Predigt von Richard Baus zum 1. Adventssonntag, Lesejahr B

Mk 13,33-37

  
Liebe Schwestern und Brüder,

mir geht der Türhüter nicht aus dem Kopf, von dem da gerade die Rede war. Dem Türhüter befahl er, wachsam zu sein.
Wachsam sein, was heißt das? Nicht schlafen dürfen? Kein Auge zumachen? Immer hellwach zu sein? Nun, das wäre sicher unmenschlich. Das kann niemand.
Wachsam sein heißt daher für mich eher: Auf der Hut zu sein. Darauf zu achten, dass niemand durch diese Tür hineinkommt, der da nicht reingehört. Also genau hinschauen!
Aber auch dann die Tür weit aufzumachen, wenn der Richtige vor der Tür steht, damit der nicht vor der Tür seines eigenen Hauses stehen bleiben und warten muss.

     
Aber, liebe Schwestern und Brüder, damit man weiß, wer der Richtige ist, wer der Herr des Hauses ist, muss man ihn aber auch kennen, muss man wissen, WER und WIE er ist.

UND: Der Herr muss auch zu erkennen sein, wenn er wiederkommt. Er muss so sein, dass man ihn wiedererkennt
denn sonst darf der Hüter ihm die Tür doch gar nicht öffnen.

    
Liebe Schwestern und Brüder,

diesen spannenden Gedanken habe ich in einer theologischen Abhandlung gefunden – und der beschäftigt mich seitdem sehr, weil ich ihn für sehr wichtig halte – auch für unser Gottesbild:
Wenn der Herr, der lange Zeit weg war, wiederkommt, dann muss er noch wiederzuerkennen sein. Er darf bei seiner Wiederkunft nicht anders sein als er es bei seiner Abreise gewesen ist. Denn sonst erkennt der Türhüter ihn doch nicht – und dann macht er ihm die Tür nicht auf und der Hausherr kommt am Ende gar nicht rein in sein Haus.

Aber da müssen wir uns um den Hausherrn, um den es an diesem 1. Adventssonntag geht sicher keine Sorgen machen, denn der wird noch derselbe sein, der da „abgereist“ ist.
Denn genau das hat doch mit der Treue zu tun, die wir Gott zuschreiben. Gott bleibt treu, so sagen wir - er bleibt sich selbst treu - und er bleibt uns Menschen treu.

Gott bleibt sich treu. Und das heißt doch:  Wenn er heute Schöpfer ist, dann kann er morgen nicht auf einmal Vernichter sein, Zerstörer.
Wenn er heute die Schöpfung gewollt hat und ins Dasein ruft, dann kann er sie nicht hinterher nicht mehr wollen und zur Hölle schicken.

Und wenn der menschgewordene Gott, unser Herr Jesus Christus, in seinem irdischen Leben so barmherzig und gütig war, einer, der Schuld vergeben und neue Anfänge möglich gemacht hat, um so die große Liebe Gottes deutlich zu machen und zu verkünden, dann kann er am Ende der Tage bei seiner Wiederkunft nicht ganz anders sein.
Dann kann er nicht strafen und nicht verderben ---
denn, wie gesagt: 
Dann würde man ihn ja nicht wiedererkennen.
Man könnte ihm ja nicht mehr glauben – und man würde ihm dann auch  ganz sicher die Tür nicht öffnen: Weil er nicht der ist, auf dessen Rückkehr man die ganze Zeit gewartet hat.

Nein, wenn er kommt, muss er sich treu geblieben sein:
Dann muss er sich, wie zu Zeiten seines Erdenlebens, auf die Seite der Kleinen und Schwachen stellen, dann muss er Kranke heilen, Tote auferwecken und Schuld vergeben, damit das Himmelreich Wirklichkeit werden kann.
Dann muss er sich mit den Sündern und Verlorenen an einen Tisch setzen, damit sie wieder zurückfinden und Heil werden können.

Ein wirklich spannender Gedanke.
Das alles wird der Herr also dann tun müssen – damit wir ihn wiedererkennen können. Damit wir ihm glauben können, dass wirklich er es ist, der da vor der Tür stehet.
Denn anders dürfte der Türhüter ihm ja nicht öffnen.

   
Liebe Schwestern und Brüder,

ich denke, dieses Evangelium am Anfang des Adventes will uns mahnen, damit wir, wie der Türhüter, in der Tat wachsam sind. Dass wir genau hinschauen und genau hinhören, damit wir nicht allem und nicht jedem die Tür öffnen, der da bei uns rein will, sondern nur dem Herrn.

Und deshalb müssen wir wohl auch als Kirche wachsam sein, damit wir auch in unserer Kirche nicht jedem und allem die Tür öffnen, was uns einreden will, er wäre der Herr….
Sondern nur dem, der auch wirklich gnädig und barmherzig ist wie der Herr selbst; der ein Freund der Menschen ist – und nicht nur der Frommen und Gerechten, sondern auch der Sünder und der Verlorenen.
Und der nicht will, dass auch nur einer von denen verloren geht, auch nur einer von denen abgeschrieben wird, nur weil er „der Norm“ nicht entspricht, aber für den er doch schon längst sein Leben hingegeben hat – damit auch der Anteil hat am Himmelreich.

 
Und deshalb, liebe Schwestern und Brüder,

muss uns der adventliche Ruf „Wachet auf“ auch gar nicht erschrecken, sondern eher freudig ermutigen,
weil dann, wenn wirklich unser Herr kommt, bestimmt nichts Böses kommt, sondern nur etwas Gutes.
Nicht das Verderben, sondern das Heil.
Nicht die große Abrechnung, sondern die große Versöhnung und Vergebung.

Denn sonst könnten wir an Weihnachten alles mögliche singen, aber doch nicht „Christ, der Retter ist da“!
Nicht „Menschen, die ihr wart verloren, lebet auf, erfreuet euch“!
Und auch nicht „Gott und der Sünder, sie sollen zu Freunden nun werden“!

Genau deshalb: Seid wachsam!
Seid wachsam, damit ihr - in eurem Leben und in eurer Kirche - wirklich nur dem die Tür öffnet, der auch wahrhaftig das Heil bringt, wahrhaft das Leben und die Freude bringt: Und das ist ganz alleine Christus, der Herrn.

Und damit wir ihn dann auch wiedererkennen, wenn er kommt ---
damit wir genau wissen; DER ist es, deshalb müssen wir ihn auch kennenlernen, am besten unser ganzes Leben lang.
Wir müssen ihn kennenlernen –
mit all seiner Liebe,
mit all seiner Menschenfreundlichkeit und
mit all seinem Erbarmen – 
denn daran sollen wir ihn ja wiedererkennen, 
damit wir ihm dann auch die Tür öffnen, wenn er zu uns kommt 
und bei uns anklopft – am Ende unserer Zeit.

   
Amen

 

 

 

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