Predigt von Richard Baus zum 22 Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

Mt 16,21-27

  
Liebe Schwestern und Brüder,

spannend: Da haben wir am vergangenen Sonntag gehört, wie Jesus den Simon Petrus einen Felsen nennt, auf den er seine Kirche bauen will -- und jetzt nennt er ihn Satan.
Vom Felsen zum Satan, also zum Gegenspieler Gottes -
Woher dieser Sinneswandel?

Damit man dieses Geschehen richtig einordnen kann, muss man wissen, dass sich die Geschichte auf dem Weg nach Jerusalem abspielt. Und der Weg Jesu nach Jerusalem ist sein Weg ans Kreuz.
Jerusalem ist die Hochburg der Glaubenswächter. Dort wird alles ganz genau beobachtet und registriert, was er sagt und tut.

Und Jesus weiß nur allzu gut: 
So wie er sich den Schriftgelehrten und deren Auffassungen von Gott und ihrer Religion entgegenstellt, das werden sie sich in Jerusalem nicht lang gefallen lassen;
so wie er von Gott und dessen Reich redet und wie liebevoll und barmherzig er mit Sündern und Ausgestoßenen umgeht---- das kann nicht gutgehn.
Einen wie ihn will man dort nicht haben. Mit einem wie ihm, da macht man dort kurzen Prozess. So einen schafft man dort schnell aus der Welt, damit die Ruhe und die Ordnung gewahrt bleiben. Das Ganze wird  also böse enden.

Und so müssen wir uns vorstellen, dass Jesus dieser Weg auch Angst macht. Dieser Weg nach Jerusalem ist kein Sonntagsspaziergang, sondern der endet im Tod.
Wie gesagt, das macht doch Angst, auch einem Jesus.

Und wenn dann einer kommt, auch noch ein guter Freund, der sagt: Das soll nicht geschehen. Mach lieber was anderes, damit du ungeschoren davon kommst........ 
dann ist das für Jesus bestimmt eine echte Versuchung; die Versuchung, es sich doch noch einmal zu überlegen – und vielleicht doch einen anderen Weg zu gehen – einen Weg ohne Leid, ohne Kreuz, ohne Angst.

Ja, Petrus wird für Jesus tatsächlich zu einer echten Gefahr. Denn was er da sagt, das klingt gut, das ist verlockend. Warum also nicht auf Petrus hören?!

Und dennoch - Jesus weiß: Petrus denkt, was Menschen denken. Ja, Petrus denkt, was auch wir oft genug denken und was wir uns wünschen.

Aber Jesus weiß auch: Gott denkt anders!
Gott geht eben nicht den bequemen Weg, sondern immer den geraden;
Gott will Problemen nicht ausweichen, sondern er will sie lösen;
Gott will sich nicht schonen und nicht raushalten, wenn’s für die Menschen hart wird, sondern er selbst wirft sich in die Bresche
--- damit sich genau dadurch etwas verändert in unserer Welt, sich etwas positiv ändert für uns Menschen.
Und das geht nun mal nicht ohne Kreuz, auch nicht für einen Christus, für einen Messias.

„Tritt hinter mich“, sagt Jesus zu Petrus.
„Tritt hinter mich!“

    
Liebe Schwestern und Brüder,

das kann auf der einen Seite sicher heißen: Geh mir aus den Augen (wie das ja auch früher übersetzt wurde) damit ich dich und diese Versuchung nicht mehr sehe, doch noch einen einfacheren Weg zu suchen.

Aber dieser Satz hat auch noch eine andere Bedeutung, die gezielt dem Petrus gilt.
Und da muss man wiederum wissen: Zur Zeit Jesus gingen die Rabbinenschüler immer hinter ihrem Lehrer her. Denn so hatten sie ihn immer „vor Augen“. So konnten sie sehen, was er macht und wie er etwas macht - und so konnten von ihm lernen.
Tritt hinter mich, das heißt dann: Geh noch mal weiter hinter mir her, damit Du noch von mir lernen kannst.

Ja, auch ein Petrus, der Fels, muss immer noch lernen, mühsam lernen, denn so ganz hat er seinen Meister doch noch nicht verstanden. Und so denkt er immer noch, was Menschen denken – und nicht was der Gottessohn Jesus denkt.

Und ich fürchte, auch wir müssen das immer noch lernen, immer wieder neu lernen, 
denn auch wir suchen so gerne die bequemeren Wege, anstatt unser Kreuz auf uns zu nehmen und hinter Jesus her zu gehen.

Ein „Christentum light“ – fromm, mit vielen feierlichen Gottesdiensten - aber möglichst ohne Kreuz und ohne Leid.
Aber zum Christsein gehören nicht nur feierliche Gottesdienste,
sondern auch der Alltag mit seinen Sorgen und Nöten.
Zum Christsein gehört nicht nur der Jubel, wenn der Papst aus dem Palast auf den Petersplatz raus winkt, sondern auch die Kranken und Armen, die Hungernden und Schwachen ---
all diejenigen, die uns fordern und die dauernd was von uns wollen, weil sie uns brauchen --- obwohl links und rechts die bequemen Wege locken.

Ich denke, genau das ist das Kreuz, von dem Jesus spricht

Dieses Kreuz ist nicht etwas besonders Schweres, was man sich selbst so aussucht, weil man meint, man würde damit was Besonderes tun – und Gott würde sich darüber freuen ---- und am Ende sind wir dann ganz stolz auf uns selbst. 

Nein, das Kreuz, von dem Jesus spricht, das ist das Kreuz, das ganz von selbst kommt, -- dann, wenn wir hinter Jesus hergehen und wenn wir konsequent christlich leben:

wenn wir nicht einfach immer nur machen, was alle machen, sondern was der Herr tut – auch wenn man über uns den Kopf schüttelt;

wenn wir nicht weglaufen, wenn schon wieder jemand was von uns will, obwohl wir gerade lieber was ganz anderes machen würden und der uns total quer kommt – sondern dann da sind;

wenn wir nicht immer nur an uns selbst denken, wenn wir etwas wollen oder tun, sondern auch drüber nachdenken, was das auch für andere und für unsere Umwelt bedeutet;

und wenn wir es aushalten und durchtragen, unser Gewissen sprechen zu lassen bei den täglichen Entscheidungen, die zu treffen sind -- um Gottes und um der Menschen willen,
und nicht einfach nur den bequemeren Weg gehen…
Ich denke, dann haben wir Jesus verstanden.

Gehen wir also mit Petrus hinter Jesus,
und hinter Jesus her,
um von ihm zu lernen, auch unser Kreuz zu tragen.

  
Amen

 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch

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