Predigt von Richard Baus zu Fronleichnam, Lesejahr A

 
Liebe Schwestern und Brüder,

„Geschähe der Traube in der Kelter nichts, es würde kein Wein aus ihr“, so hat der Hl. Augustinus einmal gesagt.
Und wir könnten fortfahren: „Geschähe dem Weizenkorn zwischen den Mühlsteinen nichts, es würde kein Brot aus ihm“.

Denn nur so: Zerpresst und zermahlen werden Traube und Weizenkorn zu etwas anderem, zu etwas Neuem - zu Wein und Brot;  
nur indem sie sich nicht schonen, nur indem sie bereit sind, sich selbst aufzugeben, sich aufbrechen und verwandeln zu lassen, werden sie zu den Gaben, die uns Menschen guttun und die wir brauchen: 

Zum Brot für das Leben – und zum Wein für die Freude.

Und so ist es sicher nicht ungefähr, dass Jesus gerade diese beiden Gaben nimmt, die durch die Kelter und die Mühlsteine hindurchgegangen sind, um uns darin die Eucharistie zu schenken – das Andenken an sein Leiden und Sterben, das Andenken an seine eigene Hingabe.

Denn auch für ihn gilt:
Wäre ihm am Kreuz nichts geschehen - er hätte uns nicht das Leben erworben. 
Hätte er sich nicht zerreiben und zerschlagen lassen ---- dann wäre er für uns nicht zum Retter und Heiland geworden.

Aber indem er sich nicht geschont hat, nicht sorgsam auf sich und sein eigenes Wohl bedacht war, sondern indem er sich hingegeben hat, ist ER für uns Brot und Wein geworden, von dem wir das Leben haben.

Geheimnis des Glaubens: Im Tod ist das Leben.

Ein Tod, der für uns zum Leben wurde – weil er um unseretwillen geschehen ist. 

Zu unserem Heil ist er vom Himmel herabgekommen, so bekennen wir.
Um unseretwillen hat er sein Gott-Sein drangegeben und ist Mensch geworden --- und um unseretwillen hat er sich in den Tod gegeben, damit wir leben...... damit wir leben als Erlöste - und sein Sterben für uns Frucht bringt.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

dieses „für uns“ ist so wichtig. 
Leben und sterben nicht für sich selbst, sondern für andere.

Denn dieses „für uns“, dieses „für andere“, das macht alles so kostbar und heilig.

Man kann auch sterben für sich allein --- verbissen, verbittert und im Streit mit Gott und allen Menschen.
Man kann sein Leben auch festhalten und sich darin verkrampfen, es festhalten ganz für sich alleine bis zum Schluss, so dass kein anderer auch nur irgendetwas davon hat. Ein u.U. sehr einsames Leben und Sterben ist das – und vielleicht am Ende sogar ganz ohne Sinn, weil man keinem Menschen damit geholfen hat; weil man keinem Menschen damit gedient hat; weil es keine einzige Frucht gebracht hat…..

Dieses Sterben für andere, das kann aber sicher nur jemand, der gelernt hat, auch für andere zu leben.... sein Leben zu teilen – so wie es der Herr getan hat;
nicht alles nur für sich zu haben und zu behalten, 
nicht immer nur darauf bedacht zu sein, dass nichts an mich dran kommt und mir nichts verloren geht,
sondern es zu teilen, andere teil-haben zu lassen ...... damit wir so selbst wie Brot und Wein sind, Brot und Wein für andere. Brot und Wein, von dem ein anderer leben kann.

   
Liebe Schwestern und Brüder,

wenn wir heute miteinander Fronleichnam feiern, das Hochfest des Leibes und Blutes unseres Herrn Jesus Christus, dann feiern wir seine Hingabe an uns; dann feiern wir, dass wir leben können, weil ER sich uns geschenkt hat. Weil er nichts für sich behalten hat, sondern alles hergegeben hat. Wir feiern, dass  sein Leben und sein Sterben um unseretwillen war.
Damit wir das Leben haben – und es in Fülle haben – jetzt hier und auch in der Ewigkeit.

Ein Fest, dass uns deshalb mit tiefer Freude und Dankbarkeit erfüllen will.
Aber es ist ein Fest, dass sicher nicht will, dass wir bei dieser Dankbarkeit und Freude stehen bleiben, sondern dass uns auch einlädt zur Nachfolge –

Aber nicht nur zur Nachfolge, indem wir hinter dem Himmel in der Prozession herlaufen, sondern zu mehr, zu wichtigerem: Zur Nachfolge des Herrn durch unser Leben.
Dass wir lernen, so zu leben, dass unser Leben immer auch ein Leben für andere ist:

Ein Leben also, das sich nicht immer nur schont, sondern das auch teilt,
ein Leben, das nicht aus Angst davor hat, gebraucht oder auch mal auf-gebraucht zu werden, immer nur auf Sparflamme fährt, sondern dass sich hingibt – das so gelebt wird, dass andere etwas davon haben.

Ein Leben, dessen einziger Sinn nicht das ICH ist, sondern auch das DU - 
Ein Leben für andere - so wie eine selige Mutter Rosa und der ehrwürdige Stifter Jakobus Wirth den Herrn im Sakrament verstanden haben –
und wie sie deshalb auch ihr Leben so gelebt haben:

…...bereit, sich aufbrechen und verzehren zu lassen. Bereit, alles wegzugeben, sogar sich selbst.

Wie gesagt: So zu leben, dass auch andere etwas davon haben. 

Eben so ganz anders leben wie es das kleine Weizenkorn getan hat, von dem die folgende Geschichte erzählt:
Ein Weizenkorn lag mit vielen anderen Weizenkörnern auf einem Speicher. Immer wenn der Müller kam, um Korn zum Mahlen zu holen, versteckte es sich, damit es nicht in die Mühle musste und nicht zermahlen wurde.
Schließlich war der Kornspeicher leer. Alle Körner waren zermahlen und zu Mehl und Brot geworden.
Nur das eine Korn lag noch in einer Ecke,
denn es hatte gut auf sich aufgepasst, damit nichts an es drankam;
und es hatte sich sehr in Acht genommen, damit ihm nichts passierte – und so war es immer noch da.

Aber dann kam der Bursche des Müllers mit dem Besen und kehrte den Speicher aus – 
und das Korn wurde hinausgekehrt – zusammen mit dem Dreck
und es wurde ganz einfach weggeworfen.

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch

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