Predigt von Richard Baus zum 2. Sonntag nach Weihnachten, Lesejahr A

Joh 1,1-18

  
Liebe Schwestern und Brüder,

noch einmal haben wir das Evangelium vom Weihnachtstag gehört. Der Kernsatz dieses Eavngelium lautet: Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.

Beim näheren Beschäftigen mit diesem Satz bin ich drauf gestoßen, dass die genaue Übersetzung dieses Satzes aus dem Griechischen heißen muss:
Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gezeltet“.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

ein Gott, der unter uns sein Zelt aufschlägt?!?!
Ein Zelt. Sehr ungewöhnlich, oder?! Will und das vielleicht doch etwas Besonderes sagen?

Nun, vielleicht will dieses Wort vom Zelt sagen: Wer zeltet, liebt die Freiheit. Wer sein Zelt aufbaut, will sich nicht festsetzen – und der lässt sich auch nicht festsetzen – nicht in Häuser und auch nicht in Kirchen.
Wer zeltet, will beweglich bleiben; und wenn es ihm zu eng wird und zu kleinlich, dann wird er einpacken und ganz einfach weiterziehen.

Wer zeltet, der will keine Mauern und keinen festen Ort, sondern der sucht Kontakt – mit der Welt und mit den Menschen. 

Und wer zeltet, der lebt sicher auch bescheiden: Er verzichtet auf Komfort und Luxus, stellt keine hohen Ansprüche, bevorzugt das einfache Leben. Er schläft auf dem Boden und kocht am offenen Feuer – und er wird sich mit denen an einen Tisch setzen, die genau so denken und fühlen wie er.

Während man sich in festen Mauern abschotten kann von der Welt, wird man in einem Zelt mitbekommen, was drum herum los ist - man wird auch das Klagen der Menschen hören und ihre Nöte sehen - und sich getrieben fühlen, einzuschreiten und zu helfen.

Wer zeltet, der zeigt Risikobereitschaft: Er will Neuland betreten, neue Erfahrungen machen - und immer beweglich sein. Da muss nicht alles bleiben wie es ist und war, denn sonst würde er doch ein Haus bauen. Aber: Kein Haus, keinen Tempel

Nein, er schlägt ein Zelt auf.

Spannend, gleich am Anfang seines Evangelium spricht der Evangelist Johannes so von Jesus. Und wir dürfen sicher sein, wenn das schon so am Anfang steht, dann wird das auch sein ganzes Evangelium durchziehen.

Nicht nur wie ein roter Faden, sondern wie ein ganzer roter Teppich.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

ist das nicht ein sehr gewöhnungsbedürftiger Gedanke am Weihnachtsfest bei Johannes? Nicht Stall, sondern Zelt?
Keine Erzählung vom Kindlein in der Krippe, sondern vom erwachsenen Jesus-Mann.
Nichts vom Liebreiz einer heiligen Nacht, sondern vom Leben, das sehr hart und unmenschlich sein kann, wenn man es konsequent und ehrlich lebt. 

Ja, Johannes will keine Sentimentalität entfachen, sondern Glauben.
Einen wohltuenden und frohmachenden Glauben an diesen Jesus, in dem Gott selbst unter uns zeltet; mitten unter uns und ganz nahe bei uns.

Ein so ganz anderer Gott - als wir ihn so gewohnt sind.

In einem seiner Liedertexte schreibt Huub Oosterhuis: 
„Ein neuer Gott ist da, der unter uns will wohnen.“

Ein neuer Gott. Spannend.
Neu, das heißt wohl so ganz anders als wir ihn uns so vorstellen und denken.

Ein Gott eben nicht in festen Mauern, Palästen und auch nicht für die Ewigkeit zementiert in Dogmen und Geboten, sondern in einem Zelt, das heißt beweglich, dauernd bereit aufzubrechen, um dann dort zu sein, wo er nötig ist - mit seinem Heil, mit seiner Liebe.

Ein Gott dessen Ziel es nicht ist, dass wir jetzt alle werden wie er, sondern der zu allererst selbst einmal werden will wie wir, ein Mensch.

Ein Gott, dessen Heimat nicht länger der Himmel sein soll, sondern die Erde, unsere Erde; und der seinen Himmel auf unsere Erde bringt, um ihn hier wie ein Zelt aufzubauen.

Ein Gott, dessen Sorge es anscheinend überhaupt nicht ist, ob die Menschen am Ende auch fromm genug sind, ob sie alle Gebote halten und ehrfürchtig knien, sondern dessen einzige Sorge es ist, dass alle heil werden, dass WIR Anteil haben an SEINEM Heil - und gerettet werden.

Und damit keiner davon ausgeschlossen bleibt, weil wir Menschen das ja nun mal leider nicht aus uns selbst schaffen, weil wir immer wieder schwach werden, sündigen und versagen - deshalb müssen wir uns dieses Heil auch nicht erst verdienen und zweimal nicht erleiden, sondern er schenkt es uns; er bringt es uns – vom Himmel auf die Erde.

Und damit er uns erreicht, setzt er sich halt nicht irgendwo fest, sondern er ist immer auf dem Weg  - unterwegs hin zu den Menschen.

Und auf diesem Weg, so erzählt es uns Johannes in seinem Evangelium weiter, befreit er die Menschen von Krankheiten und Zwängen.

Er lässt sie aufatmen, er richtet die Gebeugten auf und kämpft an ihrer Seite gegen die Machthaber, die alles, was anders ist als sie, so gerne unterdrücken, verachten, ausgrenzen und am Leben hindern. 

Er befreit, selbst dann, wenn es ihm genau dafür selbst an den Kragen geht. Selbst dann bleibt er konsequent auf der Seite der Menschen und auf seinem Weg zu ihnen.

Und genau deshalb hängt schon über/neben der Krippe gleich das Kreuz. Das haben wir nicht vergessen an Weihnachten wegzuräumen, sondern es steht/hängt da, um uns zu sagen:

Fürchtet Euch nicht! Um euretwillen ist er Mensch geworden. Um euretwillen hat unter Euch sein Zelt aufgeschlagen.

Um Eures Heiles willen. Weil Gott das so will.

Und weil dieser menschenfreundlichen Gott das so will, ist er ihm gehorsam - gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.

Damit keiner verlorengeht, sondern alle das Leben haben.

 
Amen

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch

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