HORIZONT - page 5

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Auch wenn sie bereits mit 17 Jahren in die
Gemeinschaft der Waldbreitbacher Franzis-
kanerinnen eintrat, so war ihr Weg dorthin
doch kein gerader. Obwohl: Den Gedanken,
dass Gott sie zum Leben in der Nachfolge
Jesu Christi ruft, den hatte Dorothea Kloos
bereits mit 15. Aber irgendwie fühlte sie sich
nicht würdig, diesen geistlichen Weg zu ge-
hen, stammte sie doch aus einfachen Ver-
hältnissen. Sie verdrängte diesen Gedanken
also immer wieder und hatte sich in den
Kopf gesetzt, eine Ausbildung bei der Krimi-
nalpolizei zu machen (und bekam zu ihrer
eigenen Überraschung auch eine Zusage).
Wobei sie dann doch dem Drängen ihrer
Mutter nachgab und Kauffrau lernte. Doro-
thea Kloos, 1940 in Bad Gams in der Steier-
mark geboren, wuchs auf in Idar-Oberstein,
der Heimatstadt ihres Vaters, der im Krieg
gefallen war. Ihre Großmutter war es, die sie
religiös prägte. Jeden Morgen vor der Schule
beziehungsweise dem Arbeitsbeginn be-
suchte Dorothea die hl. Messe. Und auch
wenn sie ja eigentlich klare Vorstellungen für
ihre berufliche und private Zukunft hatte,
„so hat mich Gott dabei gestört, und ich
wurde unruhig“, beschreibt sie diese Zeit der
Suche.
Berufung ist und bleibt immer ein Geheimnis
zwischen Gott und demjenigen, der berufen
wird. Trotzdem gibt es auch in ihrem Leben
ein Schlüsselerlebnis: In der Neujahrsnacht
1956 vor demAllerheiligsten, der ausgestellten
Monstranz, wurde ihr klar, „dass ich der Beru-
fung Gottes folgen und unter der Liebe Gottes
bewusster leben muss“. Denn jetzt wusste sie:
„Er hat mich berufen, so wie ich bin“. Doro-
thea Kloos schaute sich verschiedene Gemein-
schaften an und entschied sich nach Exerziti-
en in Waldbreitbach dann für die Wald-
breitbacher Franziskanerinnen, obwohl sie ja
eigentlich in die Mission gehen wollte. Und es
dauerte auch seine Zeit, bis sie sich mit ihrem
Ordensnamen anfreunden konnte. Dabei war
es eine Schwester Basina, die 1903 als General-
ökonomin die Urkunde zur Gründung der
Marienhaus GmbH unterzeichnet hatte. Und
dieser Name war 20 Jahre nicht vergeben wor-
den, bis eine gewisse Dorothea Kloos mit 17
Jahren in die Gemeinschaft der Waldbreitba-
cher Franziskanerinnen eintrat...
Schwester M. Basina Kloos
dazu bot der Gottesdienst vielfältige Gelegen-
heit. Generaloberin Schwester Edith-Maria
Magar erinnerte in ihrem Grußwort daran,
dass Ordensfrauen durch das Versprechen
der Gelübde der Armut, des Gehorsams und
der ehelosen Keuschheit frei für Gott und ein
Leben in Gemeinschaft seien. Gott „nimmt
sich unserer Schwachheit an und ist unser
Guter Hirte“, betonte sie. Schwester Philome-
na habe Gott in all den Jahren eisern die Treue
gehalten. (Womit die Generaloberin das an-
sonsten eher martialisch klingende Wort zu-
mindest einmal in einen positiven Kontext
stellen konnte.)
ImHochwald-Altenzentrum St. Klara in Her-
meskeil hat sich Schwester Philomena viele
Jahre in der Seelsorgearbeit engagiert und die
Aufgaben der Sakristanin wahrgenommen.
Und regelmäßig sitzt sie morgens am Emp-
fang und ist Ansprechpartnerin für alle und
alles. So ist sie „ein Segen für unser Haus“, wie
es Einrichtungsleiterin Maria Borrello und
Pflegedienstleiterin Claudia Reichert in ihrer
kurzen Ansprache hervorhoben.
Viele, wahrscheinlich alle wünschen sich,
dass sie dem Haus noch lange erhalten blei-
ben möge. Und auch wenn sie vor wenigen
Tagen ihren 89. Geburtstag feiern konnte, so
versprach Schwester Philomena, dass sie ger-
ne weitermachen wolle…
Am Empfang des Hochwald-Altenzentrums St.
Klara ist Schwester M. Philomena voll in ihrem
Element.
Foto: hf
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