Skulptur der seligen Mutter Rosa im Trierer Dom - Gedanken von Schwester Edith-Maria Magar
Mutter M. Rosa Flesch – Margaretha Flesch
Geboren am 24.2.1826 in Schönstatt / Vallendar
Gründung der Gemeinschaft am 13. März 1863
Mit 52 Jahren aus der Leitung ausgeschaltet, an den Rand gedrängt, gemobbt
28 Jahre leidvoller Isolation - in inniger Verbundenheit mit Gott und der Gemeinschaft
Gestorben am 25. März 1906 im Mutterhaus
Ungewöhnlich die Darstellung einer Ordensfrau.
Ungewöhnlich auch ihr Werden und Wachsen, geboren in ärmsten Verhältnissen, mittellos, doch reich an Vertrauen, Treue und Durchhaltevermögen. Eine Frau in der Kraft ihrer Jahre, im Kleid der Armut, würdevoll, gesammelt nach innen, zur Herzmitte, wo sie von Gott her die Gemeinschaft empfängt, ihr lebenslanges Herzensanliegen.
Margaretha, die spätere Mutter Rosa, steht fest auf beiden Beinen, barfüssig auf blankem Boden; aufrecht und gerade, eine Frau mit Rückgrat. Im Kleid aus Wellpappe:
Sie hat Christus angezogen wie Franziskus; diesen Christus, von dem der Philipper-Hymnus singt, dass er nicht daran festhielt, wie Gott zu sein, sondern der alles Göttliche drangab, sich total entäußerte und den Menschen gleich wurde – den kleinsten und schwächsten Menschen gleich, denen gleich, die nichts haben und nichts sind – um ihnen alles zu schenken. So trägt Margaretha das Kleid der Ärmsten der Armen. Sie ist solidarisch – mit dem Herrn und mit denen, die er liebt.
Sie hält ein kleines Klostergebäude in ihren Händen, behutsam, ja liebevoll, auf Herzhöhe. Das kleine Haus symbolisiert ihre Gemeinschaft. Sie hält es sehr vorsichtig, denn sie weiß, das ist Gabe und Aufgabe, Geschenk und Auftrag des Herrn an sie. Geschenk, das sehr kostbar, aber auch sehr zerbrechlich ist. Der Riss, der durch das Gebäude geht, der Bruch, ist unübersehbar. Sie trägt es wie ein geliebtes Kind, um das sie sich sorgt und mit dem sie leidet.
Intensiv und konzentriert gibt es im Moment nichts Wichtigeres für Margaretha zu tun, als zu tragen. Sie trägt die Gemeinschaft an ihrem Herzen. Ihr Gesichtsausdruck verrät, dass sie betet, sehr innerlich betet. Herzensgebet. Ganz bei Gott. Hingabe und Erwartung. Sie hält „ihr“ Kloster Gott hin, weil sie weiß: alles was zusammenhalten, heilen und fügen kann, kommt allein von IHM. Alles ist SEIN Werk: die Gemeinschaft, das Kloster, sie selbst. Deshalb erwartet sie sich alles von IHM. Deshalb ist sie ganz auf „Empfang“ eingestellt.
Für Mutter Rosa stehen immer die Gemeinschaft und ihre Sendung zum Dienst an den Armen und Schwachen im Vordergrund. Ganz gleich, was weiterhin geschehen wird, wie der Weg durch Intrigen und Verleumdungen gezeichnet ist, wie sie totgeschwiegen und an den Rand gedrängt wird, sie bleibt treu! – Sie steht fest in der Nachfolge Jesu, leidend und liebend im Willen Gottes. Das JA zum Willen Gottes wird sie immer wieder neu buchstabieren müssen.
Besonders dann, wenn die Wellen der Macht aus den eigenen Reihen ihr den Atem nehmen wollen. Auch dann hält sie fest an ihrer Berufung, schaut sie auf den, der sie berufen hat. So geht ihr Blick nach innen, schaut ihr Auge den, der in ihr wohnt, der ihr Licht in der Finsternis ist. Ihm vertraut sie, auch in den Nächten ihres Lebens. So wird ihr Werk fruchtbar für andere - für Kranke und Alte, Kinder und Arme, für viele.
Mutter Rosa ist Gründerin,
tragender Grund der Gemeinschaft bis heute.
Sie hält inne,
sie hält aus,
sie hält hin,
sie hält durch.
Sie trägt, was ihr zu tragen aufgegeben ist.
Sie ist uns Lehrerin.
Sr. Edith-Maria Magar