Predigt von Richard Baus zum 26. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

Ez 18,25-28 und Mt 21,28-32

   
Liebe Schwestern und Brüder,

bei meiner Meditaton der Lesungstexte für diesen Sonntag bin ich bei der Lesung aus dem Buch Ezechiel, die wir eben gehört haben, hängengeblieben. Da streitet sich Gott mit Hilfe des Propheten mit seinem Volk, das ihm vorwirft, sein Verhalten sei nicht richtig; er würde nicht gerecht handeln.

Ezechiel hat Menschen vor sich, die sich von ihrem Gott ein festes Bild gemacht haben, ein Bild, das sehr menschlich ist - und nun erwarten sie, dass Gott sich auch so menschlich verhält, wie sie sich das ausgedacht haben: Wer gesündigt hat, den muss Gott auch bestrafen - egal was diese "Sünder" auch immer noch machen. Sünde ist Sünde - und Strafe muss sein. 

Aber, so zeigt es uns diese kleine schöne Lesung, dieser Gott lässt sich nicht so einfach festlegen. Er handelt nicht unbedingt so, wie wir Menschen handeln würden. Denn für Gott gibt es keine „Zwangsläufigkeiten“, auch nicht bei einem Sünder, der nach unserer Vorstellung Strafe verdient hätte, sondern für Gott gibt es auch noch die Vergebung.
Vergebung für den Sünder, der sein Leben ändert. Vergebung für jeden, der sein Unrecht einsieht und davon umkehrt. Ja, für Gott gibt es auch noch Gnade und Barmherzigkeit! Gott kann das.
Und deshalb sagt Ezechiel: Wer das nicht nachvollziehen kann, der liegt falsch - und nicht Gott.   

 
Liebe Schwestern und Brüder,

in diesen wenigen Zeilen zeichnet der Prophet dem Volk ein neues Gottesbild:
Einen Gott, der den Menschen nicht festlegt auf seine Schuld und nicht festlegt auf sein Versagen, sondern der ihm die Möglichkeit gibt, sich zu ändern, sich zu bessern ---- 
umzukehren, wie das in der Sprache der Bibel heißt. 

Ein Gott, der sich aber selbst auch nicht festlegen lassen will von den Menschen, sondern der frei sein will, frei in seinem Handeln, und zwar in seinem barmherzigen Handeln. 

Für ihn zählt nicht, was war, nicht was früher mal gewesen ist, sondern was jetzt ist, wie wir jetzt und heute vor ihm leben. Und wenn wir uns tatsächlich bekehrt haben, dann zählt das. Wenn wir heute unsere frühere Schuld bereuen, dann ist das entscheidend - und nicht das, was gestern war. 

Ezechiel zeichnet uns da einen Gott, der keine Türen zuschlägt, sondern der uns Menschen immer noch eine Tür offen hält, wenn wir uns ihm zuwenden. Der uns seinen Himmel und sein ganzes ewiges Leben schenkt, wenn wir umkehren zu ihm; wenn wir uns bekehren. 

   
Liebe Schwestern und Brüder,

Wie ärgerlich muss solch ein „neues“ Gottesbild, das so viel Raum lässt für Umkehr und Barmherzigkeit, für Menschen sein, die von sich selber glauben, besser zu sein als die anderen; in jedem Fall doch besser als „die Sünder“.

Wie ärgerlich für Menschen, die fest davon überzeugt sind, dass sie so gut sind, dass sie selbst eine solche Umkehr gar nicht nötig haben – und sich deshalb den Himmel doch schon selbst verdient haben.

Ärgerlich für Menschen, die den Himmel nur für sich selber haben wollen – und jetzt damit rechnen müssen, dass sie sich diesen Himmel auch noch mit Sündern teilen müssen – nur weil die sich in letzter Minute noch bekehrt haben!
Das kann Gott doch nicht machen!
Deshalb kann für sie nicht sein, was nicht sein darf:
Für sie muss Gott doch anders sein -  gerecht und unbarmherzig gegen die Sünder – und nur gut zu denen, die selber gut sind…. Oder die meinen, sie seien gut.

Aber Ezechiel hält dagegen:
Mein Verhalten soll nicht richtig sein? Nein, euer Verhalten ist nicht richtig. Denn wer alle seine Vergehen einsieht, deren er sich schuldig gemacht hat, und sich bekehrt, der wird bestimmt am Leben bleiben.
    

Liebe Schwestern und Brüder,
welches Gottesbild haben wir? Wie ist das mit uns?
Gestatten wir Gott, dass er barmherzig ist und gut - auch zu denen, die wir für Sünder halten? Oder muss er hart sein und gnadenlos – nur damit wir zufrieden sind?

Brauchen wir einen Gott, den man fürchten muss? Einen Gott der engen und kleinen Geister, die Angst haben vor einem Leben in Fülle? 

Oder können wir uns über einen Gott freuen, den man lieben kann?
Weil er doch uns liebt - und er weil uns in seiner Barmherzigkeit immer die Tür offen hält, die Tür zu seinem Reich -
uns und den „Zöllnern und Dirnen“, wie Jesus sagt.

Mit welchem Gottesbild möchten Sie, liebe Schwestern und Brüder, leben?
Und, vor allem, mit welchem Gottesbild möchten Sie einmal sterben?

 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch

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