig. Er ist immer noch der gute Hirte, der den verlorenen Schafen nachläuft, um sie zu suchen und zu finden. Er ist immer noch der, der ihnen gut zuredet - der ihnen keine Vorwürfe macht, wenn sie ihn nicht verstehen; 
von dem keine Vorhaltungen kommen, weil sie weggelaufen sind,
sondern der weiter seine Liebe mit ihnen teilt.
Er geht so wohltuend und liebevoll mit ihnen um, dass sie später sagen können: „Brannte uns nicht das Herz, als er unterwegs mit uns redete?!“ 

Und dessen Gegenwart so heilvoll ist, dass sie ihn am Ende gar nicht mehr weggehen lassen wollen. „Bleib doch bei uns“, so sagen sie. Und was könnte man Schöneres zu einem Menschen sagen?! Bleib doch bei uns, denn Du tust uns gut! Wenn Du bei uns bist, dann haben wir keine Angst mehr. Wenn wir Dich in unserer Mitte haben, dann ist alles wieder gut! 

Und der auferstandene Herr setzt sich in seiner großen Liebe zu diesen ungläubigen und verzweifelten Menschen an den Tisch - und hält mit ihnen Mahl.
Er reicht denen, die ihn am Kreuz haben hängen lassen und die mit ihm ihre ganze Hoffnung begraben haben, das Brot und den Wein

Und man mag erschreckt fragen:
Ist das nicht doch „Kommunion mit Ungläubigen, mit Unwürdigen“?
Und sicher würden da nicht wenige in unserer Kirche den Zeigefinger erheben und sehr ernst anfragen: Darf das denn sein?!? 

Anscheinend darf es sein. Denn im Evangelium steht es so geschrieben;
in einem Evangelium, aus dem wir doch wohl lernen sollen, wie wir mit solchen Menschen, die da weggelaufen sind, umgehen sollen. Wie die Kirche mit „Sündern“ umgehen soll. 

Nämlich liebevoll. Geduldig. Nicht mit „Ex-Kommunikation“, sondern mit dem Geschenk der „Kommunion“.
Und was haben wir daraus gemacht - mit unseren Vorschriften und Ausschlusskriterien????
  

Liebe Schwestern und Brüder,

ich glaube, ich muss da gar nicht viel zu sagen heute morgen. Sondern wir müssen uns das, was der Evangelist uns da von Jesus und dessen heilsamen und vergebenden Umgang mit verirrten und verängstigten Menschen erzählt, einfach nur auf der Zunge zergehen lassen - und so Geschmack an ihm finden: Den Geschmack am Leben. Und wenn Jesus so liebevoll und vergebend mit diesen Männern da umgeht - wer verpflichtet uns denn, dass wir das anders tun? Dass wir unbarmherziger, strenger, kleinlicher und gnadenloser sind? Sicher keiner. Und wenn es doch einer will, dann hat er vielleicht was nicht verstanden - dann hat er Jesus und seine Botschaft nicht verstanden. 

   
Liebe Schwestern und Brüder,

ja, Ostern lädt uns ein zu einem neuen Blick. Zu einem neuen Blick auf unseren Herrn, der uns auch als Auferstandener immer Bruder und Heiland in dieser Welt ist.
Immer noch unser „Kumpan“, der sein Brot und sein Heil mit uns teilen will – auch, und besonders dann, wenn wir ins Dunkel geraten.

Und dann ist die Kommunion eben nicht die „Belohnung“ für ein sündenfreies und heiliges Leben, sondern sie ist die Hilfe genau dann, wenn wir es wieder nicht geschafft haben. Nicht die Belohnung dann, wenn alles gut gegangen ist, sondern sie ist Sein Medikament, die eiserne Ration, die er für uns bereithält dann, wenn bei uns gar nichts mehr geht.
Das Geschenk der Liebe für die, die ohne IHN, ohne seine Liebe und ohne sein Erbarmen ganz und gar am Ende wären. 

Das einzige, was wir tun müssen, ist wohl, jene Bitte auszusprechen, der der Herr sich einfach nicht entziehen kann, weil er uns so sehr liebt:
zu sagen und zu beten: Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden. Lass uns in unserem Dunkel, in all den Dunkelheiten unsres Lebens nicht allein, sondern sei Du uns Licht, sei Du uns Hilfe! 

   
Amen 

 

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