HORIZONT - page 7

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schen einluden, die Sehnsucht haben, ein-
mal inne zu halten und Gott wieder ein Stück
näher zu kommen. Dazu gab es zahlreiche
Angebote, wie Gesprächskreise, kreatives
Gestalten, Wandern mit spirituellen Impul-
sen, stille Zeit in der Kirche und meditatives
Tanzen zu religiösen Gesängen im Kapitel-
saal. Den Abschluss bildete ein Gottesdienst
mit Pastor Lothar Anhalt in der Klosterkir-
che. Das gesamte Programm stand in die-
sem Jahr unter dem Thema
Der Friede sei
mit Euch
.
Gerade die heutige Weltlage mache deutlich,
dass Frieden keine Selbstverständlichkeit ist.
An vielen Orten auf der Erde herrsche Krieg,
Zerstörung und Vertreibung, so Schwester M.
Therese Nolte, die in Kloster Ehrenstein lebt.
Sie wanderte mit Teilnehmern des
NachtLebens
in die Natur rund um die Burgruine und das
Kloster Ehrenstein und gab ihnen spirituelle
Impulse mit auf denWeg. „Das hier ist ein von
Frieden erfüllter Ort“, sagte sie. „Es ist ein Ort,
an dem seit rund 500 Jahren kontinuierlich ge-
betet wird.“ Vielleicht ist es das, was in Kloster
Ehrenstein spürbar wird, denn für die meisten
Besucher ist es ein ganz besonderer Ort, der
die Seele berührt. Und deshalb kommen viele
auch schon zumwiederholtenMal zum
Nacht-
Leben
.
Eigentlich war ihr Weg ja vorbestimmt: Zwei
ihrer Großtanten waren Waldbreitbacher
Franziskanerinnen und hatten, wie sie mit
leuchtenden Augen erzählt, die Ordensgrün-
derin Mutter Rosa noch persönlich kennen-
gelernt. Auch zwei Tanten und eine ihrer leib-
lichen Schwestern waren Mitglieder der
Gemeinschaft. Und sie selbst hatte ihrem
Herrgott versprochen, sie werde ebenfalls ins
Kloster eintreten, wenn ihre Schwester (sie
trug denOrdensnamenAngelika) eine schwe-
re Krankheit überleben würde. Sie wurde wie-
der gesund, aber es dauerte dann noch eine
ganze Weile, bis Anna Maria Cordula Beyer
diesen Schritt auch tatsächlich vollzog. 1930
in Koxhausen nahe der luxemburgischen
Grenze geboren – „ich stamme aus der schö-
nen Eifel, und meine Familie war arm und
kinderreich“, erzählt sie –, arbeitete sie in Lu-
xemburg in einem Haushalt. Ein Priester, der
sie wohl dabei beobachtet hatte, dass sie auch
nach der hl. Messe regelmäßig noch ins Gebet
versunken in der Kirche saß, sprach sie an
und fragte sie ganz direkt, wann sie denn end-
lich eintreten wolle. Ihr Zwillingsbruder, dem
sie sich als Erstem anvertraute, habe nur ge-
antwortet: „Das habe ich seit langemgewusst“,
erinnert sie sich. Ihm verdankt sie übrigens
auch ihren Schwesternnamen. Eine ihrer Tan-
ten nämlich bat die Ordensleitung, sie nach
ihrem Bruder zu benennen. Und der hieß mit
drittem Namen Wendelin. So trat Schwester
M. Wendelina am 28. Januar 1953 in die Or-
densgemeinschaft der Waldbreitbacher Fran-
ziskanerinnen ein und hat diesen Schritt kei-
ne einzige Minute bereut...
Schwester M. Wendelina Beyer
Be ufung
ng
Dank des warmen Wetters fanden die Gesprächs-
kreise im Klosterhof statt.
Die Teilnehmer knüpften bunte Fäden in ein
Netz.
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