Predigt von Richard Baus zum Karnevalssonntag, Lesejahr C

Hallo, ihr Brüder - und auch Schwestern,
wir wissen es nicht erst seit gestern:
Die Narrenzeit ist wieder da!
Hellau, Alaaf, Halleluja!

Was jüngst sich tat, wird heut gesichtet,
in Reim gebracht und auch gedichtet,
ums kundzutun von diesem Ort 
jetzt hier in meinem  Hirten-Wort.

So passt gut auf und gebt fein acht,
auf das, was ich euch mitgebracht:

Ein schlechter Baum bringt schlechte Frucht,
vergeblich man nach guter sucht.
Und umgekehrt soll’s auch so sein.
erzählt uns allen, Groß und Klein,
das Sonntagsevangelium.
Und ich, ich kaue da drauf rum.

Wenn ich an die Synode denke,
und meinen Blick nach Trier lenke,
dann frag ich schon: Ist‘ s gute Frucht,
die man uns zu verkaufen sucht?
Oder ist’s Frucht vom andern Baum?
Bin ehrlich: Ich versteh es kaum.

Seit Wochen schon wird überlegt,
man diskutiert sehr angeregt
wie kann die Zukunft sich gestalten
im unserm Bistum, diesem alten.
Aus Trier kommt, als „letzter Schrei“:
Die Riesen-XXL-Pfarrei.

Die Grenzen sind da kaum zu sehn,
man könnt gar nicht zu Fuß durchgehn:
von Neustadt bis Neuwied am Rhein,
von Dierdorf bis, Hm, scheint Linz zu sein.
Das war einmal ein Dekanat,
jetzt ist‘s Pfarrei. So ein Salat.

Die Wege werden immer länger,
den Gläubigen wird‘s immer bänger.
Wo krieg ich jetzt nen Taufschein her?
Ein Pfarrbüro, das gibt’s nicht mehr.
Wer hat sich so was ausgedacht?
Pfarrei good bye - und gute Nacht.

Wer sich beschwert, dem sagt man nur:
er sei veraltet – und auch stur.
Heut seien alle doch mobil!
Das sei moderner Lebensstil.
Zum Kaufen fährt man doch auch weit…
Für all die Fahrten hat man Zeit.

Nun, in einer Großstadt, bitte sehr,
da ist das alles auch nicht schwer.
Da hat’s Geschäfte allemal,
selbst Kirchen gibt’s in großer Zahl.
Da fährt der Bus, da fährt die Bahn
Doch schau dir’s auf dem Land mal an.

Zur Mess` am Sonntag, will man gehn.
Was war das früher so bequem:
Man wusst genau, wohin und wann -
heut schaut man erst den Pfarrbrief an.
Wohin muss ich den erst mal fahren?
So schnell ist man sich nicht im Klaren.

Wer von den Kindern fährt mich hin,
wenn ich zu alt zum Fahren bin?
Die liegen dann ja noch im Bett,
wenn ich da stehe, ganz adrett -
in Mantel, Hut und mit Gebiss.
Da tut sich nichts, das ist gewiss.

Ruf doch ein Taxi!“, klingt‘s von drinnen.
Und mir vergeht nach Mess das Sinnen.
Ich bleibe auch zu Hause dann
und stell die Fernseh-Messe an.
Ich rück zurecht mein Leibsystem
und mach‘s im Sessel mir bequem.

Und freu mich auch ganz ungemein:
Die sind ja besser als „daheim“.
Der Pfarrer nett, ganz ohne Fragen;
Ich höre gut, was die dort sagen,
denn ich stell laut und leise dann
den netten, frommen Priestermann.
Musik vom Feinsten bei der Feier,
nicht immer nur die alte Leier.

Und wenn mir was gar nicht gefällt,
dann wird der Kasten abgestellt.
Hier bin ich Herr in dem Geschehn,
kann, wenn es sein muss, auch mal gehn -
zum Kühlschrank, Klo, Teeautomat,
hab bei der Kollekte was gespart.
Ich sitze warm, bequem und still
und mache grad wie ich es will.

Nur ganz in Klammern sei gesagt:
Das ist bei Schwestern auch gefragt.
Warum denn in die Kirch rein gehen,
kann man die Mess im Fernsehn sehen?!
Hier oben ist die Kamera,
von dort sieht man bis zum Altar!

Warum denn fahren, Parkplatz suchen,
Vielleicht auch noch nen Sitzplatz buchen.
Wenn all das auch zu Hause geht,
und anstatt Weihrauch Kaffeeduft hier weht?!

Früher war das anders schon.
Ich höre noch des Pfarrers Ton:
Wer sonntags nicht zur Kirche geht,
schon mitten in der Hölle steht!
Das war ne Sünde, ohne Zweifel,
im Westerwald und in der Eifel.

Und keine kleine, nein, ne große.
Der Teufel nimmt dich bei der Hose.
Der zieht dir dann die Ohren lang
Und jedem wurd es Angst und bang.
Man will ja nicht in Schuld geraten
und auch nicht in der Hölle braten.

Doch wenn in unsrer Kirche halt
Altar und Ambo bleiben „kalt“ --
weil`s keinen Priester hier mehr gibt
der sonntags uns die Schuld vergibt
und feiert mit das Abendmahl....
- das ist mir wirklich nicht egal:

Wer hat dann „Schuld“, wen trifft es dann?
Den oft bemühten „kleinen Mann“?
dem gestern man noch hat erzählt,
wie viel die Sonntagsmesse zählt --
die heute man ihm vorenthält,
weil hier in unsrer Christenwelt
halt nur ein Mann im Zölibat
von Amts her die Erlaubnis hat...

Oder sind nicht Schuld die von „ganz oben“,
die XXL-Pfarreien loben,
anstatt sich mal beherzt zu trauen
zu weihen endlich auch die Frauen
oder nen verheirateten Mann,
damit man Messe feiern kann -

nicht nur an ausgewählten Orten,
in Domen, Klöstern, Himmelspforten.
Nein, überall wo Kirchen sind,
erreichbar, auch schon für ein Kind.
und das an jedem Sonntag, gern,
denn das ist doch der Tag des Herrn.

Was ist denn wichtiger? so will ich fragen:
So ein Gesetz aus alten Tagen,
das nicht einmal vom Herrn selbst stammt --
oder wir Menschen, allesamt,
zu deren Heil ER doch erdacht
und die Eucharistie gemacht?!

Wenn alten Normen nicht mehr taugen,
uns sogar hindern in dem Glauben,
ist’s dann nicht Zeit, schnell was ändern,
in Rom bis zu des Erdkreis Rändern
und Gottes Geist neu zu vertrauen
dass ER die Kirch kann neu erbauen?!

Doch nicht gleich alles, was modern
ist ganz im Sinne unsres Herrn.
In dem PAULINUS stand es so:
Der letzte Hit ist jetzt „to go“.
Nicht nur beim Kaffee, glaubt es mir,
das geht beim Segen auch, stand‘ s hier.

Am Fest des heilgen Valentin,
ging man nicht mehr zur Kirche hin.
Nein, auf dem Marktplatz, unverholen,
konnt‘  man den Segen ab sich holen.
So, en passant, man glaubt es nit,
nahm man den Segen grad noch mit.

Und auch das Aschenkreuz, so hört ich eben,
soll es dann dort - „to go“ - auch geben.
So auf dem Weg von A nach B,
das tut dann wirklich nicht mehr weh.
Doch ob man da nicht über Nacht,
ne Farce aus so was Heilgem macht?

Wo bleibt denn die Gemeinde dann,
die mit mir, für mich, beten kann?

Das ist dann wie im Supermarkt:
Ich hab mein Auto grad geparkt,
lauf schnell hinein, um mir zu holen,
was mir zu Hause wurd befohlen.
Wer mir begegnet am Regal,
der ist mir schnurz und piep egal.

Dabei die Leut doch wichtig sind.
Denn die doch die Gemeinde sind.
Die sind der Leib doch unsres Herrn -
wenn sie zum Mahle kommen gern.
Doch mit „to go“, das ist  gewiß,
verkommt das Mahl - zum Schnellimbiss.

Für die Begegnung Zeit man brauch,
zum Singen und zum Beten auch.
Nicht auf die Schnelle, grad mal so,
wie bei dem Kaffee, hopp and go!
wo andere mich stören nur…
Das ist nicht christliche Kultur.
Gemeinschaft ist das Zauberwort
Gemeinschaft hier, an diesem Ort.

Denn Gott ist hier in diesem Saal,
wenn wir mit ihm jetzt halten Mahl.
Er schenkt uns Liebe und sein Brot,
das uns bewahrt vor‘m ewgen Tod.
Nicht nur „to go“, denn er hat Zeit
wenn’s sein muss, bis in Ewigkeit.

Drum hört, ihr lieben, guten Leute,
auf das, was ich euch sage heute:
Wenn ihr euch wollt was Gutes tun,
kommt her zu uns, hier könnt Ihr ruhn.
UNS seid ihr allesamt willkommen,
egal, woher ihr auch mögt kommen.

Von der Gemeinde nebenan,
XL-Pfarrei, ob Frau und Mann.
Hier seid ihr richtig und geliebt,
bei uns wird keiner ausgesiebt.
Und wir sind jeden Sonntag da,
zur gleichen Zeit, das ist doch klar.

Das einzige, s‘ ist leider so,
wir machen nichts mal grad „to go“.
Wir legen Wert auf den Gesang,
auf Weihrauch - dauert‘s auch mal lang,
auf Liturgie und -auch ne Spur-
auf Gottesdienst-Kultur.

Denn Gott im Himmel doch wir loben,
weil er uns hat ganz hoch erhoben.
Sogar den Sonntag uns gemacht,
damit das Herz uns allen lacht.
Denn ohne Sonntag, bitte sehr,
die ganze Woch nur Werktag wär.

Das wär doch schlimm, nicht auszuhalten.
Drum lassen wir den Herrn hier walten:
Vertraun uns seiner Liebe an,
die er verheißen Frau und Mann.
In seine Hände wir uns legen -
Er macht uns heil und schenkt uns Segen.

Drum sag ich noch mal, bitte sehr:
Kommt sonntags alle nur hierher.
Ihr könnt auch werktags kommen mal.
Da feiern wir auch Abendmahl.

An jedem 3. Dienstag dann,
da steht die „Sorgenmesse“ an.
Auch dazu laden wir euch ein.
Kommt her, macht mit, ihr passt noch rein.

Doch nun kommt es, wie’s kommen muss:
Auch diese Predigt hat nen Schluss.

Und alle, die heut hierher kamen,
die segne Gott - ganz reichlich.   

Amen

 

 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch