Predigt von Richard Baus zum Christkönigssonntag, Lesejahr A

Liebe Schwestern und Brüder,

ein ziemlich spannendes Evangelium haben wir da gerade gehört.
Das, was es beschreibt, nennen wir das Jüngste Gericht.
Und für viele von uns ist es wohl das Vorbild für die Vorstellung von dem, was sich da am jüngsten Tag abspielen könnte:
Gott hält Gericht. Er sorgt für Recht und Gerechtigkeit. Und das heißt: Die Guten werden belohnt und die Bösen werden bestraft.

Es gibt aber auch noch einen anderen Blick auf dieses Evangelium:
Kardinal Meisner hat einmal in einem Brief an die Priester seines Bistums geschrieben, dass diese Gerichtsszene das
„2. Konsekrationswort“ enthält, das unsere Neues Testament kennt.
Das „2. Wandlungswort“ so zu sagen in der Bibel.

Und in diesem Brief führt der Kardinal weiter aus:
So wie Jesus beim letzten Abendmahl über die Gaben von Brot und Wein nicht sagt: "Tut so, als wäre das mein Fleisch und als wäre das mein Blut", sondern wie er sagt: "Das ist mein Fleisch und das ist mein Blut!"
so sagt Jesus hier ja auch nicht: "Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das ist so als ob ihr das für mich getan hättet", sondern er sagt: "Das habt ihr mir getan".

Ein wunderschöner Gedanke:
Unser Christkönig ist nicht nur in Brot und Wein auf dem Altar unter uns gegenwärtig und real präsent; nicht nur, wenn wir in den Gottesdienst gehen und die Kommunion empfangen, sondern er begegnet uns quasi an jeder Ecke unseres Lebens: Wir haben ihn immer vor unseren Augen, wenn wir einem Menschen begegnen – und ganz besonders einem Armen, einem Bedürftigen, einem Kranken und einem Bloßgestellten.

Ja, ich denke, wir dürfen uns von unserem König Christus durch dieses Evangelium sagen lassen:
Glaubt nicht, dass ihr besondere spirituelle Übungen machen müsst, um mir zu begegnen!
Glaubt nicht, dass ihr erst besondere fromme Praktiken erlernen müsst, damit ihr mich erkennen könnt, sondern macht einfach die Augen auf in eurem Alltag – und dann entdeckt das, worauf es ankommt. Entdeckt mich!

Aber, so könnte der Herr weiter ausführen, wenn ihr mich dann vor Augen habt, dann überlegt nicht, wie ihr es anstellen könnt, damit ihr angesichts der Not und des Elends, das ihr dann seht, nichts tun müsst, sondern tut das, was getan werden muss – denn ihr habt es immer mit mir zu tun. Ihr werdet mich nicht los, denn ich bin immer mitten unter euch.

Nein, liebe Schwestern und Brüder, wir werden niemals gott-los, denn Gott lässt uns nicht los

   
Liebe Schwestern und Brüder,

wenn wir dieses Evangelium auf diesem Hintergrund lesen und betrachten, dann ist es sicher doch mehr als eine Gerichts-Szene, die uns vielleicht Angst machen könnte vor einem bösen Ende.
Mehr als die Beschreibung des Endes dieser Welt.
Sondern für mich ist es eher die Ansage und die Erinnerung Jesu, wie ernst es ihm mit seiner Menschwerdung ist, die wir in wenigen Wochen an Weihnachten wieder feiern werden.

Und dann ist es seine Einladung, uns nicht in eine „harmlose Frömmigkeit“ zu begeben, die uns hilft, aus der Welt zu fliehen, sondern eine Frömmigkeit zu praktizieren, die uns zur Welt hinführt.
Eine Frömmigkeit, die diese Welt zur Welt Gottes machen kann – Nämlich dann, wenn wir uns nicht raushalten, wenn es um das Wohl und das Glück unserer Mitmenschen geht, sondern wenn wir uns einmischen.
Wenn wir nicht wegschauen, wenn Menschen in Not sind, sondern hinschauen,
und wenn wir uns nicht ab-wenden angesichts der Not, sondern uns ihr zu-wenden – und dann versuchen, diese Not zu wenden.

   
Ja, liebe Schwestern und Brüder,

wenn wir Not-Wendiges tun – um der Menschen willen - aus Mitleid, aus Verantwortungsgefühl, aus Liebe -
dann handeln wir wie Gott –
und dann stehen wir sicher auf der rechten, eben auf der richtigen Seite.

Wenn wir handeln wie Gott.
Und wie Gott handelt, das haben wir in der ersten Lesung aus dem Buch Ezechiel gehört:
Er handelt wie ein guter Hirte handelt.
Er sucht die Verlorenen und Verirrten und bringt sie nach Hause. Er verbindet die Verletzten, er stärkt die Schwachen und behütet die Kräftigen. Er führt sie zur Weide und lässt sie dort ausruhen.
Und all das delegiert er nicht an andere, damit er nichts damit zu tun hat, sondern das macht er selbst.
Ich will mich selbst um meine Schafe kümmern, so sagt er. Ich will selbst für sie sorgen, wie es recht ist.
So handelt Gott – in seiner Liebe und seiner Barmherzigkeit.

   
Liebe Schwestern und Brüder,

das Bild des guten Hirten war im alten Israel das Vorbild für einen König. So wie ein guter Hirte für seine Herde sorgt, so musste ein König für sein Volk sorgen. Nicht die Schafe mussten für den Hirten da sein, sondern der Hirte musste für die Schafe da sein.
Und so musste auch ein Volk nicht dafür sorgen, dass es dem König gut ging, sondern der König musste vor allem dafür sorgen, dass es dem Volk gut ging, denn es war doch sein Volk. Das Volk, das ER sich ausersehen hat. Das Volk, das ER sich berufen hat. Alles andere hat sich daraus dann ergeben. Wenn es dem Volk gut ging, dann ging es auch dem König gut.
Ja, Königssorge, das war Hirtensorge.

Und wenn wir heute Christus als unseren König feiern, dann dürfen wir davon ausgehen, dass Christus auch uns Hirte sein will, dass er sich um uns kümmert und für uns sorgt. Dass er auch bei uns die Kranken verbindet, die Schwachen stärkt und die Starken behütet. Und dass er für Recht sorgt zwischen den Schafen und Widdern und Böcken.

   
Liebe Schwestern und Brüder,

ja, ein König muss auch für Recht sorgen - so hieß es auch bei Ezechiel.
Gibt es am Ende also doch ein Gericht wie bei Matthäus?! Doch eine Verdammnis?!

Nun, wenn Gott gerecht ist, dann muss er in der Tat für das Recht sorgen. Das stimmt. Aber unser Herr wird sicher andere Möglichkeiten haben, Recht zu schaffen, als ein Oberverwaltungsgericht das hat.

Ich erinnere noch mal an eine jüdische Erzählung zur Geschichte von David und Goliath, die ich schon einmal erzählt habe:

Als David und Goliath miteinander stritten, fragten die Dienstengel Gott: Wie wird es sein, wenn sie beide vor Dir erscheinen?“ (Am jüngsten Tag)  Und Gott antwortete: „An mir wird es sein, sie zu Freunden zu machen“.

Ja, an ihm wird es sein, sie zu Freunden zu machen. Das ist SEINE Aufgabe und das kann auch nur ER tun.
Und die Art Gottes wird dann sicher nicht sein, Goliath und David Strafpredigten zu halten – nach dem Motto „Hättest du doch...“, „Aber man macht doch so was nicht.., aber weil du das getan hast, wirst du jetzt bestraft“.
Nein, seine Art ist es nicht, den einen zu verurteilen und den anderen freizusprechen, sondern die Art Gottes ist es, sie zu Freunden zu machen. Das heißt neues Leben möglich zu machen; Leben miteinander; Leben füreinander – IN Freundschaft und Frieden – so dass keiner zum Teufel geschickt wird.

   
Und das, liebe Schwestern und Brüder, wird er am Ende, dann wenn er wiederkommt, sicher auch mit uns und an uns tun:
Er wird uns zu Freunden machen. Zu seinen Freundinnen und Freunden und untereinander zu Freundinnen und Freunden.
Denn wenn Gott richtet, dann richtet er immer auf – und niemals hin.

Der protestantische Theologe Jochen Klepper hat in einem seiner Lieder, das wir jetzt bald im Advent singen werden, geschrieben:
„Als wollte er belohnen, so richtet er die Welt“.

Und so dürfen wir fest darauf vertrauen, dass der König, auf dessen Wiederkunft wir da warten, nicht als Richter kommt, sondern als Retter. Nicht als Rächender, sondern als Liebender.
Eben als der gute Hirte, der nichts so sehr liebt wie seine Herde.
Und der deshalb alles dafür tut, damit sie das Leben hat. Und zwar Leben bei ihm und mit ihm. Und das ist dann sicher Leben in Fülle.

   
Amen

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch

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