Predigt von Richard Baus zum 11. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

Mt 9,36–10,8

 
Liebe Schwestern und Brüder,

„Die Wahl der Zwölf“, so steht in der alten Einheitsübersetzung über diesem Evangelienabschnitt.
Jesus sucht sich unter den Jüngern, die ihm nachfolgen, jene Zwölf aus, deren Namen wir gerade gehört haben, um sie zu diesen Menschen zu schicken, mit denen er da Mitleid hat, weil sie müde und erschöpft sind – wie Schafe, die keinen Hirten haben.

Die Zwölf Apostel.

Ich frage mich manchmal, ob diese Zwölf heute überhaupt eine Chance hätten, diesen Auftrag übernehmen zu können.

Denn unsere Gesellschaft hat ja ein großes Interesse dran, die Fehler und die Schwächen von Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, aufzudecken – und sie dann über die Klinge springen zu lassen. Das, was einer falsch gemacht hat, ist für viele halt viel interessanter als das, was einer gut kann und wofür er ein Charisma hat.

Eine Fehlentscheidung, ein Fehltritt – und schon verliert man unter Umständen ganz schnell seinen Job oder man muss von einem Amt zurücktreten.
Und unter diesen Zwölf hat ja wirklich nicht jeder eine weiße Weste. Wir könnten da ja Namen nennen……

Nun, Jesus wird das auch wissen. Und trotzdem wählt er sie aus.

Auf der einen Seite vielleicht, weil keine anderen da sind. Es gibt halt nur Menschen mit Fehlern und Schwächen. Es gibt halt nur Menschen, die auch schon mal an ihre Grenzen kommen.

Auf der anderen Seite kann er sie aber auch ruhig berufen, denn sie sollen ja nicht sich selbst verkünden, sondern das Reich Gottes. Sie sollen nicht so tun, als wären sie die „Herren“, sondern sie sollen vom eigentlichen Herrn erzählen, vom Sohn Gottes, vom Retter und Heiland – und sie sollen ihn in die Welt hineintragen.

Und damit sie das können, dazu gibt der Herr ihnen die Kraft. Er gibt ihnen von seiner Macht:
Er gibt ihnen die Vollmacht unreine Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen.

Und das heißt wohl: Wer jetzt einem dieser Apostel begegnet, der begegnet nicht nur einem Thomas, einem Petrus oder einem Judas mit seiner eigenen Geschichte und mit seinen Schwächen und Fehlern, sondern der begegnet vor allem dem, der ihn gesandt hat.
Wer einem dieser Apostel begegnet, der begegnet dem Herrn selbst. Denn nicht der Apostel heilt, nicht der Apostel aus sich wirkt diese Wunder, sondern der, der ihm die Vollmacht dazu gegeben hat. Der, der ihn gesandt hat:  Jesus.

Und deshalb gibt Jesus ihnen auch noch einmal eine genaue „Stellenbeschreibung“ mit auf den Weg – damit sie eben nicht ihre eigenen Vorstellungen verwirklichen, sondern seinen Auftrag. Damit sie sich nicht verzetteln auf irgendwelchen Nebenschauplätzen, so interessant die auch sein mögen, sondern sie sollen das „Kerngeschäft“ von Kirche umsetzen: Die Liebe. Die Sorge um den Menschen.
“Geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israels“, sagt Jesus. Geht zu denen, die am Ende sind; zu denen, die nicht mehr weiterwissen; zu denen, die Hilfe brauchen, weil sie gescheitert sind – und verkündet denen die Frohe Botschaft, dass das Himmelreich nahe ist.
Und macht es nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten, damit man den Worten auch glauben kann:

Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein und treibt Dämonen aus.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

wenn das damals der Auftrag Jesu an seine Apostel war, dann wird das auch sicher noch der Auftrag des Herrn an seine Kirche von heute sein: Eine Froh-Botschaft zu verkünden – und keine Droh-Botschaft.

Menschen nicht mit irgendwelchen hohen Anforderungen so zu über-fordern, so dass sie darüber krank werden, sondern sie heil zu machen, gesund, so dass sie in dieser Kirche auch leben können. Alle.

Nicht dauernd festzulegen und genau zu überprüfen, was jemanden wovon ausschließt, sondern diese Aus-geschlossenen so zu behandeln und ihnen so zu begegnen dass dieser Aussatz beseitigt wird.

Und Dämonen auszutreiben. Die Dämonen, die so viel Freude daran haben, Macht über andere auszuüben, anstatt ihnen mit Liebe zu begegnen.
Und all die Aber-Geister, die bei allem, was ihnen als zu einfach, zu barmherzig und zu großzügig erscheint, mit ihrem „Ja-Aber“ kommen – und die damit so vieles verhindern, was so manchen in unserer Kirche wieder lebendig machen könnte, was ihn neu leben lassen könnte.

 
Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.
Ein spannendes Wort, das der Herr den Zwölfen da mit auf den Weg gibt: Ich denke, es ist eine Ermahnung. Die Ermahnung an die Apostel, sich immer vor Augen zu halten, dass sie sich dieses Amt nicht verdient haben, sondern dass der Herr es ihnen geschenkt hat.
Und dass sie jetzt von diesen verlorenen Schafen des Haues Israels, die so am Ende sind, nicht erwarten und nicht verlangen dürfen, dass die sich das Himmelreich jetzt mühsam verdienen und erarbeiten müssen, sondern dass sie, die Apostel, ihnen das Himmelreich jetzt schenken und offenhalten  --- umsonst, gratis.

Und das heißt: Aus Gnade und aus Liebe. Damit eben keiner zu den Aussätzigen gehört, sondern alle heimfinden können.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

der Herr sucht Arbeiter für die Ernte.
Er bittet seine Jünger, darum zu beten, dass der Herr der Ernte auch Arbeiter für seine Ernte aussendet. 
Und das tun wir ja auch. Aber es sind immer noch wenige, zu wenige.

Wie wäre es, wenn wir einfach mal davon ausgehen, dass die Namensliste von damals gar nicht mit Judas von Iskariot aufgehört hat, sondern dass sie weitergeht… bis ins Heute…

Und dass ja vielleicht schon längst auch unsere Namen in dieser Liste stehen - Ihrer, und Ihrer, und meiner....

Und vielleicht wäre der Personalmangel in unserer Kirche heute ja gar nicht sooo groß, wenn wir nicht immer drauf warten würden, das „die anderen“ was machen - oder „die da oben“ ---

-  sondern wenn wir selbst einfach mehr mitmachen würden - im Reich Gottes.
Wenn wir das tun würden, was uns möglich ist - weil Gott uns dazu schon längst seine Hilfe und Vollmacht gegeben hat.

Denn: Berufen dazu sind wir - seit unserer Geburt.
Mit Geist beschenkt auch - seit unserer Taufe und unserer Firmung.
Jetzt müssten wir nur versuchen, das Reich Gottes auch spürbar werden zu lassen...
mit der Barmherzigkeit und der Liebe, mit der Zärtlichkeit und der Freude, die der Herr uns zutraut - weil er sie uns doch, wie gesagt, schon längst anvertraut und geschenkt hat.

Wir retten sicher nicht die große Welt damit.
Aber vielleicht verändern wir unsere kleine Welt ein Stück:
unsere Familie, den Konvent, den Freundeskreis - oder ein kleines Stück in unserer Straße -
wenn dort, wo wir sind, ein Stück vom Himmelreich spürbar wird - durch unsere Geduld, unsere Freundlichkeit, unsere Vergebungsbereitschaft und unsere Liebe.

Wenn wir all das umsonst geben, was wir doch selbst auch umsonst empfangen haben.

 
Amen.

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch

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