HORIZONT

4 Die Waldbreitbacher Franziskanerinnen in Brasilien halten sich streng an die Hygieneregeln, um ihre hochbetagten Mitschwestern zu schützen „Es sind vor allem die Armen, die durch die Corona-Pandemie abgehängt werden“ Waldbreitbach/Bacabal (as). „Die Corona- Pandemie hat große Auswirkungen auf unser Leben“, berichtet Schwester Gabriele-Maria Schmidt Mitte November bei ihrem Besuch in Waldbreitbach. „In unseren Konventen in Bacabal und Sao Luis haben wir im Frühjahr umgehend sämtliche Schutzmaßnahmen umgesetzt, um vor allem auch unsere älteren Mitschwestern zu schützen.“ Deshalb gehen zum Beispiel die 98-jährige Schwester M. Siarda Reinsma und die 81-jährige Schwester M. Bernadette de Andrade seit Monaten nicht mehr unter Menschen, so Schwester Gabri- ele-Maria, die Mitglied des Generalrates ist und seit rund 40 Jahren in Brasilien lebt. Zum Glück hätten die Franziskanerinnen einen großen Garten, so dass sich die älteren Schwestern in sicherer Umgebung an der fri- schen Luft aufhalten könnten. Wenn Einkäufe erledigt werden müssen, „dann gehen wir Jüngeren immer ganz früh morgens, um im Supermarkt möglichst wenigenMenschen zu begegnen und so das Infektionsrisiko zu sen- ken“, sagt sie. „Wir passen alle auf, denn wir wollen das Virus nicht in unsere Gemein- schaft tragen“. Seit Beginn der Pandemie nähen die Franzis- kanerinnen Atemschutz-Masken für die arme Bevölkerung. Vor allem auch Schwester Ber- nadette und die beiden Postulantinnen hätten sich dafür an die Nähmaschine gesetzt. Das erfuhr ein lokaler Fernsehsender und drehte einen Beitrag über die Ordensfrauen. Schwes- ter Bernadette stand den Journalisten für ein Interview zur Verfügung. Sie sehe das Nähen der Masken als ihre Missionsaufgabe in einer Zeit, in der sie die Familien nicht mehr zu Haus besuchen könne, sagte sie. Zusätzlich wurde in dem Fernsehbeitrag über die schwierige Situation des Kinderprojektes Madre Rosa berichtet, das die Schwestern vor mehr als 20 Jahren ins Leben riefen. Sie betreuen in dem Projekt in Bacabal und Sao Luis rund 425 Kinder und Jugendliche aus ärmsten Verhältnissen und bieten ihnen Betreuung bei den Hausaufgaben, sinnvolle Freizeitgestaltung und Bildung und damit eine Alternative zu Kriminalität, Drogenab- hängigkeit und einem Leben auf der Straße. Seit Monaten ist das Projekt Madre Rosa wie auch die Schulen wegen der Pandemie geschlossen. Einige Schulen bieten Online- Unterricht an, an dem aber die Kinder aus dem Projekt meist nicht teilnehmen können. Denn in den wenigsten Familien gibt es einen Laptop oder ein Tablet und oftmals steht auch kein Internetzugang zur Verfügung. „Es sind vor allem die Armen, die durch die Corona- Pandemie abgehängt werden“, ist Schwester Gabriele-Marias Erfahrung. Zudem können sich die Kinder und ihre Eltern kaum vor einer Infektion schützen, denn sie leben auf engstem Raum in kleinen Häusern. „Darüber hinaus wissen wir, dass zahlreiche von ihnen Hunger leiden“, sagt sie. Viele Eltern sind Tagelöhner und haben der- zeit keine Möglichkeit, Geld zu verdienen. Vom Staat erhalten sie eine geringe Unterstüt- zung, die zum Leben jedoch nicht ausreicht. Schwester Gabriele-Maria Schmidt lebt seit rund 40 Jahren in Brasilien. Foto: red

RkJQdWJsaXNoZXIy MzUyNzc=