Ansprache von Schwester M. Michaele Rohde zum Pfingstmontag, Lesejahr C

Lesung: Röm 8,14-17
Evangelium: Joh 3,16-21

 
Liebe Schwestern und Brüder,

eine Gruppe Jugendlicher hat sich mit dem Pfingstfest und seiner Bedeutung auseinandergesetzt. Sie haben versucht ihre Überlegungen in eine Art Glaubensbekenntnis zusammenzufassen:

„Wir glauben an den Heiligen Geist,

der uns tröstet, wenn wir traurig sind.

Wir hoffen, dass alle Menschen in Freiheit leben können und Hass und Kriege aufhören.

Wir glauben, dass bei Gott Fehler verziehen werden.

Der Heilige Geist baut auf.

Das ewige Leben schenkt uns Gott.

Darauf vertrauen wir.“

 
Ob es einfache, schlichte Aussagen sind, ob nicht auch Erfahrungen/ Lebenserfahrungen hinter diesen Aussagen stehen, mag dahingestellt sein. Mich hat berührt/angesprochen, dass in diesem kurzen Text erkennbar ist, dass ein Prozess stattgefunden hat von:

„wir glauben an den Heiligen Geist.“

Zu

„Wir vertrauen darauf!“

Glaube und Vertrauen meinen letztendlich von der Wortbedeutung her dasselbe., aber es ist ein Unterschied spürbar, wenn ich höre

„wir glauben an…“ oder „wir vertrauen darauf...“

Das ist eine persönliche Aussage. Da ist etwas ins Herz gerutscht. Vielleicht kann man sagen, Gottes Geist hat offene Türen gefunden.

Hilfreich waren dabei sicher die Gespräche der Jugendlichen miteinander und auch mit dem Pfarrer, der sie begleitete.

Was vorher nur Glaubenswissen war, konnte eine tiefere Ebene erreichen, hat im offenen Austausch dieser jungen Menschen eine persönliche Note bekommen. Vielleicht kann man sagen, da hat „Begegnung“ stattgefunden, eine Begegnung, die nicht an der Oberfläche, nicht im Vorübergehen stattfand oder sich an Formeln festhielt, sondern der ein Austausch über Grenzerfahrungen im Leben beinhaltete, über Ohnmachtserfahrungen und Hilflosigkeit, (der uns tröstet, wenn wir traurig sind) und  über eigene Schuld (Wir glauben, dass bei Gott Fehler verziehen werden) und sie durften  die Erfahrung machen, da hören mir andere zu, ja, ich kann erleben, dass ich mit all dem nicht allein bin.

 

Genau das will Gott uns mit diesem Evangelium zusagen:  

                                                Mir liegt diese Welt so sehr am Herzen, dass ich meinen einzigen Sohn gesandt habe, in all das hinein, was unsere Welt, unseren Alltag ausmacht, mit seinen beglückenden und schönen Seiten des Lebens, aber auch mit den schmerzvollen, gewalttätigen, traurigen Seiten.

Denn seit Leben, Sterben und Tod Jesu gibt es nichts mehr im Leben, wo ER nicht auch zu finden wäre.

„Denn Jesus ist gekommen zu retten,

               nicht zu richten.“

 
Wenn im Evangelium trotzdem vom Gericht, vom Bösen, von der Finsternis die Rede ist, dann geht es um Wirklichkeiten, die in der Welt vorhanden sind.

Jesus ist gekommen zu retten, zu befreien aus all dem was unfrei macht, versklavt,

wie es heute im Römerbrief heißt:

„Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, sondern ihr habt einen Geist empfangen, der euch zu Söhnen und Töchtern macht.“

                                                                                                                    Röm. 8.15

  
Gott schenkt uns die Freiheit und ER achtet die Freiheit. ER drängt sich nicht auf. Um „anzukommen“, muss das Angebot SEINER Liebe angenommen werden.

Doch wie oft wird es abgelehnt?

Da wird ein Mensch getötet seiner Menschlichkeit wegen und alles bleibt wie es ist.

Da kommt der Himmel auf die Erde und keiner will ihn haben. Es soll möglich sein, dass einem Menschen alles angeboten wird, was er zum Leben braucht und er verweigert.

So ist im Grunde genommen das Gericht gegenwärtig und zwar nicht als Wirkung des Handelns Gottes, sondern als Auswirkung der Verweigerung:

„Wer nicht glaubt, ist schon gerichtet.“

  
„Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht!“

Das Tun der Wahrheit besteht darin, sich dem Geheimnis der Person Jesu anzuvertrauen und sich in SEINEN „Abstieg“ und „Aufstieg“ hinein nehmen zu lassen, sich dem Gott anzuvertrauen, der keine Mühe gescheut hat, um SEINE Liebe in Jesus sichtbar, erfahrbar, spürbar werden zu lassen.

Leben aus dem Glauben ist also nicht als eigene Leistung zu verstehen, sondern immer Geschenk der Liebe Gottes, das ich annehmen darf. Vielleicht haben die Jugendlichen etwas davon erfahren dürfen, wenn sie am Ende ihr Glaubensbekenntnis schreiben:

„Wir glauben an den Heiligen Geist, der uns tröstet, wenn wir traurig sind.

Wir hoffen, dass alle Menschen in Freiheit leben können und Hass und Kriege aufhören.

Wir glauben, dass bei Gott Fehler verziehen werden.

Der Heilige Geist baut auf!

Das ewige Leben schenkt uns Gott.

Darauf vertrauen wir!“

  
Pfingsten als Fest der Liebe Gottes,“ die ausgegossen ist in unsere Herzen durch den Heiligen Geist“. (Röm. 5,5)

 

 

 

 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch