HORIZONT
7 den zahlreiche Frauen bereit, die gut ausgebildet sind und die Voraussetzungen für die Weihe erfüllen. Um die Kompetenzen dafür zu erwerben, treffen sich die Frauen in den kommenden drei Jahren alle zwei Monate für einWochen- ende. Zusätzlich nehmen sie einmal jährlich an einwöchigen Exerzitien teil. „Denn es ist ein geistlicher Weg, den jede einzelne geht und dabei immer wieder dem Ruf Gottes nachspürt“, sagt Schwester Gerlinde-Maria Gard. Sie ist Mitglied der Ordensleitung und steht zusammen mit der Diplomtheologin Lucia Zimmer den Frauen als geistliche Be- gleiterin zur Verfügung. Geleitet wird der Kurs von der Krankenhausseelsorgerin Dr. Jutta Mader und der Diplompädagogin Ga- briele Greef, die auch Vorstandsmitglied ist im Netzwerk Diakonat der Frau . Externe Referentinnen und Referenten arbei- ten mit den Teilnehmerinnen an den Wo- chenenden zu den Grundvollzügen kirchli- chen Handelns, also Diakonie, Verkündigung und Liturgie. Es geht um die Zuwendung zu den Armen und Bedrängten in der heutigen Zeit, um eine lebensnahe Verkündigung der frohen Botschaft und zeitgemäße, diakoni- sche Formen von Liturgie, die die Menschen in ihrem Alltag erreichen. Zusätzlich setzen die Frauen ein diakonisches Projekt in ihrer Heimatgemeinde um. „Bei all dem müssen sie aushalten, dass die Kirche bei Abschluss ihres Vorbereitungskur- ses wahrscheinlich noch nicht so weit ist, Frauen zum Diakonat zuzulassen“, sagt Ir- mentraud Kobusch. Aber wir sind auf dem Weg und erfahren dabei auch von vielen Sei- ten Unterstützung. „Das Thema der Diskri- minierung von Frauen in der Kirche ist alt“, sagt Schwester Edith-Maria und zitiert die spanische Mystikerin Teresa von Ávila, die schon im 16. Jahrhundert schrieb: „Ich werfe unserer Zeit vor, dass sie starke und zu allem Guten begabte Geister zurückstößt, nur, weil es sich um Frauen handelt.“ Das Archiv ist das Gedächtnis der Ordensgemeinschaft der Waldbreitbacher Franziskane- rinnen – ein Besuch „Die Geschichte der Gemeinschaft von ihrenAnfängen an ist gut dokumentiert“ Waldbreitbach. Irgendwie fehlt noch der rote Faden. Das geben SchwesterM. VeronikaDrey- müller und Gabriele Simon freimütig zu. Die Sachen (imArchivdeutsch heißen sieAbgaben) wurden bisher nämlich immer so einsortiert, wie sie zeitlich reinkamen. Das machen viele Archive landauf landab so, auchWaldbreitbach. Bisher zumindest, denn den beiden schwebt eine Systematik vor, bei der die Frage, welche Relevanz die Schriftstücke, Bilder, Pläne und vieles andere mehr für die Geschichte der Ge- meinschaft haben, ausschlaggebend ist, wie die Sachen aufbewahrt und für dieNachwelt erhal- ten werden. Schließlich ist das Archiv nicht mehr und nicht weniger als das Gedächtnis der Ordensgemeinschaft. Ausgebildete Archivarinnen sind beide nicht. Wobei Schwester Veronika zumindest von Oktober 2019 an von Ulrike Klaes eingear- beitet wurde, bis diese im Frühjahr dieses Jahres in Rente ging. Zuvor hatte Schwester Veronika, die aus der Pflege kommt und hier jahrzehntelang auch gearbeitet hat, im Mut- ter-Rosa-Altenzentrum in Trier eine Schwes- terngruppe geleitet. Gabriele Simon hatte, bis sie in Rente ging, 28 Jahre lang als Sekretärin für die Ordensleitung gearbeitet, war die rechte Hand der Generaloberin und hat sich sehr gefreut, als Schwester Edith-Maria Ma- gar sie Anfang des Jahres anrief und fragte, ob sie Schwester Veronika unterstützen wol- le. Das tut sie jetzt einen Tag pro Woche (in der Regel mittwochs). War sie Zeit ihres Be- rufslebens in das aktuelle Tagesgeschehen eingebunden, „so erfahre ich jetzt, wie sich die Gemeinschaft seit ihrer Gründung entwi- ckelt hat“, sagt sie. Bis vor etwa 30 Jahren führte das Ordensar- chiv eher ein Schattendasein. Schwester M. Theresia Leberger, die über eine entspre- chende Ausbildung verfügte, erweckte es dann aus dem Dornröschenschlaf. Seit mehr
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