Predigt von Richard Baus zum 18. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

Kol 3, 1-5, 9-11

 
Liebe Schwestern und Brüder,

bei meiner Meditation der Lesungstexte des heutigen Sonntages bin ich bei der Lesung aus dem Kolosserbrief hängengeblieben. Bei diesem Satz: Ihr habt den neuen Menschen angezogen.
Auf gut Deutsch: Ihr habt Christus angezogen.
Mit diesem Wort erinnert Paulus die Christinnen und Christen der Gemeinde von Kolossä an ihre Taufe.

Wir dürfen davon ausgehen, dass diese Frauen und Männer als Erwachsene getauft wurden. Als Menschen, die selbst JA sagen konnten zu ihrer Entscheidung.
Und Paulus fordert sie nun auf: Dann lebt jetzt auch als neue Menschen.
Legt all das ab, was böse ist, womit ihr euch betrügt und was vormacht; legt all das ab, was diesem neuen Menschen im Wege steht. Und strebt nach dem, was oben ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt!
Richtet euren Sinn auf das, was oben ist, nicht auf das Irdische.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

wenn wir genau hinhören, dann können wir wohl heraushören, dass Paulus sich im Klaren darüber ist, dass man mit der Taufe nicht einfach Christ ist, sondern dass man ab der Taufe erst einmal Christ werden muss. Das ist ein Prozess.
Das fällt nicht einfach vom Himmel herunter und das geschieht auch nicht in einem Augenblick, sondern das wird, das muss wachsen und sich entfalten. Und das braucht Zeit.

Ich finde das unendlich entlastend. Ich muss nicht sofort perfekt sein. Ich muss nicht sofort alles können, was man als Christ können müsste.
Ich muss nicht alles von Anfang an richtig machen, sondern ich darf da hineinwachsen. Ich darf diesen neuen Menschen langsam anziehen, damit ich da auch hineinpasse.

Ja, ich darf auch immer wieder ein Suchender sein. Und ein Fragender.
Und wenn wir ehrlich sind, dann müssen wir sagen: Das dauert ein Leben lang. Denn wenn wir jetzt schon „fertig“ wären, dann wären wir bei den „Fertigen“. Denn bei den Fertigen kann sich nichts mehr entwickeln, nichts mehr verändern; da kann nichts mehr größer und besser werden – und das ist doch eigentlich schlimm.

Denn Menschen, die sich nicht mehr verändern wollen – oder meinen, sich nicht mehr verändern zu müssen, die sind im Grunde tot.

Nein, wir dürfen immer mehr Christ werden. Und dabei will Christus selbst uns helfen.
„Sucht nach dem, was oben ist!“ rät Paulus. Sucht nach Christus selbst.
Und richtet dann euren Sinn auf ihn. Und das heißt wohl: Lernt von ihm. Nehmt ihn als Beispiel. Zieht ihn an, damit ihr ihm ähnlich werdet – und damit man ihn an euch und durch euch erkennen kann.

Wie gesagt: Neu zu werden dauert. Neu zu werden braucht Zeit.
Denn Taufe ist kein Automat: Oben Wasser drüber und unten kommt ein fertiger Christ heraus.
Unten kommt sicher, um bei diesem Bild des Automaten zu bleiben, ein „Kind Gottes“ heraus, ein Mensch, zu dem Gott JA sagt und der dieses JA nie mehr zurücknehmen wird, egal was passiert.

Aber dieses Kind Gottes darf wachsen und groß werden – und auf diesem Weg darf es suchen und fragen. Es darf sich entscheiden – und auch mal Fehler machen und sich irren. Denn bei Gott zählt nicht das, was war, nicht ob man beschnitten oder unbeschnitten ist, Ob Barbar, Sklave oder sonst was. Nein, bei Gott zählt, was sein kann:
Das Neue. Das was wird.

Bleiben wir deshalb gelassen – und werden wir geduldig – mit den anderen und vor allem mit uns selbst. Was Wichtig ist, das wird.
Aber verlieren wir bei unserer Suche und bei unseren Fragen niemals die Orientierung: Verlieren wir niemals Christus aus den Augen.
Denn der ist alles in allen – und deshalb ist auch in uns.
Und wenn ER alles in allen ist, wovor sollten wir dann Angst haben?! Es kann nur gut werden.

Also nur Mut:
Mut zur Veränderung! Mut zum Werden – zum Christ-Werden.

 
Amen

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch