Predigt von Richard Baus zum 2. Fastensonntag, Lesejahr A

Gen 12,1-4a

 
Liebe Schwestern und Brüder,

auch wenn diese Tabor-Erzählung aus dem heutigen Evangelium so strahlend und hell unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht, so möchte ich dennoch Ihren Blick noch einmal auf die Lesung aus dem Alten Testament lenken.

Ein bekannter Abschnitt aus der Bibel – und ein so wichtiger: Gott ruft Abraham.
Und es sind zwei Dinge, die mir bei meiner Meditation aufgefallen sind. 

Das erste ist die Tatsache, dass Gott dem Abraham zumutet, wegzuziehen. Er soll alles verlassen, worin er sich wohlgefühlt hat; alles verlassen, was ihm bekannt und vertraut war. Warum das?
Kann er nicht bleiben wo er war? Kann er nicht dort auch genau dasselbe tun und wirken wie in einem anderen Land?

 
Anscheinend nicht, liebe Schwestern und Brüder.

Denn im Altbekannten kennt man sich aus, da muss man nicht suchen, wenn man etwas haben will. Da hat man sich gut eingerichtet.

Und wo alles so ist, wie man es gewohnt ist, dort wird man auch nichts ändern wollen. Und so bleibt am Ende alles beim Alten. 

Und genau das will Gott nicht für Abraham. Es soll nichts beim Alten bleiben, sondern alles soll neu werden. Es soll nicht einfach nur weitergehen wie gehabt, sondern anders, und zwar so anders, dass sich daraus neue Chancen ergeben,

neue Chancen für Gott – und auch für Abraham, damit der auch wirklich Segen werden kann für viele.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

Abraham steht an einer wichtigen Stelle in der heiligen Schrift. Vor dem Beginn der Abrahamsgeschichte stehen in der Bibel viele Unheilsgeschichten: Der Sündenfall, die Vertreibung aus dem Paradies, Kain, der seinen Bruder Abel erschlägt. Da ist von der Bosheit der Menschen die Rede, die so groß ist, dass Gott eine Sintflut schickt – und da ist die Erzählung von jenen Menschen, die einen Turm bauen wollen, der bis zum Himmel reicht.

Mit Abraham soll das anders werden. Mit Abraham soll aus dieser Unheilsgeschichte Heilsgeschichte werden; aus den Katastrophen soll nun Segen entstehen. 

Aber dazu soll er ausziehen aus all dem, was ihn bisher umgeben hat, damit ihn nun Gott umgeben kann.
Dazu soll er alles hinter sich lassen, was ihn bisher geprägt hat, damit ihn nun Gott prägen kann.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

ich habe mir sagen lassen, dieses Wegziehen damals sei wohl  gar nicht so dramatisch gewesen, wie wir uns das vielleicht heute vorstellen. Als Nomaden, die in Zelten wohnen, war man das gewohnt. Und man nahm ja auch alles mit, was einem gehörte: Die Familie, den Besitz, das ganze Hab und Gut – und auch sich selbst --  und damit auch die alten Probleme und die alten Gedanken. 

Deshalb, so dürfen wir uns vorstellen, geht es in dieser Geschichte gar nicht so sehr um die örtliche Veränderung, sondern vielmehr eine innere Veränderung.
Abraham soll nämlich alte Standpunkte verlassen, um so eine neue Perspektive einnehmen zu können. Es geht ums Umdenken:
Neue Gedanken zulassen. Neue Möglichkeiten in den Blick zu nehmen.
Nicht mehr zu sagen: Wir haben das immer so gemacht und das muss jetzt auch für immer so bleiben. Sondern aus den alten eingefahrenen Gleisen auszusteigen, damit Neues eine Zukunft bekommen kann – und um so Gott eine Zukunft zu geben.
Den Auszug aus seinem alten Inneren zu wagen, damit eine neue Zukunft möglich wird – eine Zukunft mit Gott. Weil Gott dazu aufruft. Spannend, oder?!

  
Liebe Schwestern und Brüder,

ich denke, hier ist der Punkt, an dem dieser alte Abrahamstext mit uns zu tun bekommen könnte. Denn was Gott da von Abraham will, dass will er wohl in diesen heiligen 40 Tagen von uns: Aufbrechen. Aufbrechen aus alten Gewohnheiten. Nicht einfach nur die „Alten“ zu bleiben, sondern zu neuen Menschen werden; Menschen, die Segen sein können für andere, weil sie sich innerlich verändert haben.

Wir können ja nicht alle wegziehen aus unseren Häusern und Gegebenheiten. Aber wir können ausziehen aus unseren alten Gedanken und Vorstellungen:
Wir könnten uns mal Menschen zuwenden, die uns bisher fremd geblieben sind. Wir können uns mal mit Themen beschäftigen, die wir bisher ausgespart hatten. 
Wir könnten Neues wagen, damit wir nicht weiter im eigenen Saft schmoren, sondern uns auf was anderes einlassen können.

 
Liebe Schwestern und Brüder,

Gott ruft uns, damit wir nicht beim Alten und Gewohnten stehen bleiben, sondern Ausschau halten nach Neuem. Nach dem, was Gott mit uns vorhat – Ausschau zu halten nach der Verheißung, die auch uns geschenkt ist – genau so wie dem Abraham. 

Ausschau halten nach dem, was an Gutem und Segenreichem möglich ist, wenn wir nicht im Alten und Bisherigen verharren, sondern wenn wir uns loslassen und uns öffnen auf Gott hin und auf dessen Führung.

Und dabei dürfen wir fest darauf vertrauen, dass Gott uns nichts nehmen will, überhaupt nichts, sondern dass er uns viel mehr schenken will: Einen ganz neuen Anfang und damit eine ganz neue Zukunft.
Eben „Segen“, wie das in der Bibel heißt. Segen empfangen und Segen zu sein für andere.

Ich sagte am Anfang, dass mir zwei Dinge aufgefallen sind:

Das Zweite war genau dieser Segen.
In unserem Text hießt es auf Abraham hin: Du sollst ein Segen sein.  Die sprachkundigen Theologen sagen, dass das eine schlechte Übersetzung ist. Richtig müsse das heißen: Du wirst ein Segen sein.

Du sollst – das klingt nach Befehl. Aber kann man auf Befehl Segen sein? Sicher nicht.

Aber „Du wirst“ – das klingt nach Verheißung, nach Zusage – und nach Gott

Denn zum Segen kann ein Mensch nur dann werden, wenn er Gottes Verheißungen folgt, dem, was Gott in mir und mit mir möglich machen kann, wenn ich in meinem Inneren aufbreche und mich auf Gott einlasse.
 

Liebe Schwestern und Brüder,

Ich muss gestehen, ich bin dankbar für dieses „andere“ Verständnis vom Aufbrechen und Wegziehen. Denn man kann 100mal wegziehen und umziehen; wenn man sich dabei aber innerlich nicht verändert, dann bleibt man der „alte Kotzbrocken“, der man vorher auch schon gewesen ist – egal wo man hingezogen ist. 

Aber wenn sich innerlich bei mir etwas verändert, wenn ich in meinem Inneren zu neuen Gedanken, zu neuen Gewohnheiten und zu neuen Ansichten gekommen bin, dann kann sich in der Tat was bewegen.

Dann kann ich sogar zum Segen werden – weil dann Gott eine Chance bekommt in meinem Leben – und ER dann mit mir Wege gehen kann, die ich selbst nicht für möglich gehalten hätte.

Und dann leuchtet auch etwas von dem Licht in unserem Leben auf, in das Gott seinen Sohn auf dem Tabor gestellt hat.
Dieses Licht, das überall dort aufstrahlt, wo Gott in einem Menschen Gestalt annehmen und zum Segen werden kann – für andere.

 
Amen

Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch

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