Predigt von Richard Baus zum 3. Ostersonntag, Lesejahr C

Joh 21,1-14

 
Liebe Schwestern und Brüder,

bei der Vorbereitung der Predigt für heute fiel mir noch mal ein Artikel von Andrea Schwarz in die Hände. Sie erzählt dort von einer jungen Frau namens Bianca: 

Bianca muss aus gesundheitlichen Gründen an einer Sportgruppe für Herzkranke teilnehmen. Als sie zum ersten Mal in den Übungsraum kommt, sagt ihr die Leiterin, sie soll sich „da hinten“ einen Platz suchen – und sie weist vage in eine Ecke des Raumes.

Bianca rollt ihre Matte aus, setzte sich darauf und harrte der Dinge, die da kommen sollten.

Was kam, war eine ältere Dame, die auf Bianca zusteuerte und hörbar empört hervorstieß: „Ich liege schon seit zwölf Jahren auf diesem Platz“. Und es klang so, als wolle sie auch die nächsten zwölf Jahre an genau dieser Stelle liegen.
Bianca nahm ihre Matte und rückte einen Meter weiter.

„Ich liege schon seit zwölf Jahren auf diesem Platz!“
Für genau solche Menschen, so fährt Andrea Schwarz in ihrem Artikel fort, ist Ostern eigentlich gemacht. – Ostern als Zeit zum Aufstehen!
Als Zeit, mal was anderes auszuprobieren – Ostern  als Gelegenheit, sich mal auf was Neues einzulassen.

Denn Ostern will sagen: Bleib nicht da liegen, wo du immer gelegen hast, sondern wechsle mal den Standort! Wechsle mal die Perspektive – und lass Dich überraschen, was Du dann auf einmal alles siehst - UND was dann auf einmal alles möglich ist!

Gewiss, es gibt Menschen, die wollen gar nicht aufstehen. Die wollen viel lieber, dass alles beim Alten bleibt. Nur keine Umstellung! Nur keine Veränderungen!
Aber wer so denkt, wer sich so eingerichtet hat,  der ist eigentlich bei den Fertigen – oder biblisch gesprochen: Der ist bei den Toten. Denn da kommt nichts mehr.  Lebendige denken aber anders.

Wie gesagt, ich habe noch mal diese Geschichte von Andrea Schwarz rausgesucht, als ich das heutige Evangelium las. 

Wenn Sie sich erinnern, sind die Apostel auch wieder in ihr altes Leben zurückgekehrt: Sie fangen wieder Fische, anstelle von Menschen. Und das Fische fangen machen sie genau so, wie sie es gelernt haben:
In der Nacht, mitten auf dem See. Und sie haben auch ihre feste Seite, auf der sie das Netz auswerfen.
Ja, sie machen alles wie immer --- aber sie fangen nichts. So, wie sie es machen, geht ihnen nichts mehr ins Netz.
Und dann kommt da einer, den sie nicht kennen - und der sagt ihnen: Werft das Netzt noch einmal aus.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

das ist ein total verrückter Vorschlag: Am frühen Morgen als es schon hell wird,  und nur 200 Ellen vom Land entfernt – und auch noch auf der anderen Seite, auf der rechten Seite... An diesem See macht das kein Mensch. Denn jeder weiß: das wird nichts.

Aber dann doch..... und dieses anscheinend total verrückte Tun wird reich belohnt. So viele Fische, dass die Netze fast zu zerreißen drohen.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

wie großartig, dass diese Männer da im Boot nicht geantwortet haben:
Wir haben das aber immer anders gemacht - und dabei bleibt es!

Und wir  müssen froh müssen sein, dass uns erzählt wird, dass diese Männer bereit waren, mal was zu verändern - mal was anders zu machen als immer.
Ja, wie gut, dass sie mal einen anderen Standpunkt einnehmen und etwas Neues wagen  konnten -- damit so ein Wunder überhaupt möglich wurde.

 
Liebe Gottesdienstgemeinde,

wie viele Wunder sind vielleicht in unserem eigenen Leben gar nicht zustande gekommen, weil wir nicht bereit waren, mal was anders zu machen als wir es gewohnt sind?!

Und wie viele Wunder kommen vielleicht auch in unseren Tagen nicht zustande, weil wir unseren herkömmlichen Vorstellungen immer noch mehr glauben als dem Herrn, der uns vom jenseitigen Ufer aus zuruft: Versuchs doch mal anders! Vertrau doch mal mehr auf Gott als auf Deine Gewohnheiten und auf das, was Du irgendwann einmal gelernt hast.
Denn die Routine ist unter Umständen der Tod so vieler Dinge im Leben.
    

Liebe Schwestern und Brüder,

wie soll Gott was neu machen können, wenn wir alles beim Alten belassen wollen!
Wie soll Gott ein Wunder wirken, wenn wir gar keine Wunder wollen! - Denn dann müssten wir uns ja umstellen; uns auf Neues einlassen.

Aber dieses Evangelium will uns sagen: Wenn Du wirklich Leben willst, österliches, neues Leben und das nicht erst im Jenseits, wenn du tot bist, sondern heute schon, dann hilf dabei mit - und zwar ganz praktisch:
Setz Dich mal woanders hin als sonst - damit Du mal was anderes siehst!
Sprich mal mit anderen Leuten - damit Du auch mal was anderes hörst.
Ändere mal Deine Perspektive, damit Du Deinen Horizont erweitern kannst --- und damit Gott auch wieder mal eine Chance bekommt in Deinem Leben.
Dieser Gott, der nicht in Gewohnheiten und nicht im Gestern wohnt, sondern im Leben, im Heute,  hier und jetzt.

Ja, Ostern ist gemacht für genau die, die immer alles beim Alten lassen wollen - damit auch sie den Mut finden, wenigstens einmal alles Gewohnte hinter sich zu lassen und neue Wege zu gehen ---
damit neue Erfahrungen möglich werden - und damit auch Wunder.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

Jesus ist nicht im Grab geblieben, nicht im Vergangenen, sondern er ist auferstanden ins Jetzt - in unser Leben hinein.

Und ich bin sicher: Er steht jeden Morgen am Ufer unseres Lebens und er ruft uns.

Aber er ruft uns eben nicht zu: Lasst alles beim Alten! Nur nichts verändern! Alles lassen wie früher.
Sondern er ruft: Sucht das Leben - heute. 

Und werft das Netz doch auch mal auf der anderen, auf der rechten Seite aus - und dann werden auch in Eurem Leben Wunder möglich.

 
Amen

 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch