Predigt von Richard Baus zum 19. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

Mt 14, 22-33

   
Liebe Schwestern und Brüder,

eine spannende Geschichte haben wir da gerade gehört:
Jesus geht über das Wasser. Vielleicht denken Sie jetzt: Was ist daran so spannend?
Schließlich ist er doch der Sohn Gottes. Warum sollte der das nicht können?!

Dass dann aber auch Petrus über das Wasser gehen kann, das ist dann schon wirklich bemerkenswert.
Aber lange geht das bei ihm jedoch nicht gut, so haben wir gehört. Ein paar Schritte wohl nur. Als er dann sieht, wie heftig der Sturm ist, da bekommt er Angst und geht unter.

   
Liebe Schwestern und Brüder,

ich denke, was da mit dem Sturm wie eine Randnotiz klingt, beschreibt aber eine ganz entscheidende Sache:
So lange Petrus Jesus im Blick hat, solange er sich auf ihn hin ausrichtet und auf ihn zugeht, da kann er tatsächlich über das Wasser gehen. Aber dann, als er seine Aufmerksamkeit auf das „Drumherum“ richtet, auf den Sturm, die Wellen, auf all das, was einem Angst machen kann, da geht er unter.

Ja, solange Petrus Jesus im Blick hat, solange er nur auf Jesus schaut, geht alles gut, und da wird sogar Unmögliches möglich.
Aber als er woanders hinschaut, da versinkt er in genau all dem, was ihm Angst macht.

Aber selbst das ist noch nicht das Ende. Denn als Petrus untergeht, da ist der Herr sofort da. Er holt ihn aus dem Wasser heraus und bringt ihn zurück ins Boot. 
Denn Petrus soll ja nicht untergehen, sondern er soll leben. 

  
Liebe Schwestern und Brüder,

die Bibelfachleute sagen, dass dieses Evangelium mit diesem Bild vom Boot im Sturm die Situation einer jungen Christengemeinde in der Frühzeit der Kirche beschreibt.
Der Wind bläst ihr hart ins Gesicht. Sie fühlt sich alleingelassen. Für die alten jüdischen Gemeinden sind sie Abtrünnige, die den rechten Weg verlassen haben. Da werden sie ausgegrenzt.
Und die Griechen nehmen diese Christen nicht ernst wegen ihrer Botschaft vom gekreuzigten Herrn. Wie kann einer, der am Kreuz gelandet ist, Gott sein?!
Zum Lachen.

Nein, leicht hat diese Gemeinde es nicht. Und ihr Herr ist anscheinend nicht mit ihnen im Boot. Der ist ja in den Himmel aufgefahren. Wie soll das also weitergehen – bei so viel Gegenwind, bei so viel Wogen?!

Da versucht Matthäus ihnen Mut zu machen.
Und er erzählt von einem Jesus, der den sinkenden Petrus nicht untergehen lässt, sondern der ihn herausreißt aus den Fluten, die über ihm zusammenschlagen wollen.
Und der dann mit Petrus ins Boot steigt.
   

Liebe Schwestern und Brüder,

Dieses Jesus-Bild, das der Evangelist da zeichnet, ist ein wunderschönes Gottes-Bild.
Sofort streckt Jesu die Hand aus und zieht ihn heraus. Sofort, so heißt es ausdrücklich in unserem Text.
Ein Gott also, der nicht zögert, wenn es darum geht, zu retten; ein Gott, der einen nicht hängen und nicht „zappeln“ lässt, sondern der eingreift und zupackt, damit niemand zugrunde gehen muss.

Ein Gott, der auch nicht beleidigt ist, wenn wir ihn mal aus dem Blick verlieren und der einen dann auch nicht gleich mit Untergang bestraft, sondern der genau dann da ist, um zu retten.

Ein Gott, bei dem wir Hilfe suchen dürfen und der immer wieder mit uns einsteigt ins Boot unseres Lebens, damit die Stürme, die uns Angst machen, sich legen – und wir im Meer unseres Alltages nicht untergehen.

Das ist die frohe Botschaft des Matthäus. Das ist sein Evangelium.
Geschrieben an eine Gemeinde, die etwas lernen soll. Lernen, diesen Jesus immer im Blick zu haben und sich nicht immer nur mit den Dingen drum herum beschäftigen, auch wenn sie einem gerade Angst machen.
Eine Gemeinde, die lernen soll, die Hand zu ergreifen, die Jesus ihr entgegenstreckt, dann wenn es schlimm wird und einen Platz für ihn freizuhalten in ihrem Boot, damit er auch wirklich bei ihr sein kann – mit im selben Boot.
Ja, sie soll lernen, zu vertrauen.

  
Liebe Schwestern und Brüder,

eine Erzählung, die uns sagen will: Eine Gemeinde muss nicht immer alles gleich können - sondern sie darf auch noch lernen. Aber sie muss auch lernen, damit Zukunft möglich wird.
Dazu lädt der Herr sie ein, selbst dann –oder gerade dann- wenn ihr mal wieder das Wasser bis zum Halse steht.

Und was für diese Gemeinde von damals gilt, das gilt wohl auch für die von heute.
Wie die Gemeinde von damals hieß, das weiß ich nicht.
Aber wie die von heute heißt, das weiß ich:
Es ist unsere Gemeinde, die Gemeinde und Gemeinschaft, in der wir leben, in der wir zweifeln und Angst haben -
und in der sichtbar werden soll, dass Gott da ist; dass ER Herr ist über die Stürme unseres Lebens -
und dass er immer unser Retter ist.
Darauf dürfen wir ganz fest vertrauen.

Amen

 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch

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