Predigt von Richard Baus zum 21. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

Mt 16,13-20

    
Liebe Schwestern und Brüder,

wenn Menschen sich eine gute Zeitlang kennen, wenn sie ihr Leben und ihre Zeit miteinander geteilt haben, dann kommt irgendwann der Punkt, an dem man wissen will:
Hat das Zukunft, was uns da miteinander verbindet? Sind wir einfach nur gute Bekannte, oder sind wir wirkliche Freunde, Partner?
Und dann kommt die Frage: Wer bin ich für dich? Was bedeute ich Dir?

Diesen Punkt gibt es wohl auch für Jesus, der dort mit seinen Jüngern unterwegs ist. Irgendwann will er wissen, ob diese Gemeinschaft tragfähig ist, ob er sich auf sie verlassen und auf sie bauen kann.
Und so fragt er: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“

Nun, für wen können sie ihn halten? Was wissen sie von diesem Jesus?
Sie wissen von ihm, dass er ein außergewöhnlicher Mensch ist, der aus sehr einfachen Verhältnissen stammt und gerne mit Außenseitern zu tun hat. Ja, sogar mit Sündern, mit Zöllnern und Dirnen setzt er sich an einen Tisch.

Wenn es sein muss und wenn er damit einem Menschen helfen kann, dann durchbricht er sogar gesellschaftliche und religiöse Tabus, ohne sich darum zu kümmern, was die „Frommen“ dazu sagen.

Sie erleben, dass er sich leidenschaftlich einsetzt für Arme und Kranke -- wo doch damals alle Welt davon überzeugt war, dass Krankheit und Armut eigentlich die Strafe Gottes für eine sündhaftes Verhalten ist.

Er nimmt – entgegen damaliger Gepflogenheit – Frauen in seine Gefolgschaft auf, segnet Kinder und lehnt politische Angebote ab;
Er lässt sogar Sünden nach – und er nutzt seine außergewöhnlichen Fähigkeiten nicht zu seinem eigenen Vorteil, sondern er setzt sie total für andere ein: Für Schwache, Kleine, Hilfebedürftige, für Gefallene und Aussätzige.
Und mit all dem stößt er den Gesetzeslehrern und Pharisäern vor den Kopf.

  
Liebe Schwestern und Brüder,

all das, was da von Jesus bekannt ist, das macht ihn für die Frommen und Gesetzestreuen seiner Zeit nicht zu einem Gottesmann, sondern viel mehr zu einem Problem -- weil er mit seinem Verhalten an den Normen ihres Denkens, ihrer Verkündigung und ihrer Frömmigkeit rüttelt.
Ja, für die Pharisäer und Gesetzeslehrer ist Jesus in der Tat ein Problem… und zwar ein Problem, das aus der Welt geschafft werden muss, damit ihre alte fromme Welt wieder in Ordnung ist.
Wer sich so mit Sündern abgibt wie dieser Jesus, der kann doch nur selbst ein Sünder sein.

Und zu einem solchen „Problem-Menschen“, zu einem solchen Freund der Sünder, sagt Simon:
Du bist für mich der Christus, der Gesalbte, der Messias.
So wie Du bist, so wie Du lebst und handelst, da kannst Du nur der Sohn des Lebendigen Gottes sein.

Welch unglaubliches Bekenntnis! „So einer“ ist für ihn der Christus! „So einer“ ist für ihn der Sohn Gottes!

Das ist so unglaublich, dass Jesus ihn für diese Bekenntnis seligpreist – und ihm bescheinigt:
Auf so was kommen Menschen nicht. Die denken nämlich was ganz anderes von mir.
Wenn Du so von mir denkst, dann kann dir das nur mein Vater im Himmel geoffenbart haben. Der, der mich gesandt hat und der will, dass ich so bin und so lebe wie ich es tue.

Und dann schenkt Jesus dem Simon einen neuen Namen: Und du bist für mich Petrus, der Fels. Ein Fels, der so stark ist, dass ich auf ihn bauen kann.

Ja, wer bereit ist, so anders von Jesus zu denken als die übrige Welt um ihn herum es tut, auf den kann er bauen, auf den kann er sogar seine Kirche bauen.

Was für eine schöne und innige Bibelstelle: Zwei Menschen sagen sich gegenseitig etwas zu und sie bauen aufeinander.

   
Liebe Schwestern und Brüder,

ja, Jesus baut seine Kirche auf diesen Petrus, weil der diesen besonderen Blick für den Messias hat.
Er baut auf ihn, weil Petrus ihn verstanden hat – ihn, seine Sendung und seinen Auftrag.
Dass Jesus nicht gekommen ist, um die Guten zu belohnen und die, die in ihrem Leben Glück hatten, noch glücklicher zu machen, sondern um die Schwachen, Hilflosen und die Sünder zu retten.
Nicht um die Menschen frömmer, sondern um die Frommen menschlicher zu machen, wie Prof. Zulehner er einmal formuliert hat.

Und Jesus geht wohl davon aus, dass die Kirche bei diesem Petrus gut aufgehoben ist und dass es mit der Kirche bei Petrus genau so weitergehen wird, wie sie bei ihm begonnen hat.
Dass sie weiter so handelt wie er gehandelt hat -- damit sie wirklich SEINE Kirche bleibt und nicht zur Kirche eines anderen wird.

Und dazu muss sie eine Kirche bleiben, die -wie ihr Herr- keine Angst davor hat, sich auch mit Sündern und Verachteten zu beschäftigen, sondern die sie heilt und ihnen ihre Sünden vergibt.
Eine Kirche, in der niemand unbedeutend ist, „nur“ weil er ein Kind ist, klein ist.
Eine Kirche, in der auch Frauen nicht von der engsten  Gefolgschaft Jesu ausgeschlossen sind, sondern fraglos genauso dazugehören wie die Männer.
Eine Kirche, die ihre Macht nicht nutzt, um über andere zu herrschen, sondern immer nur, um anderen damit zu dienen.

Und eine Kirche, der deutlich gesagt ist, dass sie nicht nur binden soll und kann, sondern dass sie auch lösen darf.
Das heißt: Wenn einer mal zugeschlossen hat, dann darf einer auch mal wieder aufschließen, wenn es dran ist.
Denn dazu sind Schlüssel ja nun mal da.

Damit Kirche so bleibt wie er sie gewollt hat, dazu baut der Herr sie auf einen Felsen, auf Petrus.

Und seitdem, liebe Schwestern und Brüder, ist das nun mal der Dienst des Petrus, dafür zu sorgen, dass sie die Kirche Jesu Christi bleibt. Dass sie seinem Vorbild folgt - und nicht irgendwelchen Traditionen.
Es ist der Dienst des Petrus damals, aber auch der Dienst des Petrus heute.
Und daran muss sich Petrus heute messen lassen.

   
Liebe Schwestern und Brüder,

Für wen haltet Ihr mich? So fragt Jesus damals die Apostel. Und so fragt er sicher heute uns.
Welche Antwort könnten wir ihm geben?
Könnte er, mit dem, was wir zu sagen haben, auf uns bauen???

Nun, ich denke, der Herr hat schon auf uns gebaut –  schon als er uns in Taufe und Firmung seinen Geist geschenkt hat und uns in seine Kirche berufen hat. Auch wir sind Kirche!

Auch wir sind „Petrus“ und „Petra“, Felsen – und damit verantwortlich für das Stück Kirche, in dem wir leben und das wir mitgestalten durch unseren Glauben und unser Handeln – 
als Gemeinschaft, als Familie, als Gemeinde.

Wir tragen wie Petrus die Verantwortung dafür, dass dort, wo wir Kirche sind,  immer die „Kirche Jesu Christi“ lebendig bleibt,
Kirche so wie ER sie gewollt hat:
Eine Kirche, die dem Heil der Menschen dient.
Denn eine Kirche, die ihrem menschgewordenen Gott nicht auch im Menschen dient,
die dient zu nichts.

   
Amen

 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch

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