Horizont 2015-01 - page 5

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Waldbreitbach (fs).
Bis vor einigen Wo-
chen sah man immer das freundliche Ge-
sicht einer Ordensschwester hinter dem
kleinen Fenster links neben der Kloster-
pforte. Gäste, Touristen oder Wanderer, die
die Franziskanerinnen auf dem Kloster-
berg besuchten, wurden von ihr begrüßt.
Seit dem letzten Herbst nun ist das anders.
„Umbauarbeiten! Kein Zugang zum Mut-
terhaus“, steht auf einem Schild vor der Tür.
Doch gleich daneben steht ein weiteres
Schild: „Klosterkirche geöffnet“ – und hier
finden Besucher auch während des Um-
baus immer eine Ordensschwester.
Die Bauarbeiten am Mutterhaus der Wald-
breitbacher Franziskanerinnen sind nötig,
damit das Gebäude, das 1887 errichtet
wurde, den Vorgaben für den Brandschutz
entspricht. Zudem will man für die meist
älteren Schwestern, die im Mutterhaus le-
ben, Zimmer und Bäder barrierefrei gestal-
ten. Während der ersten Bauphase muss
auch die Klosterpforte geschlossen bleiben.
„Die Leute sollen aber nicht vor einer ver-
schlossenen Tür stehen“, betont Schwester
M. Edeltrud Schirra. Und darum ist nun
statt der Pforte die Kirche der erste Anlauf-
punkt für Besucher. Jede Stunde über-
nimmt eine andere Schwester den Dienst in
der Kirche, die täglich von 9 bis 12 Uhr und
13 bis 17 Uhr offen ist.
„Wir sprechen die Menschen, die in die
Kirche kommen, an, um ins Gespräch zu
kommen“, so Schwester M. Cilinia Engels.
Die meisten Besucher freuen sich darüber
und sind sehr interessiert: „Sie glauben gar
nicht, was die Leute uns alles fragen, die
fragen sich quer durch die Welt“, lacht
Schwester M. Theresa Porten. Einige wol-
len mehr über die Gemeinschaft wissen,
wie viele Ordensschwestern es gibt und was
sie tun. Andere „wollen die ganze Kirche
erklärt haben“, oder erkundigen sich nach
konkreten Details, zum Beispiel was die
Abkürzung BMVA auf der Tafel über dem
Sarkophag von Mutter Rosa bedeutet.
„Besonders an den Wochenenden kommen
viele Menschen hierher“, weiß Schwester
M. Cilinia. Unter der Woche sei es etwas
ruhiger. Dann nutzen die Schwestern die
Zeit um zu beten, insbesondere auch für
die Anliegen der Menschen, die etwas in
das Fürbitten-Buch geschrieben haben, das
in der Kirche ausliegt. In diesen ruhigen
Stunden ergibt es sich manchmal, dass sie
mit einzelnen Besuchern etwas intensiver
ins Gespräch kommen: „Eine Frau hat mir
fast ihre ganze Lebensgeschichte erzählt“,
erinnert sich Schwester M. Theresa. Zahl-
reiche Schicksalsschläge hatte sie erlebt.
„Ich konnte ihr nicht viel helfen, aber ich
konnte ihr zuhören und am Ende sagte ich:
‚Ich bete für Sie’“. Dafür war die Besucherin
sehr dankbar, denn mehr brauchte es gar
nicht, damit es ihr besser ging.
„Einer Klosterkirche steht es gut an, wenn
man darin auch eine Schwester findet“, ist
Schwester M. Edeltrud überzeugt. Schwes-
ter M. Theresa sieht das auch so und will
sich gemeinsam mit ihren Mitschwestern
dafür einsetzen, das Angebot auch nach
dem Umbau weiter aufrecht zu erhalten:
„Vielleicht halten wir ja durch, denn das ist
wirklich etwas sehr Gutes“.
Geschlossene Pforte – offene Kirche
Trotz Umbau sind die Waldbreitbacher Franziskanerinnen für Besucher immer ansprechbar
SchwesterM. CiliniaEngels (rechts) löst SchwesterM. Edeltrud inderKlosterkirche ab. Jede Stunde übernimmt hier
täglich zwischen 9 bis 12Uhr und 13 bis 17Uhr eine andere Schwester denDienst. Foto: fs
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