Predigt von Richard Baus zum Dreifaltigkeitssonntag, Lesejahr A

   
Liebe Schwestern und Brüder,

ein Student ist bei seiner Prüfung in Dogmatik, wo es um die Glaubenslehre der Kirche geht, ein ziemlicher Wackelkandidat. Sein Wissen weist große Lücken auf. Als so gar nichts mehr kommt, fragt ihn der Professor: „Können sie mir denn wenigstens das Geheimnis der Heiligsten Dreifaltigkeit erklären?“

Der Student sieht sich gerettet, weil er dazu was gelesen hatte. Er strahlt und sagt: „Ja, das kann ich!“. Worauf der Professor antwortet: „Sie sind durchgefallen. Das Geheimnis der heiligsten Dreifaltigkeit kann man nicht erklären!“

    
Und da soll ich Ihnen nun eine Predigt zu diesem Thema halten… Zu unserem Glauben an Einen Gott – in drei Personen. 

Aber nicht drei Götter, sondern drei Personen in dem einem göttlichen Wesen. Da mutet uns die Kirche in der Tat was zu.

Ich bin bei meiner Mediation zu diesem Geheimnis am Begriff des einen göttlichen „Wesens“ hängen geblieben. 

Vielleicht ist das hier ein hilfreicher Begriff. Das Wesen einer Person.
Ich denke, das ist es ja, was eine Person ausmacht - was wesentlich für sie ist und was sicher wichtiger ist als das Aussehen.

Wenn sich das Aussehen eines Menschen verändert, dann wird man damit zurecht kommen. Das ist normal. Aber wenn ein Mensch sein Wesen verändert, dann kann das schwer werden, denn dann ist er ja nicht mehr der, der er war --  den man geliebt hat -- und den vielleicht geheiratet hat. Das Wesen ist also das Entscheidende.
Und alle drei göttlichen Personen haben das gleiche Wesen. In dem, was sie ausmacht, sind sie sich gleich. Das verbindet sie miteinander und vereint sie. --- So höre ich das zumindest.

Was also macht das Wesen dieser drei göttlichen Personen aus? Was ist ihnen gemeinsam? Was zeichnet sie aus, so dass wir sie daran erkennen können?

Ich denke, das Wesen dieses Dreifaltigen Gottes, das wurde in der ersten Lesung sehr deutlich beschrieben; dort heißt es: Jahwe ist ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig und reich an Huld und Treue.

Das sagt nicht irgend jemand von diesem Gott, sondern das sagt Gott selber über sich, das ist eine Selbstoffenbarung.

Ja, Jahwe ist ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig und reich an Huld und Treue. Das ist sein Wesen. Das macht ihn aus. So ist er.
Und das Johannes-Evangelium greift diese Offenbarung auf und führt sie weiter aus: Jeder, der an ihn (an den Sohn) glaubt, geht nicht zugrunde, sondern hat das ewige Leben.

Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.

  
Liebe Schwestern und Brüder, 

hier ist es auf den Punkt gebracht: Das Wesen dieses Gott in den drei Personen besteht darin, dass es ein Retter-Gott ist und kein Richter-Gott;

ein Gott, dessen Freude nicht darin besteht, Menschen zu richten und zu strafen für das, was in ihrem Leben schiefgelaufen ist, sondern dessen Freude darin liegt, zu retten – und der alles daran setzt, dass wir nicht untergehen, sondern das Leben haben.

Ein Gott, der selbst dort in die Bresche springt, wo wir Menschen versagen, – um das wieder gut zu machen, was wir falsch gemacht haben – mit einer Liebe, die selbst vor dem Kreuz nicht halt macht.

Aber: Nicht wir müssen ans Kreuz, sondern er geht ans Kreuz.

Nicht wir müssen sterben, sondern er stirbt.

Nicht wir werden gestraft, sondern er nimmt unsere Strafe auf sich.

  
Liebe Schwestern und Brüder.

noch einmal: Das Wesen  dieses Dreifaltigen Gottes ist es, zu retten und zu heilen;  Leben möglich zu machen – und zwar ewiges Leben ----- damit keiner von uns Menschen verloren geht.

Und damit diese Frohe Botschaft auch wirklich bei uns Menschen ankommt - dazu gibt Gott sich wirklich alle Mühe, da zeigt sich Gott von allen seinen Seiten:

Da ist er uns Vater, Vater und Mutter, wie Papst Joh. Paul I. es gesagt hat, damit wir jemanden haben, wo wir hingehen können mit unseren Sorgen und Anliegen – wo wir Trost  und eine liebevolle Antwort finden;

da ist er Sohn, Menschen-Sohn,
damit er uns auch Bruder sein kann,
und wir ihn im Menschenwort reden hören  und ihn dann auch verstehen können; denn wir verstehen halt mal am besten nur die Menschen-Sprache.

Er wird Menschen-Sohn, damit dieser eine Gott für uns eine Gestalt bekommt, unter der wir uns auch etwas vorstellen können und Gott uns „menschlich“ nahe sein kann;

und da ist er Hl. Geist. Jene Geistkraft, die nicht aufzuhalten ist – von nichts und niemand, damit uns seine Rettung auch immer und überall erreichen kann – und wir nie und nimmer herausfallen aus jener großen Liebe, die er für uns hat.

Ein höchst erfinderischer und geschickter Gott, der sich alle Mühe gibt, damit er uns erreicht --- und sich uns zeigen kann - von all seinen Seiten.
Und der auch dann, wenn wir unsere Schwierigkeiten mit ihm haben, vor allem immer noch eines ist: langmütig und barmherzig und reich an Huld und Treue. Ginge es besser? Ginge es schöner? Sicher nicht!

Als ich mit meiner Predigt fertig war, fand ich im neuen „Christ in der Gegenwart“ zum heutigen Sonntag die Überschrift „Drei ist keine Zahl“. Das fand ich wirklich faszinierend.
Die Drei ist dann hier nicht als Zahl zu sehen wie „3 Kerzen“ oder „3 Bänke“, die man abzählen kann, sondern eher wie „3 mal heilig“. Und „3 mal heilig“ ist hebräisch gedacht und bedeutet: „Heiliger geht es nicht“, „Allerheiligst“.

Und so könnte „Dreifaltigkeit“ dann heißen: Mehr Gott geht gar nicht!

Dieser Gott ist überall. Es gibt keinen Ort in der Welt und keine Zeit auf dieser Erde die Gott-los wären. Denn diesen Gott werden wir nicht los - und er tut alles, dass er uns nicht los wird.
Alles zu unserem Heil.

Freuen wir uns, dass wir einen solchen Gott haben - und versuchen wir, es ihm als Gemeinde gleich zu tun:
Dass auch wir als Gemeinde und Gemeinschaft immer Gemeinde miteinander und füreinander sind, Gemeinde, die weiß, dass sie Gott in ihrer Mitte hat; einen Gott, der sie sendet und ruft, um in seinem Namen zu heilen und zu retten - um so Segen zu sein für andere.

Damit das, Segen sein, dann zu unserem Wesen wird,
zu dem was uns ausmacht, was uns auszeichnet – und worin wir dann so EINS sind wie ER .

Dazu wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen den Segen dieses Dreifaltigen Gottes -

des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes.

 
Amen

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch

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