Predigt von Richard Baus zum 13. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

Mt 10,37-42

  
Liebe Schwestern und Brüder,

wieder einmal kein einfaches Evangelium, das dieser Sonntag uns heute vorlegt.
Eine Ansammlung von Gedanken zum Thema „Christsein“, könnte man vielleicht sagen.

Einige Bibelwissenschaftler sagen, dass dieser Abschnitt aus dem Matthäus-Evangelium so etwas wie eine „Gewissenserforschung“ ist. Die Frage nach der Qualität des Christseins dieser Gemeinde aus dem 1. christlichen Jahrhunderts, für die das Evangelium geschrieben wurde.

Vielleicht müssen wir uns eine Gemeinde vorstellen, in der der Glaube nach anfänglicher Begeisterung so langsam zu einer „harmlosen Befriedigung religiöser Gefühle“ verkommen ist. Man hält als Christen Kontakt untereinander. Man besucht sonntags auch Gottesdienste.
Aber das ist es dann auch schon. Im übrigen Alltag lebt man so wie die anderen auch.

Sie kennen sicher die Geschichte. Da fragt einer einen Österreicher, ob er katholisch sei. Und der antwortet: Jo schooh. Ober net so oarg!
Nicht zu „arg“, also: nicht so viel.
Nicht so viel, denn es gibt im Leben ja auch noch anderes als die Kirche, es gibt ja auch noch anderes als den Glauben:
Die Familie, den Beruf, die Karriere. Und die Freizeit.
Und da muss man halt schauen, was „das Wichtigere“ ist.

  
Liebe Schwestern und Brüder,

vielleicht spüren Sie: Was ich da sage, das kennen wir auch. Das klingt alles irgendwie sehr „modern“:
Christ-sein ja, aber nicht um jeden Preis. Es darf nicht zu viel „kosten“ und zweimal nicht weh tun – denn, wie gesagt:  es gibt ja noch anderes im Leben.
Und genau so war das wohl damals auch, als dieses Evangelium aufgeschrieben wurde.

Eine Situation, in der der Evangelist dann schon die Frage stellen muss:
Wen liebst du denn? Deinen Vater und Deine Mutter, deine Familie -- oder auch mich, Jesus?
Haben in deinem alltäglichen Leben nur die Familie und dein Beruf die letzte Entscheidungspriorität – oder darf der Herr da auch noch vorkommen?

    
Liebe Schwestern und Brüder,

ich denke, hier müssen wir jetzt noch mal genau hinschauen, was da wirklich steht:
Da steht nicht: Du musst den Herrn mehr lieben als die Familie, sondern dort steht, dass wir den Herrn nicht weniger lieben sollen als Vater und Mutter, nicht weniger Tochter und Sohn --- sondern genauso.

Eigentlich spannend:  Der Herr macht sich nicht wichtiger als die Familie. Er spielt die Familie gar nicht gegen sich aus, ---- aber er will doch genau so wichtig genommen werden wie die Familie.
Bei allem notwendigen Sorgen und Planen, da will er nicht aus dem Blick geraten –
sondern er möchte bei unserem Leben dabei sei, er will in unserem Leben vorkommen – Ja, er möchte das Maß sein, nach denen wir unser Leben gestalten sollen. Und dann kann es immer nur ein Leben mit ganz viel Liebe sein. Ganz viel Liebe für Gott – aber genauso auch für die Menschen.

Und dann steht da aber auch das Wort vom Kreuz tragen. Ein Wort, das ja nicht unbedingt „chic“ ist.
Ein Leben ohne Kreuz ist uns sicher lieber.

Aber auch da müssen wir noch mal genau lesen: Da steht nicht, dass wir uns aufmachen sollen, um uns jetzt ein Kreuz nach dem anderen zu suchen, nur damit das Leben nicht zu einfach wird.
Das klingt bei uns ja immer gerne mit, wenn wir Jesu Wort vom Kreuz hören --- weil die Kirche uns das gerne so verkündet hat. Nur Kreuz ist gut. Nur wenn es weh tut, ist Gott zufrieden mit uns. 
Aber das steht auch nicht da.
Da steht auch nicht, dass wir das Kreuz Jesu tragen sollen, sondern unser Kreuz.

Und Jesus meint damit ganz sicher kein Kreuz, das man sich aussucht, damit man ein bisschen “Leistung“ vorweisen kann, auf die man dann am Ende stolz sein kann – und  meint, Gott müsse das doch irgendwie belohnen.

Nein, Jesus spricht von dem Kreuz, das dann da ist, wenn man nicht wegläuft, wenn es ernst wird:
wenn jemand was von uns haben will,  wenn jemand uns einfordert, weil er alleine nicht zurecht kommt – sondern wenn wir versuchen, unser Leben dann tatsächlich als Christen zu gestalten:
Wenn wir nicht nur für uns selbst leben, sondern auch für andere.
Wenn wir nicht nur an uns selbst denken, sondern auch das Wohl der anderen mit im Blick haben – einfach weil die doch auch zu Christus gehören.

Wenn wir also nicht alles für uns selbst behalten wollen, sondern auch teilen können
--- und wenn es nur dieser Schluck Wasser ist, den wir jemandem geben, weil er „klein“ ist, das heißt: weil er Hilfe braucht.
Und in damaliger Zeit und in einem heißen Land wie Israel mit so viel Wüste, da ist ein Schluck Wasser etwas sehr Kostbares – und Lebenswichtiges.

    
Liebe Schwestern und Brüder,

der Herr spricht von dem Kreuz, das dann da sein kann, wenn man von uns erwartet, ein Leben mit anderen und für andere zu leben – und wenn wir uns dann nicht aus dem Staub machen, weil das bequemer wäre, sondern wenn wir uns dem stellen – um Christi und der Menschen Willen

Denn christlich leben, so will es der Evangelist sagen, ist ein Leben mit Christus und für die Menschen
und das mit allen Konsequenzen – auch mit der Konsequenz des Kreuzes ---- dann, wenn da was kommt, was weh tut und uns was kostet – was wir aber dann trotzdem auf uns nehmen  weil wir Christen sind – und weil wir deshalb eigentlich gar nicht anders können….

Das klingt zwar sehr hart. Aber ich denke, es ist auch eine Einladung.
Es ist die Einladung zu einem „anderen Leben“, zu einem „alternativen Leben“, 
zu einem Leben, in dem sich bei uns eben nicht alles nur um uns selber dreht, sondern auch um Gott --
und weil es sich auch um Gott dreht, dreht es sich auch und besonders um die Mitmenschen, - denn seit Weihnachten in Betlehem kann man Gott nicht mehr vom Menschen trennen.

Und deshalb ist ein solches Leben so sinnvoll und so wertvoll in den Augen Gottes:
Weil bei Gott das zählt, was aus Liebe geschieht.
Und weil bei ihm nichts von dem verloren geht, was ein Mensch für einen anderen tut - 
um Gottes Willen
und aus Liebe zu einem Menschen.

 

   
Amen
 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch

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