Predigt von Richard Baus zum 29. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

Lk 18, 1-8

 
Liebe Schwestern und Brüder, 

dieses Evangelium ist die Einladung Jesu zum ausdauernden, um nicht zu sagen, zum „unverschämten“ Beten: So lange beten, bis Gott uns hilft; ihm so lange „auf den Keks gehen", bis er tut, was wir von ihm verlangen. 

Und er wird es tun, so sagt Jesus. 

 
Aber, liebe Schwestern und Brüder,

vielleicht halten Sie mir entgegen: Das stimmt nicht. Was haben wir schon gebetet, intensiv und lange und es passiert überhaupt nichts.
Da tragen wir unsere Anliegen vor Gott hin, Tag und Nacht, und keines dieser Anliegen geht in Erfüllung!
War unser Gebet nicht lang genug? Hat Gott uns nicht gehört? Hört er überhaupt zu?

 
Nun, liebe Schwestern und Brüder, 

wenn Gott uns nicht hilft - trotz unseres Gebets, vielleicht müssen wir dann auch mal fragen, ob wir um das Rechte beten? Um etwas, bei dem Gott auch wirklich  mitmachen kann - weil es  gut ist. Und ob wir mit unserer Bitte keinem anderen schaden...

Von Oscar Wilde stammt der Satz: Wenn Gott die Menschen strafen will, erhört er ihre Gebete. 

Ich glaube, da steckt eine ganze Menge Wahrheit drin. Denn wie oft sind unsere Wünsche ziemlich dumm und kurzsichtig, und sehr egoistisch.
Wie oft denken wir bei unseren Gebeten nur an uns selbst -  und nicht an die anderen? 

Wie oft höre ich, dass Eltern mit vielen, langen Gebeten Gott bestürmen, damit ihre Kinder dies oder jenes machen oder lernen sollen --- damit sich  die Wünsche der Eltern erfüllen - und die Eltern zufrieden sind.

Aber mit dem, was die Eltern sich so wünschen für ihre Kinder, wären die Kinder ja vielleicht ein Leben lang unglücklich - weil für die Kinder etwas ganz anderes das Richtige wäre. Oder weil Gott selbst diese Kinder vielleicht zu etwas ganz anderem berufen hat.…

Oder da betet der eine Ehepartner darum, dass sich der andere doch endlich ändert, damit die Ehe wieder besser wird und wieder Frieden einzieht in die Familie.  Aber vielleicht müsste sich der andere ja gar nicht ändern, sondern vielleicht müsste sich ja derjenige, der da betet,  zu allererst einmal selbst ändern!

Und da können wir noch jahrelang darum beten, dass die Hungernden satt werden und die Kriege aufhören – solange wir selbst nicht endlich anfangen zu teilen - und so lange wir nicht anfangen, erst mal für den Frieden in den eigenen Häusern zu sorgen, wird sich da sicher wirklich nicht viel ändern.

        
Liebe Schwestern und Brüder,

vielleicht kann Gott so vieles in der Welt gar nicht verändern, weil wir uns nicht ändern; und weil wir selbst dabei nicht mitmachen, damit sich was verändert.

Vielleicht soll ich Gott ja helfen, damit ein Gebet erhört wird; aber ich bekomme das gar nicht mit ----weil ich ja wieder mal so sehr mit mir selbst beschäftig bin.

Vielleicht braucht Gott ja gerade mich, um einem anderen bei einer Problemlösung zu helfen - aber ich höre es gar nicht, weil ich selbst wieder am Reden bin. Am Beten. 

Beten heißt ja nicht, dass ich immer nur rede, -- ein Gebet an das andere hängen, möglichst viel. Denn nur wenn es „viel“ ist, ist es gut – so meinen wir ja manchmal.

Sondern Beten heißt ja auch: Hören. Hinhören, was Gott vielleicht von mir will. Ge-Horsam sein und ansprechbar. 

Denn Beten ist  keine „Einbahnstraße“ von mir auf Gott hin. Sondern beten ist wie das Sprechen mit einem guten Freund/einer gute Freundin. Da kann ich ja auch nicht dauern nur reden, sondern da muss ich auch mal zuhören, Stille halten. Stille, in die der anderen dann hinein zu mir sprechen kann.

Im Gebet geht es nicht darum, dass nur ich Gott anspreche, sondern da muss auch der Raum sein, in dem ER mich ansprechen kann. 

  
Liebe Schwestern und Brüder, 

Gott ist sicher für alle da – aber nicht für alles.  Sondern nur für „das Rechte“.

Und deshalb sollten wir hin und wieder schon mal genau hinschauen, um was wir so beten. Ist es wirklich das Rechte? Will ich da nur was für mich? Oder will ich auch Gutes für andere?
Denn nur dann wird Gott hören und helfen.

Vielleicht kennen Sie das Gebet jenes chinesischen Christen, der zu Gott ruft:

Herr, erwecke Deine Kirche
und fange bei mir an.
Herr, baue Deine Gemeinde
und fange bei mir an.

Herr, lass Frieden und Gotteserkenntnis
überall auf Erden kommen
und fange bei mir an.

Herr, bringe Deine Liebe und Wahrheit
zu allen Menschen
und fange bei mir an.
Amen

Fang bei mir an – und verwandele zuallererst einmal mich.
Welch schöne und kluge Bitte!

Denn nur wenn wir verwandelte Menschen sind, Menschen Gottes, 
dann geschehen vielleicht tatsächlich Wunder, die wir erbitten -
dort, wo wir aufrichtig um das Rechte beten –
und wo wir nicht dauern erwarten, dass die anderen was für uns tun,
sondern wo wir selbst damit anfangen.

 
Amen

 

 

 

 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch