HORIZONT
7 Agnella froh, „können wir sie zumGlück wie- der regelmäßig besuchen“ – selbstverständlich unter Beachtung aller Hygiene- und Abstands- regeln, die gerade auch in Senioreneinrichtun- gen penibel eingehalten werdenmüssen. Aber es hat schon wieder dazu gereicht, gemeinsam die Maibowle und eine Erdbeerbowle zu ge- nießen, freuen sich die Beiden. Wie organisiert man sein (Glaubens-) Leben, wenn Gottesdienste ausfallen oder Exerzitien abgesagt werden? Man muss improvisieren. Sie haben im Fernsehen Gottesdienste mitge- feiert, ihre Exerzitien in Eigenregie gemacht und haben beglückt festgestellt, dass ihre Or- densgemeinschaft in dieser Zeit enger zusam- mengerückt ist. Der Kontakt mit vielen Schwestern sei enger geworden und „Wald- breitbach hat sich rührend um uns geküm- mert“, blicken sie auf die vergangenen drei Monate zurück. Wadern-Noswendel. Zeit ihres Ordenslebens haben die Zwei Verantwortung für sich und andere übernommen, auch jetzt in einem Alter, in demAndere lange schon ihren wohl- verdienten Ruhestand genießen. Wie haben die Beiden dann die Zeit der Corona-Pande- mie erlebt und gemeistert? „Zu zweit geht viel“, sind sich Schwester M. Agnella Neuses und Schwester M. Wendeltraud Schmitt ei- nig. Die radikale Entschleunigung, die der Lockdown Mitte März mit sich brachte, ha- ben die Beiden anfangs durchaus genossen. Ganz wichtig dabei: Man muss sich auch in einer solchen Situation eine Tagesstruktur bewahren. Auch wenn man es dann natürlich ein wenig langsamer angehen lassen kann. Die beidenOrdensfrauen leben seit zweieinhalb Jahren in einer geräumigenWohnungmit über- dachter Terrasse und großem Garten – und damit unter Rahmenbedingungen, die einen Ausnahmezustand wie die Corona-Krise leich- ter erträglich machen. Und das Wetter hat in diesem Frühjahr ja gottlob auch mitgespielt. Trotzdem: Schwester Agnella und Schwester Wendeltraud haben die erstenWochen in häus- licher Klausur verbracht. Liebe Menschen ha- ben für sie in dieser Zeit eingekauft. Der Kontakt mit ihrenMitschwestern, die nur wenige Kilometer entfernt imAlten- und Pfle- geheimSt. Maria inWadern leben, beschränk- te sich in diesen Wochen weitestgehend auf das Telefon. Dass sie sie persönlich nicht mehr besuchten, das hätten einige ältereMitschwes- tern nicht verstehen können. Mittlerweile, da sind Schwester Wendeltraud und Schwester „Zu zweit geht viel“ Wie Schwester M. Agnella und Schwester M. Wendeltraud die Corona-Zeit erlebt und gemeistert haben – ein Besuch In dieser ausweglosen Lage zog sie einen Verpflegungsoffizier am damaligen Standort Warburg ins Vertrauen. Damit ging sie ein hohes Risiko ein, sah aber keine andere Mög- lichkeit, der Schwerkranken zu helfen. Dieser Offizier war Gott sei Dank bereit, ihr zu helfen und organisierte entsprechendeMedikamente. Sofie Klenscher überlebte ihre Erkrankung und konnte bis zum Eintreffen der Alliierten in der Obhut von Schwester Anselma bleiben. Nach Ende des Krieges ging sie zurück nach Neuwied. Ihre Töchter waren sehr dankbar dafür. Denn sie waren davon überzeugt, dass ihre Mutter die Zeit nicht überlebt hatte. Mit Zivilcourage, Mut und großem Gottver- trauen hat Schwester Anselma Sofie Klenscher das Leben gerettet. Es braucht auch in unserer heutigen Zeit Menschen wie Schwester Anselma, die vorbehaltlos für andere da sind und nicht auf Herkunft, Geschlecht oder Reli- gion schauen. Schwester M. Agnella Neuses (links) und Schwester M. Wendeltraud Schmitt haben zusammen auch die Corona-Krise gemeistert. Foto: hf
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