Predigt von Richard Baus zum Fest der Taufe des Herrn, Lesejahr A

Mt 3,13-17

 
Liebe Schwestern und Brüder,

Johannes hat am Jordan eine regelrechte Massenbewegung losgetreten. 
Da kommen Leute von überall her, um sich von ihm im Jordan taufen zu lassen - zum Zeichen der Buße, der Umkehr.
Menschen, die in aller Öffentlichkeit deutlich machen wollen, dass sich in ihrem Leben jetzt etwas ändern soll, dass sie einen neuen Anfang wagen. 
Ja, mit dieser Taufe des Johannes beginnt für sie ein neuer Lebensabschnitt.

Spannend, dass nun auch Jesus zu Johannes kommt.
Muss er etwa auch Buße tun? Hat er auch gesündigt? Johannes scheint auch zu überlegen, ob Jesus das überhaupt nötig hat.

Nun, die Kirche lehrt, dass Jesus nicht gesündigt hat. Dass er uns in allem gleich ist, außer der Sünde. Buße muss er sicher nicht tun. 
ABER auch Jesus spürt wohl: In seinem Leben muss sich auch irgendwas ändern!
So, wie es bisher war, das genügt ihm nicht mehr. Er will etwas Neues beginnen. 

Nun wissen wir überhaupt nicht, was Jesus bin zu diesem Zeitpunkt getan hat. Davon steht nämlich nichts in der Bibel. Wir können nur vermuten, dass er den Schreiner-Betrieb seines Vaters weitergeführt hat. Ein Leben in der „Verborgenheit“ – unter das Jesus nun aber einen Schlussstrich zieht, denn jetzt wird er in die Öffentlichkeit treten. 

   
Ja, Liebe Schwestern und Brüder,

Jesus setzt einen neuen Anfang: 
Jetzt ist er nicht mehr Zimmermann, sondern ein Gottesmann. 
Jetzt baut er keine Häuser mehr, sondern jetzt baut er am Reich Gottes. 
Jetzt ist er nicht mehr nur noch der Sohn der Maria und des Josef, sondern er ist vor allem Sohn Gottes.

Und Jesus macht das vor aller Welt bekannt, indem er sich taufen lässt. Das ist sein öffentliches Bekenntnis zu Gott.

Aber, und das ist das Spannende an dieser Geschichte, auch Gott bekennt sich zu ihm
Diese wunderschönen biblischen Bilder beschreiben es: 
Gott reißt den Himmel über Jesus auf - und der Gottes-Geist kommt wie eine Taube von oben auf Jesus herab.

Und da ist eine Stimme, die all das deutet: 
Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.

   
Liebe Schwestern und Brüder,

interessant ist, dass Jesus zu diesem Zeitpunkt wohl 30 Jahre alt ist. Anscheinend hat er 30 Jahre lang gebraucht, bis er diesen Schritt tun konnte.
Warum hat das so lange gedauert? Was hat sich da bei Jesus in der Zwischenzeit getan? 

Wie ich eben schon mal sagte: Wir wissen es nicht!
Aber wir dürfen annehmen, dass das eine fruchtbare und wichtige Zeit war; eine Zeit in der Jesus gelernt hat, so dass er „zu sich selbst finden konnte“ und sich im Glauben und im Gebet auf die Aufgabe vorbereitet hat, die da auf ihn wartete.

Ja, Jesus brauchte wohl diese lange Zeit, in der all das in ihm heranwachsen konnte, was nötig war, um „Knecht Gottes“ sein zu können -- so wie es bei Jesaja heißt:
Jesus musste die Geduld lernen, einen glimmenden Docht nicht auszulöschen, sondern abwarten zu können, ob er nicht doch noch brennt;
er musste sich in der Zärtlichkeit üben, einen geknickten Ast nicht abzubrechen, sondern so zu behandeln, dass er noch weiter wachsen kann.

Jesus musste lernen, Menschen nicht nach dem Augenschein zu richten, sondern auf sein Herz zu hören.
Menschen so anzusprechen und ihnen so zu begegnen, dass sie wieder Hoffnung bekommen – dass es hell wird in ihrem Leben und sie Gerechtigkeit erfahren.

Er musste entdecken, dass man Menschen nicht hilft, indem man große Worte schwingt, sondern indem man Menschen so anspricht, dass Gott bei ihnen ankommen kann.
Dieser Gott, der heilt, der vergibt und aufrichtet.

Und weil all das in diesen langen 30 Jahren in ihm wachsen konnte, deshalb kann Gott ihn jetzt seinen „geliebten Sohn“ nennen, der Mensch, an dem er Gefallen gefunden hat.

   
Liebe Schwestern und Brüder, 

es gab Zeiten, da haben wir gelernt, dass Jesus nichts lernen musste, sondern dass er, als Sohn Gottes, ja immer alles gewusst hat, dass er schon als Kind  quasi ein Erwachsener war. 

Aber wer so denkt, verkürzt eigentlich die Mensch-WERDUNG Gottes in Jesus - und der „verachtet“ im Grunde das Mensch-SEIN. 

Denn Menschen müssen lernen, Menschen müssen sich entwickeln – auch dieser Jesus;
denn sonst hätte er da am Jordan den anderen was vorgespielt; dann wäre sein Neuanfang eine „Show“ gewesen. Aber Gott spielt nicht Mensch, sondern er wird Mensch – mit all dem, was dazugehört - auch mit dem Lernen.

Und genau das ist doch so hoffnungsvoll: 
Wenn selbst Jesus als Mensch lernen musste, dann müssen wir nicht immer gleich schon perfekt sein; 
sondern dann dürfen auch wir immer noch lernen; wir dürfen uns weiter entwickeln -- und dann ist doch immer noch was bei uns drin. 

Und wenn es bei Jesus 30 Jahre gedauert hat, dann darf es bei uns vielleicht sogar noch ein bisschen länger dauern – bis wir in unserem Leben immer mehr das entwickeln und dann auch das leben und zum Leben bringen können, was Gott in uns hineingelegt hat.

So dass er auch zu uns sprechen kann:
Du bist mein geliebter Sohn. Du bist meine geliebte Tochter. 
An dir habe ich Gefallen gefunden.

  
Amen



Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu gelangen.

Mutter Rosa Flesch

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