Predigt von Richard Baus zum 3. Adventssonntag, Lesejahr C

Lk 3,10-18

 
Liebe Schwestern und Brüder,

da kommen Menschen zu Johannes, der da in der Wüste predigt und tauft und fragen ihn: „Was sollen wir tun?“ Was sollen wir tun, um dem Himmelreich nahe zu sein? Was sollen wir tun, damit wir nicht an Gott vorbeirennen und ihn am Ende verpassen?
Und die Antwort des Johannes klingt irgendwie überraschend. Denn er fordert keine besonderen Frömmigkeitsübungen von diesen Menschen, keine Steigerung im Gebetsleben, nicht noch mehr Gottesdienstbesuch, sondern Johannes wird sehr lebenspraktisch: Teilt eure Kleidung und euer Essen. Nehmt von niemandem mehr als euch zusteht. Unterdrückt und mißhandelt niemanden.

Ist das nicht ein bisschen wenig???? Hätten wir vom Rufer in der Wüste, vom Wegbereiter des Herrn nicht mehr „Religiöses“ erwartet?

Nun, wir sollten da keine voreiligen Schlüsse ziehen.
Bei diesen Menschen, die da zu Johannes kommen, muss er das Gebet und den Gottesdienst nicht besonders ansprechen, denn das sind ja „Fromme“, die dort hinkommen; das sind Menschen, die sich bereits für ihren Gott und für ein Leben mit ihm entschieden hatten.
Menschen, die aber dennoch auf der Suche sind -- auf der Suche nach einem Mehr in ihrem Leben; nach Mehr an gelebten Glauben. Menschen, die wirklich danach suchen, Gott
noch näher zu sein - und noch überzeugter in der Welt zu leben.

Wenn Johannes nun nicht vom noch mehr Beten und vom noch öfter in den Gottesdienst gehen spricht, sondern sehr „lebenspraktisch“ wird, dann will er wohl darauf aufmerksam machen, was wirklichen Glauben auszeichnet -- etwas, was auch Jesus nach ihm immer und immer wieder deutlich machen
wird:
Glaube ist kein Selbstzweck. Frömmigkeit ist keine „Dekoration“, mit der man das eigene Leben ein bisschen anspruchsvoller machen kann. Und wer sich in seiner Frömmigkeit nur auf Gott bezieht, um sich damit den Himmel zu sichern, der hat etwas nicht richtig verstanden.

Der Glaube kommt von Gott und er will auch immer und immer wieder zu Gott hinführen --- aber seit Weihnachten vor 2000 Jahren geht dieser Weg zu Gott nur noch über den Menschen.

 
Liebe Schwestern und Brüder,
Gott ist Mensch geworden. Das werden wir in wenigen Tagen hier an dieser Stelle festlich feiern. Und das bekennen wir in unserem Glaubensbekenntnis.
Und wer nun den Weg zu Gott sucht, der kann sich unmöglich am Menschen vorbei mogeln.
Seit diesem Weihnachten vor 2000 Jahren kann kein Mensch mehr, und sei er noch so fromm, sagen, er würde Gott lieben, wenn ihm die Menschen egal sind.
Es kann keiner mehr sagen, er würde Gott suchen , wenn er dabei auf dieser Suche die Augen vor den Menschen zumacht, vor den Schwachen, Recht-losen, Armen und Kranken, vor all denen, die auf Hilfe angewiesen sind – und denen Gott doch in besonderer Weise das Heil und die Seligkeit verheißen hat.
Es kann niemand mehr sagen, er würde Gott aus ganzem Herzen lieben, wenn er nicht zugleich versucht, auch den Menschen zu lieben – ebenfalls aus ganzem Herzen.

Denn seit diesem Weihnachten vor 2000 Jahren gehören Gott und der Mensch untrennbar zusammen. Wir können uns Gott nicht mehr ohne den Menschen denken; und wir dürfen uns auch den Menschen nicht mehr ohne Gott denken. Kein Mensch ist „Gott los“ - weil wir Gott nicht mehr los werden. Denn seit der Geburt in Bethlehem trägt Gott das Angesicht des Menschen und der Mensch trägt das Angesicht Gottes.

Deshalb kann Johannes auf die Menschen verweisen, wenn er von Gott, von dessen Reich und vom wirklichen Glauben spricht.
Glaube muss die Welt verändern, damit sie zur Welt Gottes wird. Und Frömmigkeit muss immer auch dem Menschen dienen, damit sie dadurch Gottes Heil spüren und ihn finden können. Alles andere wäre fragwürdig.

So wie Gott in diese Welt gekommen ist und immer weiter kommt, so will auch diese Welt immer mehr zum Reich Gottes werden – und es liegt an uns, daran mitzubauen, sie mit zu gestalten, damit dieses Gottesreich spürbar wird ----- durch uns ------ daran, wie wir in dieser Welt leben und wie wir mit
den Menschen umgehen.
Wer mit Gott ernst machen will, der muss auch mit den Menschen ernst machen. Sonst stimmt´s nicht.

Wie gesagt: Johannes macht das sehr konkret ---- nicht mit hoher Theologie, sondern mit klaren Anweisungen, die jeder verstehen kann und bei denen jeder weiß, dass er gemeint ist. Jeder kann etwas tun – das, was ihm möglich ist. Denn Gott verlangt nur Menschen-Mögliches und nichts
Unmögliches.
Jeder kann etwas tun – und bei jedem wird es etwas anderes sein. Aber er soll es dann auch tun.

Was sollen wir tun, wir heute?
 

Liebe Schwestern und Brüder,

falls das heute unsere Frage ist, dann dürfen wir uns auch eine sehr konkrete Antwort sagen lassen, dann dürfen wir uns auf das Weihnachtsfest verweisen lassen – Weihnachten mit der Adveniat-Aktion.

Da schreibt unser Bischof:

Liebe Schwestern und Brüder,
viele Kinder und Jugendliche in Lateinamerika und der Karibik werden in großer Armut geboren. Um das Überleben ihrer Familie zu sichern, müssen sie oft schon in jungen Jahren hart arbeiten. Vor allem Jugendliche indigener oder afroamerikanischer Herkunft leiden unter schwierigen sozialen Verhältnissen und fehlenden Bildungsmöglichkeiten.

Dabei träumen viele von einer guten Zukunft, wollen zur Schule gehen, einen Beruf erlernen und Verantwortung übernehmen. Die Kirche in Lateinamerika bekennt sich zur „Option für die Armen“ und
zur „Option für die Jugend“. Das verpflichtet sie, den jungen Menschen zu helfen, ein selbstbestimmtes, würdevolles Leben zu gestalten.

ADVENIAT unterstützt die Kirche in diesem Bemühen und stellt die diesjährige Weihnachtsaktion unter das Motto „Chancen geben – Jugend will Verantwortung“.

An Weihnachten feiern wir die Menschwerdung Gottes und seine Hoffnungsbotschaft für uns Menschen.

Wir sind eingeladen, diese Botschaft in Wort und Tat an andere weiterzugeben.

Mit der Kollekte am Weihnachtsfest können wir ein Zeichen setzen, indem wir das Engagement von ADVENIAT und der Kirche in Lateinamerika und der Karibik unterstützen. Wir bitten Sie: Bleiben Sie den Menschen dort auch im Gebet verbunden!

Fulda, den 27. September 2018

Für das Bistum Trier

Dr. Stephan Ackermann Bischof von Trier

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch