Horizont 2015-01 - page 4

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„um jungen Menschen eine kleine Auszeit
von den täglichen Herausforderungen anzu-
bieten“, wie es Schwester Jutta Maria Musker
von der Ordensleitung der Waldbreitbacher
Franziskanerinnen formulierte. Zusammen
mit Bruder Matthias Equit von den Hause-
ner Brüdern und anderen Mitschwestern
hatte sie das Wochenende organisiert. Sie-
ben Frauen waren drei Tage zu Gast bei den
Ordensschwestern auf dem Waldbreitba-
cher Klosterberg, zwei junge Männer lebten
bei den Brüdern auf der anderen Seite der
Wied. Das ist der kleine Fluss, der zwischen
den Mutterhäusern der beiden Gemein-
schaften liegt, die zur gleichen Zeit gegrün-
det wurden und eine ähnliche Spiritualität
leben. Und die es beide als ihre Aufgaben
ansehen, auch für junge Menschen da zu
sein, ihnen Unterstützung anzubieten und
Ordensleben für sie erlebbar zu machen.
Eine Teilnehmerin aus Essen hat bereits öf-
ter in Waldbreitbach Exerzitien gemacht
und wollte das Ordensleben noch einmal
von einer anderen Seite erfahren. Eine ande-
re kam aus Spabrücken und ist Mutter von
zwei Kleinkindern. Sie suchte etwas Abstand
und Zeit für sich selbst. Wieder eine andere
studiert Theologie in Fulda. Sie hat bereits
andere Ordensgemeinschaften kennenge-
lernt und wollte sich nun auch einmal auf
die franziskanische Lebensweise einlassen.
Sie lebten gemeinsam mit den Ordensleuten
in verschiedenen Konventen. Hier war vor
allem in den Abendstunden Zeit, sich mit
den Schwestern und Brüdern individuell zu
unterhalten und auch die ein oder andere
persönliche Frage zu stellen.
Das Wochenende stand ganz im Zeichen
des Heiligen Franziskus, dessen Gedenktag
am 4. Oktober die Klostergäste gemeinsam
mit den Schwestern und Brüdern verbrach-
ten. So feierten sie gemeinsam den Transi-
tus, das traditionelle franziskanische Fest,
das an den Übergang des Heiligen vom Tod
zum ewigen Leben erinnert, und den Fest-
tag selbst mit einemGottesdienst und weite-
ren Gebetseinheiten im kleineren Kreis.
Auch eine Pilgerwanderung stand auf dem
Programm. Hier hatten die Gäste Gelegen-
heit den beiden Gründerpersönlichkeiten –
der seligen Mutter M. Rosa Flesch und Bru-
der Jakobus Wirth – nachzuspüren.
Jede und jeder brachte ihre und seine eigene
Geschichte in die Zeit im Kloster mit ein.
Manche hatten Schicksalsschläge erfahren,
andere zweifelten an ihrem bisherigen Le-
bensentwurf oder waren auf der Suche nach
ihrer eigenen Spiritualität. Hier entwickel-
ten sich zum Teil intensive Gespräche. Im-
mer wieder gab es aber auch Zeiten, die die
Teilnehmer ganz frei gestalten konnten. Für
die meisten waren diese Stunden ganz be-
sonders wertvoll. Denn hier hatten sie die
Möglichkeit, still zu werden und in sich
selbst hineinzuhören – ob in der Klosterkir-
che, im eigenen Zimmer oder in der idylli-
schen Natur rund um das Wiedbachtal.
Endlich einmal bewusst im Jetzt leben und
nicht immer schon das Kommende im Kopf
haben – das sei ihr an diesem Wochenende
im Kloster besonders gut gelungen, so eine
Teilnehmerin. „Man hat Zeit, über das wirk-
lich Wichtige nachzudenken“, fasste es ein
anderer Teilnehmer in Worte. Alle nehmen
am Ende des Wochenendes viele Erfahrun-
gen mit auf den Nachhauseweg. Und die
meisten sind sich heute schon sicher: Sie
wollen bald noch einmal wieder kommen.
Bei einer Pilgerwanderung hatten die Gäste Gelegenheit, den Gründerpersönlichkeiten der Gemeinschaften –
der seligen Mutter M. Rosa Flesch und Bruder Jakobus Wirth – nachzuspüren. Foto: fs
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