Predigt von Richard Baus zum 32. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

Mt 25,1-13

  
Liebe Schwestern und Brüder,

schön geht sie ja nicht aus, diese Geschichte. Diese klugen Jungfrauen sind schon sehr stur und hartherzig. Und der Bräutigam ist auch nicht grade freundlich.
Hätte man die Sache nicht auch anders regeln können – so dass doch alle hineingekommen wären und hätten mitfeiern können?!?

Nun, diese Geschichte ist ja keine wahre Begebenheit, sondern es ist ein Gleichnis.
Und Gleichnisse sind dazu da, etwas ganz spitz auf den Punkt zu bringen.
Und dieses Gleichnis will sagen: Der Herr kommt - am Ende der Zeit. Aber niemand weiß genau wann das ist. Seid also klug. Lebt so, dass ihr dem Herrn jederzeit mit brennenden Lampen entgegengehen könnt – egal, wann er kommt.

Um dieses Evangelium mit seinem Aufruf richtig einordnen zu können, müssen wir uns vergegenwärtigen, in welcher Situation es aufgeschrieben wurde.
Damals lebten die Menschen in der Zeit der „Naherwartung“,  das heißt man war der festen Überzeugung, dass Jesus noch zu Lebzeiten wiederkommen wird. Man muss nicht mehr lange warten. Bald ist es so weit.
Und so bemühten sie sich um einen Glaubens- und Lebensstil, der sich des Herrn würdig erweisen sollte.
Jeder wollte bereit sein für das Ende dieser Welt – und für die Erlösung.
Jeder wollte doch mit in den Hochzeitssaal kommen.

Doch dann mussten diese Menschen die Erfahrung machen, dass der Herr nicht kam. Der Herr ließ auf sich warten  ---   Und so ließ auch die Begeisterung nach
Die Menschen begannen, wieder mehr an das Diesseits zu denken als an das Jenseits. 
Man sorgte sich nicht mehr um die Zukunft im Himmel, sondern um die Zukunft auf dieser Erde --- und man ging zur Tagesordnung über.
Gewiß, fromm war man noch – und man bemühte sich auch noch, irgendwie gut zu sein --- aber alles wurde wohl weniger. Der Glaube bestimmte nicht mehr den Alltag.
Er strahlte nicht mehr. 
Aus den ehemals hellen Lampen wurden immer mehr trübe Tassen.

Die Bibel nennt eine solche Lebensweise „töricht“ – und das heißt wohl: unangemessen für eine Christin, einen Christen; unbrauchbar für das Reich Gottes. So zu leben, das gehört sich nicht.
Und so war dieses Evangelium damals eine Anfrage an die jungen Christengemeinden – so wie es wohl heute die Anfrage an uns ist:
Wie lebt Ihr denn Euer Christsein????  Rechnet Ihr eigentlich mit der Ankunft des Herrn? Und wie wollt ihr ihn empfangen?
Strahlt Ihr, oder seid Ihr Tranfunseln, mit denen man im Hochzeitssaal nichts anfangen kann und deshalb besser draußen vor der Tür stehen lässt?
Das ist eine harte, aber eben auch die entscheidende Frage. 
Denn an der Antwort entscheidet sich, ob jemand im Hochzeitssaal sein wird, also bei den Geretteten ist, oder aber nicht.

Aber, liebe Schwestern und Brüder, ich denke, der Evangelist stellt sie nicht, um den Menschen Druck zu machen.
Sonst hätte er vielleicht eher von einer Gerichtsverhandlung geschrieben, die am Ende stattfindet und bei der abgerechnet wird.

Nein, er will nicht Druck machen, sondern noch mal wachrütteln und ermutigen.
Und deshalb beschreibt er wohl das Ende, die Wiederkunft des Herrn mit dem Bild eines Hochzeitsfestes.
Denn eine Hochzeit ist doch etwas Schönes. Darauf kann man sich freuen. Also kein Ende mit Schrecken, sondern ein frohes Fest.
Und da sollte man doch mit dabei sein!

   
Liebe Schwestern und Brüder,

ich habe mal eine Auslegung dieses Evangeliums gefunden, in der es irgendwann hieß: Ist Ihnen übrigens aufgefallen, dass da zwar vom Bräutigam die Rede ist und von der Hochzeit, vom Saal und von den Gästen – aber nirgendwo von der Braut?
Aber wo eine Hochzeit ist und ein Bräutigam, da muss auch eine Braut sein. Wo ist sie????

Nun, so hieß es in der Auslegung weiter: Wenn Christus der Bräutigam ist, dann ist die Braut - die Kirche.
Denn mit ihr will sich doch Christus vermählen.
Und weiter hieß es:
Und bei einer Hochzeit hat doch ganz sicher die Braut auch noch ein Wörtchen mitzureden.

Welch schöner Gedanke! Vielleicht wird die Braut ja dafür sorgen, dass die Geschichte doch noch ein bisschen anders ausgeht als im Evangelium – denn sie kennt doch die Jungfrauen, die den Bräutigam zu ihr ins Haus geleiten sollen. Der Bräutigam kommt „von auswärts“, aber sie ist doch aus demselben Dorf wie die Jungfrauen. Sie ist doch eine von ihnen. 

Vielleicht wird sie, wenn der Ruf „Der Bräutigam naht“ erklingt, zu den klugen Jungfrauen sagen: Jetzt redet nicht so klug daher, sondern lasst die Kirche im Dorf!
Geht nicht so geizig mit eurem Öl um, sondern teilt es.
Und wenn es nicht reicht, dann werde ich schon noch dafür sorgen, dass ihr trotzdem alle mitfeiern könnte.
Ich werde beim Bräutigam schon ein gutes Wort für euch einlegen, denn wir sind doch Freundinnen. Wir gehören doch zusammen. Und ich lasse Euch doch nicht hängen.

Die Braut ist die Kirche. 
Und die Kirche sind wir.
Deshalb ruhig mal die Frage: Wie sind wir so als “Braut“?

Wie gehen wir mit denen um, deren Öl schon mal zur Neige geht?  Wie gehen wir um mit denen, die in Sachen Kirche „ausgebrannt“ sind?
Sagen wir da nur schulterzuckend: Pech gehabt! Dumm gelaufen! Zu spät! Oder haben wir dann ein Herz?
Schauen wir nur mitleidig zu – oder können wir teilen?
Andere teilhaben lassen an dem, was uns leben lässt?

 
Liebe Schwestern und Brüder,

wer kann für sich selbst schon die Hand ins Feuer legen? Auch wenn heute bei uns alles gut läuft in Sachen Glauben,
aber vielleicht gehören wir ja morgen schon zu denen, die einen Moment lang nicht klug waren – und denen dann das Öl ausgeht.... weil alles so anders kam als wir es erwartet hatten… weil Gott es nicht so gemacht hat, wie wir es erbetet hatten…. weil wir enttäuscht sind von Gott

Wie schön wäre es, wenn dann eine Kirche da ist, die dann dem Bräutigam in den Ohren liegt und dort ein gutes Wort für uns einlegt. Eine Kirche, die weiß, dass sie ja nicht nur für die „Klugen“ da zu sein hat, sondern auch für die „Törichten“ - für die Sünder.
Und die deshalb aktiv wird - so dass der Bräutigam am Ende gar nicht anders kann, als doch die Tür noch einmal aufzuschließen, damit ich doch noch mitfeiern darf.

Wenn er es vielleicht auch nicht um unseretwillen tut, dann doch wegen seiner Braut, die er so liebt --
nicht nur, weil sie vielleicht klug und schön ist, sondern vor allem, weil sie gütig und barmherzig ist -
weil sie genau so ist wie ER.
Eine Kirche, die so ist, wie Jesus es immer war, als er noch auf Erden gelebt hat: Gütig, liebevoll und barmherzig.
Könnte er bei seiner Wiederkunft dann wirklich anders sein????

Sicher nicht. Denn dann würden wir ihn ja nicht mehr erkennen, wenn er kommt – und dann würden wir ihm auch nicht folgen in den Hochzeitssaal.
Nein, er muss sich treu bleiben, wenn er wiederkommt.
Und so wird er ganz sicher kommen, um alle zu erlösen;
damit es ein Fest mit allen sein wird.
Und dann wird keiner vor der Tür stehen bleiben müssen.

Denn am Ende, so hat es Dorothee Sölle einmal formuliert, wird es keine Fragen mehr geben, sondern nur eine Umarmung…. Eben ein Fest.
  

Amen

 

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch

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