horizont
4 Bacabal/Waldbreitbach (as). „Bildungsarbeit ist ihre Berufung“, sagt Schwester Gabriele- Maria Schmidt. Deshalb habe ihre Mitschwes- ter Schwester M. Rita Pereira da Silva im Alter von fast 50 Jahren noch einmal die Universität Santo Agostinho in Teresina besucht und dort imvergangenen Jahr ihr Studiumder Pädagogik abgeschlossen, freut sich die Generalrätin und Regionaloberin in Brasilien. „Damit hat sie die Qualifikation erworben, um in unserem Kin- derprojekt Madre Rosa eine Leitungsfunktion zu übernehmen“, so Schwester Gabriele-Maria während ihres Besuches Ende Februar in Waldbreitbach. Schon mit 18 Jahren arbeitete Schwester Rita als Lehrerin. In Brasilien war das damals ein Ausbildungsberuf, für den sie kein Studium absolvieren musste. Mit großer Begeisterung führte sie Alphabetisierungskurse für Erwach- sene durch. Sie selbst empfindet es als ein gro- ßes Glück, dass sie als Kind die Schule besuchen durfte. Denn das war keine Selbstverständlich- keit, wennmanwie sie aus demLandesinneren Brasiliens stammt. Schwester Ritas Vater wollte „Bildungsarbeit ist ihre Berufung“ Schwester M. Rita Pereira da Silva hat an der Universität Santo Agostinho in Teresina ihr Pädagogikstudium abgeschlossen seinen Kindern den Schulbesuch ermöglichen und kaufte deshalb ein kleines Haus in Oeiras, einer Gemeinde im Bundesstaat Piauí. Hier lebten Schwester Rita und ihre Geschwister zusammen mit einer älteren Cousine, die sie versorgte, damit sie in die Schule gehen konnten. Als Schwester Rita in die Ordensgemeinschaft eintrat, engagierte sie sich im Kinderprojekt der Waldbreitbacher Franziskanerinnen Madre Rosa . Seit 20 Jahren betreuen die Ordens- schwestern in Bacabal und in Sao Luis rund 450 Kinder und Jugendliche aus schwierigen sozialen Verhältnissen, die sie buchstäblich von der Straße holen. 2007 kam Schwester Rita für mehr als fünf Jahre nach Deutschland. Der Arbeit mit Kin- dern blieb sie auch in dieser Zeit treu und war, nachdem sie die deutsche Sprache gelernt hatte, imMitarbeiterkindergartenMIKI amKranken- haus Maria Hilf in Bad Neuenahr-Ahrweiler und im Heilpädagogischen Zentrum Haus Mutter RosaWadgassen tätig. Wieder zurück in Brasilien, wusste sie, dass sie Pädagogik studieren und sich damit für die Arbeit im Kinderprojekt Madre Rosa weiter- qualifizieren wollte. Die Aufnahmeprüfung an der Universität, die in Brasilien jeder absolvieren muss, der studieren möchte, bestand sie mit Bravour – genauso wie ihre Examina. Die Leitung des Kinderprojektes in Sao Luis über- nahm sie im Januar. Für diese Aufgabe fühlt sie sich durch das Studiumgut vorbereitet. Sie habe umfangreiches Rüstzeug erhalten, um mit den Eltern zu arbeiten und die Kinder bestmöglich zu fördern. „Die Zuwendung und Aufmerksam- keit, die die Kinder im Projekt erhalten, tut ihnen gut“, so Schwester Gabriele-Maria. „Wir unterstützen sie, damit sie zu mündigen Bürgern heranwachsen, die ihr Leben bewusst in die Hand nehmen.“ Und genau darin sieht Schwester Rita ihre Mission: Sie möchte ihren Teil dazu beitragen, dass die Kinder ein stabiles Fundament bekommen, das sie ihr Leben lang trägt. Schwester M. Rita Pereira da Silva (2. von rechts) bei der Anmeldung eines Jungen im Kinderprojekt Madre Rosa . Foto: red
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