Predigt von Richard Baus zum 12. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

Lk 9,18-24

 
Liebe Schwestern und Brüder,

Interessant: Da will Jesus wissen, was er seinen Jüngern bedeutet, wer er für seine Jünger ist -
und Petrus legt dieses wunderschöne Bekenntnis ab „Du bist der Messias Gottes“.

Das ist ein Glaubensbekenntnis. Denn Petrus sagt damit: Du kommst von Gott.  Du bist der Retter und Erlöser, auf den Israel wartet. In dir ist Gott mit seinem ganzen Heil in der Welt erschienen. Ab jetzt wird alles anders.

Und dann verbietet Jesus, das weiter zu erzählen.
Warum soll die Welt denn nicht wissen, dass er der Messias ist?

Nun, Jesus hat seine Gründe: Im Lukas-Evangelium ist unserer Schriftstelle gerade die Speisung der 5000 vorausgegangen, die wunderbare Brotvermehrung.
Und nun deutet sich an, dass die Menschen ihn zum König machen wollen. Denn so ein König wäre doch sehr praktisch. So ein König könnte sie gut versorgen.
Ein König, der ihnen die Sorge um das tägliche Brot abnimmt. Da hätten sie ausgesorgt.

Ja, Jesus befürchtet –wohl zu Recht-, dass die Menschen nun solch falsche Erwartungen an ihn haben. Erwartungen, die er gar nicht erfüllen will.
Denn er ist gekommen, um die Menschen zu erlösen, um sie wieder zu Gott zurück zu führen – er will ihnen das Heil Gottes schenken - aber er will nicht da sein, um ihnen jeden Tag den Brotschrank aufzufüllen.
Also bitte keine falschen Vorstellungen. Keine falschen Erwartungen.

Und damit auch die Jünger sich keinen falschen Hoffnungen hingeben, deshalb fügt der Evangelist wohl gleich diese harte Wort vom Kreuztragen und vom Sterben hinzu.

„Wer mir folgen will, verleugne sich selbst und nehme täglich sein Kreuz auf sich... Wer sein Leben retten will, der wird es verlieren“.

Worte, die auch uns heute gelten.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

das sind wirklich harte Worte. Sein Kreuz auf sich nehmen. Beten wir nicht oft genug zum Herrn, dass er ein Kreuz von uns nimmt? Dass er uns vor einem Kreuz bewahrt? Und jetzt sollen wir es auch noch auf uns nehmen – und ihm folgen.

Nun, leider hat aber auch dieses Wort zu Missverständnissen in unserer Kirche geführt. Es wurde uns oft genug sehr einseitig verkündet – mit dem Tenor:

Nur was schwer ist, ist gut...
Nur wenn wir uns ein Kreuz suchen, sind wir gute Christen... Wer es sich zu leicht macht, der kommt am Ende nicht in den Himmel.
Also, sucht Euch ein Kreuz! Macht Euch Euer Leben nicht zu leicht......  

Glauben wir wirklich, dass der Herr das so gemeint hat? Dass er uns das Leben noch schwerer machen will, als es eh schon ist?
Jesus will uns doch erlösen und nicht mit schweren Kreuzen umbringen. Jesus will Heil schenken und nicht Kreuze aufladen.

Was könnte dann mit dem Kreuz tragen gemeint sein?

Da geht es nicht um das Leid um des Leidens willen, sondern mit diesem Kreuz, von dem der Herr spricht, sind wohl die Aufgaben gemeint, die uns das Leben stellt;

Aufgaben, die jeden Tag auf uns warten – in der Familie, im Berufsleben;
Aufgaben, denen wir uns in Verantwortung stellen müssen, damit ein Leben miteinander auch gelingen kann.

Dass wir nicht gedankenlos und egoistisch nur für uns selber leben, sondern auch das Leben der anderen mit in den Blick nehmen – und dann tun, was von uns getan werden kann – auch wenn da jetzt was ansteht, was nicht so einfach ist – und wenn etwas anderes jetzt vielleicht gerade viel „lustiger“ wäre. Dann da sein – und nicht weglaufen. Einspringen und aushalten – und damit einem anderen helfen.

 
Liebe Schwestern und Brüder, 

diese Kreuze, von denen Jesus spricht, die stehen nicht auf Golgotha, sondern die stehen vor unserer Haustür. Und sie sind nicht dazu aufgerichtet, um uns unser Leben zu nehmen, sondern anderen zu mehr Leben zu verhelfen.

Jesus hat dieses Golgotha-Kreuz ja auch nicht dauernd getragen, sondern nur einmal. Ganz am Ende.
Und wir wissen, selbst er musste sich dabei noch helfen lassen von jenem Simon von Zyrene, weil er selbst darunter zusammengebrochen ist. So etwas, das kann man nicht dauernd machen – und wirklich nicht jeden Tag.

Aber was Jesus dauernd getan hat in dieser Zeit, von der uns das Evangelium berichtet, das war sein Leben „für andere“: Heilen und Helfen; Trauernde trösten,  Schwache ermutigen und Sünder so behandeln, dass sie wieder neu anfangen konnten.

Nicht dauernd zu fragen: Was könnten die anderen denn jetzt noch für mich tun? Sondern wie kann ich leben, damit andere dadurch auch zu mehr Leben finden? Welche Worte kann ich sprechen, um anderen Mut zu machen? Und was kann ich teilen, damit niemand verhungern muss? Was kann mein Beitrag sein, damit Leben gelingt: In der Familie, in einer Gemeinschaft, in einer Gemeinde? Mach ich, was ich will – oder muss ich auch auf die anderen schauen?

Ich denke, das sind die Aufgaben, die der Herr uns „zumutet“. Das sind die „Kreuze“, von denen der Herr spricht, die wir auf uns nehmen sollen – dann, wenn wir ihm nachfolgen wollen...

damit er uns Vorbild sein kann, wie wir unser Leben gestalten können, damit sich auch durch uns etwas in unserer Welt verändern kann – und sie heil-voller wird, 
dann, wenn wir vor einem solchen Kreuz nicht davonlaufen,

sondern es tragen - um der Menschen willen.

Amen

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch