Predigt von Richard Baus zum Ostersonntag, Lesejahr B

Joh 20,1-9  

    
Liebe Schwestern und Brüder,

„Der Wettlauf der Jünger“, so steht in der Einheitsübersetzung über diesem Evangelium. Zwei Jünger laufen zum Grab - aber sie laufen ins Leere... denn das Grab, zu dem sie unterwegs sind, ist leer. 
Nein, der, den sie dort vermuten, der ist nicht dort,
nicht mehr im Grab, nicht mehr im Tod, sondern im Leben.

Und manchmal muss man halt erst mal ins Leere laufen, damit man merkt: Das, was ich da tue, das bringt nichts. Ich muss was anderes machen! 
Denn man kann Lebendige nicht in Gräbern finden, sondern man muss sie im Leben suchen.
Und wenn ich einen lebendigen Gott suche, dann muss ich selbst ins Leben gehen. Dann muss ich selbst lebendig sein, denn sonst finde ich ihn nicht.

Aber, liebe Schwestern und Brüder, das ist gar nicht so einfach, lebendig zu sein.
Leben heißt nämlich: Begegnung;
Lebendig sein heißt, sich mit Menschen beschäftigen; sich anfragen zu lassen und Antwort zu geben. Jemandem die Hand reichen und weiter zu helfen. Selbst das zu tun, was schwer ist, und nicht drauf warten, dass andere das für mich tun...

Und da ist es manchmal in der Tat einfacher, das Leben zu meiden – und sich zu vergraben, zu vergraben in sein Zimmer, sich zu vergraben in seine Arbeit oder in eine Krankheit – denn dann muss ich nichts tun, ich bin ja beschäftigt, und dann sind die anderen dran.
Die, auf die ich schimpfe, weil die dann nicht alles so machen, wie ich es gerne hätte – ich in meinem Grab….
Ein Leben, das ganz schön ins Leere laufen kann….

Gott lässt die beiden Jünger tatsächlich ins Leere laufen – denn sie sollen etwas lernen. Sie sollen lernen: Der Herr ist nicht bei den Toten, sondern bei den Lebendigen. Er ist nicht in einem Grab, wo die Jünger sich jetzt um IHN kümmern müssten – mit Einbalsamieren, mit Grabpflege und mit Kerzen anzünden. 

Nein, er ist im Leben, damit ER sich um die Jünger kümmern kann. Damit er weiter da sein kann, um sie mit hineinzunehmen in SEIN Leben:
Denn die Liebe, die er den Jüngern zu Lebzeiten geschenkt hat, die hört jetzt nicht auf, sondern die wird eher noch größer.

Die große Barmherzigkeit, mit der er die Menschen, besonders die Sünder, die Kranken und Beladenen behandelt hat, die ist in seinem Tod nicht nicht zum Ende gekommen, sondern die bricht in seiner Auferstehung ganz neu auf.

Und wie er sich zu Lebzeiten denen, die ihn gesucht und zum Leben gebraucht haben, geschenkt hat, so wird er sich nach seiner Auferstehung auch weiter schenken und verschenken. 

Und wie der Herr zu seinen Lebzeiten  die Allzu-Frommen und Gesetzestreuen mit seinem grenzenlosen Erbarmen und seiner total ver-rückten Liebe zu den Schwachen, Geringen und zu den Sündern, an den Rand des Wahnsinns gebracht hat, das wird er nach seiner Aufweckung –und das ist heute- nicht anders machen.

Wer Christus anders denkt und anders haben will, der wird ihn nicht finden, sondern der läuft auch heute ins Leere.

   
Liebe Schwestern und Brüder;

vielleicht ist Ihnen aufgefallen, dass im Evangelium ganz genau beschrieben wird, wo und wie die Leinenbinden da liegen und das Schweißtuch. Zweimal ist davon die Rede. Und des wird betont, dass sie im Grab liegen.

Diese Leinenbinden gehören zu den Toten. Damit wickelt man einen Toten ein, bevor man ihn ins Grab legt. Und oft genug wurden dabei die Binden auch so gebunden, dass dem Toten damit auch die Hände gebunden waren – damit er auch wirklich im Grab bleibt, ans Grab gebunden bleibt.  Sie erinnern sich an die Auferweckung des Lazarus: 
„Nehmt ihm die Fesseln ab“, so befahl Jesus den Leuten, damit Lazarus wirklich zum Leben kommt.

All das, was bindet, alles was fesselt und im Grab gefangen hält, was uns am Leben hindern will, das hat Gott gelöst und das hat der Herr zurückgelassen - im Grab. Dort, wo es auch hingehört.
Denn nichts kann ihn festhalten – kein Grab, keine Leinenbinden, nicht einmal der Tod.

Und auch niemand darf ihn festhalten. Auch nicht wir Menschen mit unseren Vorstellungen - auch keine Kirche, die meint, sie könne das heute entscheiden, wem der Herr sich schenken darf und wem nicht. Sonst laufen auch wir ins Leere.
Denn Gott hat ihn auferweckt von den Toten und befreit von all dem, was ihn festhalten und tot halten will.

Und mit diesem Jesus auch uns. Auch wir sind mit Christus auferweckt, so wie Paulus nicht müde wird, es zu verkünden.

Und deshalb dürfen wir uns nicht wieder selbst begraben und nicht selbst vergraben – weder in unsere Traditionen, die keine Veränderungen zulassen, nicht in Vorschriften, die alles so streng regeln, dass man kaum noch atmen kann, 
noch in unsere Arbeit, die uns total in Beschlag nehmen will – und zweimal nicht in unsere Zimmer oder sonst wo --- denn auf uns wartet doch das Leben

Auf uns wartet doch Gott.

Auch wir sind auferweckt zum Leben, zu neuem Leben – und deshalb sollen wir auch als neue Menschen leben.
Menschen, die alle Leichenhemden abgelegen können;
Menschen, die sich nicht binden und festhalten lassen müssen von all dem, was sie am Leben hindert,
denn Fesseln, die Gott gelöst hat, die dürfen Menschen nicht wieder anlegen, weder sich selbst – und zweimal nicht anderen.

Nein, wir dürfen und können als Menschen leben,  die Christus angezogen haben – mit all seiner Liebe, mit seiner großen Barmherzigkeit – und mit seiner nie enden wollenden Bereitschaft zu Vergebung und immer neuen Anfängen, die Leben möglich machen, 

eigenes Leben und Leben für andere – 
und das immer wieder neu. 

Damit jeden Tag Ostern ist. 

  
Amen
 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch

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