Predigt von Richard Baus zum Fest Darstellung des Herrn, Lesejahr C

Liebe Schwestern und Brüder,

wenn man dieses Evangelium so hört, dann könnte man etwas salopp sagen, dass es mit dem „Gottesdienstbesuch“ im Tempel von Jerusalem damals wohl nicht so sehr viel anders ausgesehen haben wird als in so mancher unserer Pfarrkirchen heute:

eine junge Familie, ein Kind – und der Rest sind mehr oder weniger alte Leute…

Und dennoch, was da stattfindet, das ist keine Versammlung von Auslaufmodellen, sondern das ist ein Fest der Begegnung:
Denn diese Menschen dort sind nicht einfach nur gleichzeitig in einem Raum versammelt, sondern diese Menschen begegnen sich – sie sprechen sich an und reden und kommunizieren miteinander.

Und indem sie miteinander reden, indem sie von sich und ihrem Glauben sprechen, stellen sie fest, dass sie füreinander von Bedeutung sind  --- weil sie sich gegenseitig helfen können, das Heil zu entdecken – Gott in ihrem Leben.

Ein Fest der Begegnung.
Ja, hier begegnen sich Jung und Alt.
Hier begegnet das Kind Jesus, der Heiland und Erlöser „seinem“ Volk, das auf Rettung wartet;
ja, hier in dieser kleinen Gruppe da begegnen sich Gott und der Mensch.

Eigentlich ein höchst seltsames Setting:
Ein kleines, schwaches Kind – hilflos und unmündig, ganz und gar angewiesen auf die Großen. Und das soll der Retter der Welt sein.

Und zwei uralte Leute, sicher schon vor Alter fast blind und taub.
Aber sie sind anscheinend die einzigen, die wirklich Augen und Ohren haben --- für Gott,
denn sie sehen mehr, mehr als nur einen Säugling, sie erkennen den Retter, das Licht.

Und diese zwei uralten, altersschwachen Menschen brechen darüber in Lob und Jubel aus, und werden damit zu Propheten, zu Kündern eines Heiles, das den Jungen, den Dynamischen und Potenten anscheinend verborgen bleibt  
--- weil diese wohl dafür keinen Blick haben – und kein Herz.

Denn so etwas, das Heil, das Licht, das sieht man wohl nur mit dem Herzen gut,
mit einem Herzen, das in Gott verankert ist, das sich mit seinem ganzen Leben Gott weihen und anvertrauen kann.

Ja, wieder einmal hat Gott das Kleine und Schwache erwählt, das, was in den Augen der Großen und Erfolgreichen eher ein „Nichts“ ist, um in der Welt Großes zu tun:
Ein kleines, schwaches Kind – und zwei alte Leute.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

in unserer Welt, in der Arbeitswelt, in der Familie usw, -- wie oft hört man dort:
Nein, das ist nicht möglich. Sie sind zu alt;
oder: Nein, du bist zu jung – du bist zu schwach ---
immer ist man zu irgendwas „zu“--  zu jung, zu groß, zu klein, zu alt oder sonst was.

Wie anders dagegen bei Gott:
Keiner ist zu klein, niemand zu alt und kein Mensch zu schwach damit ER, unser Gott, nicht doch noch Großes mit ihm vollbringen könnte....

Weil Gott uns nicht hängen lässt mit unseren Schwachheiten und Unzulänglichkeiten,
weil er uns nicht abschreibt, wenn etwas schiefgelaufen und gescheitert ist,
sondern weil er uns liebt,  weil er uns haben will in seiner Welt –
und weil er uns braucht, braucht, um mit uns und durch uns in irgendeiner Weise SEINE Liebe zu den Menschen zu bringen –
und sei es auch noch so unvollkommen und schwach –
wenn ER es will, dann wird es uns gelingen.
Denn er ist es, der wählt und er-wählt. Er ist es, der uns in seine Nähe führt und sich uns schenkt.

Ja, und wieder einmal hat Gott das Kleine auserwählte, das Geringe, das, was eigentlich in den Augen der Menschen nichts ist ---
um genau damit alles möglich zu machen, was für IHN zählt und wichtig ist – 
und das schafft er sicher auch in unserem Leben.

 
Amen

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch