Predigt von Richard Baus zum 20. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

Lk 12, 49-53

 
Liebe Schwestern und Brüder,

ist das nicht gewöhnungsbedürftig, was wir da im heutigen Evangelium hören? Ein Jesus, der Feuer auf die Erde bringt und will, dass es brennt. Ein Jesus, der Streit und Spaltung will.
Ein Brandstifter und ein Störenfried – wo wir uns doch so bemühen, alle Brandherde zu löschen und jeden Streit zu schlichten?
Ist das wirklich „unser“ Jesus?

 
Ja, liebe Schwestern und Brüder, das ist „unser“ Jesus.
In der Tat: Brandgefährlich ist er – zumindest für die religiösen Autoritäten seiner Zeit, denen die Ordnung so wichtig war.
Brandgefährlich für alle, die die Welt genau einordnen wollen in gut und böse, in schuldig und unschuldig – und die der Überzeugung sind, dass die Bösen und Schuldigen weg müssen.
Brandgefährlich, denn dieser Jesus macht genau das Gegenteil:
Er setzt sich mit den schuldig Gewordenen an einen Tisch.
Er hält mit Sündern Mahl.
Er wendet sich den offensichtlich Bösen und Schlechten zu - mit ganz viel Liebe, mit so viel Liebe, dass sie auf einmal ihr Leben ändern und ganz neu anfangen können.

Ja, Jesus läuft denen, die die offiziellen Autoritäten längst als „Verlorene“ abgeschrieben hatten, nach, so lange, bis sie sich von ihm finden lassen.
Und dann hält er ihnen keine Moralpredigt, sondern er nimmt sie in den Arm und er trägt sie nach Hause und schenkt ihnen das Heil.

Und so ist Jesus in der Tat ein Störenfried, weil er damit die „Frommen“ seiner Zeit kritisiert und ihr Handeln in Frage stellt; und weil er seinem Gott mehr gehorcht als den Pharisäern und Schriftgelehrten, die meinen, sie wüssten genau, was dieser Gott will und was er nicht will.

Kann das gut gehen?
Nein, das kann nicht gut gehen. Das wird ihn den Kopf kosten. Und Jesus weiß das, denn die Taufe von der er da spricht, ist keine Taufe mit Wasser, sondern mit Blut, mit seinem Blut – und das macht ihm Angst.

Und dennoch bleibt er Brandstifter und Störenfried, dennoch bleibt er sich treu in seinem Handeln und Reden, ja, letztlich bleibt er seinem Gott treu, von dem er sich doch gesandt weiß.
Dieser Gott, der eben nicht einfach ein-teilt und verur-teilt, sondern der barmherzig ist und der liebt.
Dieser Gott, der ein Herz hat für alle -
und der jedem, auch dem schwersten Sünder, eine Chance zur Umkehr schenkt. Und der sogar beim Umkehren hilft, weil er doch retten und nicht richten will.

  
Liebe Schwestern und Brüder,

Jesus kann nicht anders als so zu reden und so zu handeln, denn dazu weiß er sich vom Vater berufen. Und Jesus will, dass die ganze Welt brennt, dass sie brennt mit dem Feuer SEINER Liebe. Dieser unbändigen Liebe zu Gott und zu den Menschen.

Er muss Feuer auf die Erde werfen und Streit riskieren; aber nicht einfach nur um des Streites Willen, sondern um die Menschen zu einer Entscheidung zu führen: Entweder man ist für ihn - oder gegen ihn. Entweder man ist Feuer und Flamme für ihn – oder nicht.
Ein „Dazwischen“, ein „Vielleicht“ oder ein „Mal abwarten“ das gibt es für ihn nicht, sondern nur ein entschiedens JA oder halt ein Nein. In jedem Fall eine Entscheidung, selbst wenn darüber Familien zerbrechen können.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

damit es da keine Mißverständnisse gibt: Wenn Jesus hier vom Streit in den Familien spricht, Väter gegen Söhne und Schwiegermütter gegen Schwiegertöchter, dann meint Jesus hier sicher keine Streitigkeiten wegen des Fernsehprogramms oder so was.
Nein, hier geht es um den Glauben,
um einen Glauben,
der keine faulen Kompromisse zulässt, sondern die Entschiedenheit fordert -
selbst wenn ich die ganze Familie gegen mich habe.

Wenn Gott ruft, dann kann ich nicht länger machen, was die Eltern und die Onkel und Tanten sagen, sondern dann muss ich tun, was Gott sagt, selbst wenn es Streit gibt.

Und wenn ich heute eine Entscheidung im Glauben getroffen habe, dann kann ich die morgen nicht verleugnen und verraten - nur um des lieben Friedens willen,
sondern dann muss ich sie konsequent leben, konsequent vertreten -- auch wenn die anderen mich nicht mehr verstehen und ich am Ende ganz schön alleine dastehe.

Wenn ich Jesus nachfolgen will,
dann muss mein JA ein JA sein - und mein NEIN ein NEIN ---, auch wenn andere was ganz anderes sagen oder von mir wollen.

 
Ja, liebe Schwestern und Brüder,

das ist ein wirklich hartes Evangelium, das wir da heute hören und da begegnet uns ein anscheinend unbeugsamer Jesus.

Ein Jesus, der uns deutlich macht, dass unser Glaube nicht ein bisschen „Dekoration“ für Festtage ist, und Christsein nicht ein bisschen „Feierlichkeit“ am Sonntagmorgen,
sondern Entschiedenheit für Gott - eine Entschiedenheit, die mein ganzes Leben durchdringt – angefangen bei meinen tagtäglichen Entscheidungen in der Familie und im Beruf - bis hin zur Partei, die ich wähle. 

Entschiedenheit für eine Kirche, die auch wirklich die Kirche Jesu Christi ist; in der er lebendig sein kann und heilend.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

der Herr sucht Menschen, die sich von ihm anstecken lassen und keine, die sich immer gleich als „Feuer-Löscher“ betätigen, nur damit Ruhe ist.

Er sucht Menschen, die brennen – aber nicht auf „Sparflamme“, nur damit es nicht so anstrengend ist.

Und er braucht sicher keine, die immer gleich die Wogen glätten, nur „um des lieben Friedens willen“, wo aber mal ein deutliches Wort gesagt werden müsste, das zum Streit führen könnte.
Denn manchen Streit, den muss man führen – in der Familie und auch in einer Ordensgemeinschaft; und manchen Krach muss man riskieren, zumindest wenn man sich zum Herrn und zu einem eigenen Glauben bekennen will.
Ein Herr, der fordert und herausfordert:
Ein Christsein für Entschiedene.
Ein Christsein, das Feuer fängt für diesen Jesus Christus – und für seine Art zu leben und zu lieben.

Einfach ist das nicht, aber nicht unmöglich.
Denn der Herr lässt uns ja nicht allein mit unserer Entschiedenheit, sondern er schenkt uns seinen Geist, der uns beisteht und uns führen will.
Pfingstgeist
.
Und das Feuer, das er entzündet, ist ja kein Flächenbrand, der alles zerstört, sondern Pfingstfeuer, Feuer das reinigt, heilt und Neues möglich macht – mitten unter uns.   

 
Amen

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch